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Rekordtrainer Schmidt : „Eigentlich wollte ich im Versicherungsbüro arbeiten“

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Rekordmann: Frank Schmidt ist seit zehn Jahren Trainer in Heidenheim Bild: dpa

Frank Schmidt ist seit zehn Jahren Trainer des FC Heidenheim, der am Abend in der zweiten Bundesliga gegen Darmstadt 98 spielt. So lange ist sonst keiner im deutschen Profifußball ununterbrochen tätig. Wie hat er das nur geschafft?

          Sagt Ihnen der Name Guy Roux etwas?

          Natürlich. Ich bin in letzter Zeit häufig mit diesem Namen konfrontiert worden. Wie lange war er noch gleich Trainer von AJ Auxerre?

          Mit kleinen Unterbrechungen 44 Jahre.

          Das ist schon eine wahnsinnige Geschichte. Allerdings würde ich ihn jetzt nicht zu meinen Vorbildern, was die Amtszeit betrifft, zählen. Ich glaube nicht, dass ich überhaupt so lange Trainer sein werde.

          Sie sind aber der dienstälteste Trainer im deutschen Profifußball und feierten am Sonntag Ihr zehnjähriges Jubiläum im Klub. Dabei hatten Sie ursprünglich gar nicht geplant, diesen Job überhaupt anzustreben...

          Richtig, ich bin eher zufällig reingeschlittert. Eigentlich war geplant, dass ich nach meiner Karriere als Spieler im Versicherungsbüro eines Freundes arbeite. Dann habe ich eigentlich interimsweise in der Oberliga den Trainerjob übernommen. Und es hat seither scheinbar von beiden Seiten ganz gut funktioniert.

          Es folgten der direkte Aufstieg in die Regionalliga, anschließend sofort in die dritte Liga, und nun spielt Heidenheim in der vierten Saison zweitklassig. Wie würden Sie Ihr Konzept beschreiben?

          Ich selbst sehe mich nicht als einen dieser sogenannten „Laptoptrainer“, obwohl ich natürlich mit dem Computer arbeite. Mein Fokus liegt auf dem Teamgeist, meine Spieler sollen jede Woche so auftreten, dass sich der Gegner denkt: Heidenheim ist unangenehm, gegen die spiele ich nicht gerne. Das hat auch nichts mit einem destruktiven Defensivkonzept zu tun, denn man kann es dem Gegner in vielerlei Hinsicht schwermachen und trotzdem selbst die Initiative übernehmen.

          Mit Spieler Marc Schnatterer: „Wir haben hier einen familiären Zusammenhalt und trotzdem einen hochprofessionellen Anspruch“

          Was macht die Arbeit in Heidenheim denn insbesondere aus?

          Wir haben hier einen familiären Zusammenhalt und trotzdem einen hochprofessionellen Anspruch. Ich denke, dass das in dieser Kombination einzigartig in Deutschland ist. Die Rahmenbedingungen werden jedes Jahr verbessert, und doch bewahren wir unsere Identität.

          Ist diese familiäre Atmosphäre ein Grund dafür, dass Sie in Zeiten, in denen Fußballtrainer geradezu inflationär ausgetauscht werden, schon so lange Trainer hier geblieben sind?

          Natürlich steigt mit der Zeit auch die Erwartungshaltung an mich und den Klub. Allerdings ist es wohl schon einfacher, hier zu arbeiten, wenn es mal nicht so läuft. Das liegt aber auch daran, dass wir uns die Strukturen dafür selbst schaffen. Wir haben bewusst weniger handelnde Personen als ganz große Vereine, dadurch aber auch weniger verschiedene Interessen, die zu Konflikten führen können.

          Sie selbst haben aber das Ziel geäußert, eines Tages in der ersten Liga zu trainieren. Müssen Sie Heidenheim dafür früher oder später verlassen?

          Das weiß ich jetzt noch nicht, im besten Falle gelingt uns dieses Bestreben aber irgendwann gemeinsam. Man will als Trainer jedenfalls immer mehr, dieser Prozess ist nie vollends abgeschlossen. Allerdings muss die Konstellation stimmen, das ist das Wichtigste. Heidenheim ist aber für mich bis 2020, so lange geht mein Vertrag noch, definitiv der richtige Ort.

          Gab es für Sie Möglichkeiten, zu einem anderen Klub zu wechseln?

          Ja, aber die Antwort war von meiner Seite die gleiche: Ich habe bisher immer abgesagt.

          Die Fragen stellte Thomas Hürner.

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