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Eintracht Frankfurt : „Die Zeit von Herrn Fischer ist abgelaufen“

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„Würden Sie Herrn Fischer zur Wiederwahl gratulieren? Ich glaube nicht“: Reiner Schäfer Bild: Wolfgang Eilmes

Reiner Schäfer will Peter Fischer als Präsident von Eintracht Frankfurt ablösen. Im F.A.Z.-Interview spricht er über seine Chancen bei der Wahl, seinen Konkurrenten und Lösungen für die Probleme des Vereins.

          Der frühere Eintracht-Frankfurt-Geschäftsführer Rainer Schäfer will nun Präsident des Klubs werden. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht er über seine Chancen bei der anstehenden Wahl, seinen Konkurrenten, die eigenen Beweggründe und Lösungsvorschläge für die Probleme des Vereins.

          Kapitän und Torhüter Kevin Trapp hat Partei für Präsident Peter Fischer ergriffen. Trapp sagt, dass Fischer enorm wichtig für den Verein und dessen Umfeld sei. Wo sind Ihre Fürsprecher, die sich für Sie in der Öffentlichkeit positionieren?

          Das ist das größte Problem der vergangenen sechs Monate. Grundsätzlich sind das viele Mitglieder des Vereins, die mich zur Kandidatur aufgefordert haben. Fürsprecher von mir haben Angst.

          Wovor?

          Davor, dass ich nicht gewählt werde. Denn das ist ja überall zu lesen. Der Eindruck ist entstanden, dass völlig klar ist, dass ich keine Chance habe.

          Und dann wollen diese Personen nicht mit Ihnen in Verbindung gebracht werden?

          Anders herum: Wenn sie dann als meine Unterstützer dastehen und Peter Fischer gewinnt, dann befürchten sie, dass sie dann ein Problem haben. Das sagen sie auch. Die Situation ist daher sehr schwierig für mich, so etwas finde ich ohnehin sehr merkwürdig. Denn wir machen doch nichts anderes als eine ganz normale demokratische Wahl, wie es sie in jedem Verein gibt. Und sollte ich denn verlieren, dann habe ich zumindest etwas getan: Ich habe der großen Eintracht-Familie mit meiner Kandidatur eine Alternative geboten.

          Welche Chancen rechnen Sie sich aus, Nachfolger von Peter Fischer zu werden?

          Gute. Das ist eine geheime Wahl. Ich werde sehr darauf achten, dass sie ordentlich durchgeführt wird.

          Warum wollen Sie trotz Ihrer schwierigen Ausgangssituation Präsident der Eintracht werden?

          Der amtierende Präsident hat im vergangenen Sommer erklärt, dass er möglicherweise nicht mehr Präsident sein will. Und ich bin gefragt worden, ob das nicht eine Aufgabe für mich sei.

          Wie war Ihre Antwort?

          Ich habe mit meiner Frau gesprochen. Sie hat mir gesagt, dass sie ausziehen würde. Sie kommt aus dem gleichen Ort wie Heribert Bruchhagen, aus Harsewinkel in Westfalen. Die Westfalen werden als stur bezeichnet. Treffender ist wohl, dass sie ihren Kurs beibehalten. Ich musste die Aussage meiner Frau, mit der ich seit 46 Jahren verheiratet bin, also sehr ernst nehmen. Ich habe sie dann jedoch auf meine Seite bekommen, als die, wie ich es nenne, Unsauberkeiten begannen. Es sei eine Frage der Zivilcourage, anzutreten, hat meine Frau gesagt. Ich habe daraufhin den ersten Schritt gemacht. Und schließlich bin ich vom Wahlausschuss und Verwaltungsrat jeweils einstimmig in getrennten Wahlgängen nominiert worden.

          Ist Herr Fischer ein seriöser Präsident?

          Als ich Geschäftsführer war, war Herr Ohms Präsident. Ihn schätze ich bis heute noch. Damals habe ich gesagt: Natürlich ist das Privatleben eines Präsidenten von Eintracht Frankfurt öffentlich und hat eine Wirkung. Das muss jeder in der Funktion bedenken. Aber ich äußere mich grundsätzlich nicht dazu. Das ist auch heute meine Haltung.

          Welche Fehler hat Herr Fischer gemacht?

          Mir wird vorgeworfen, dass ich nicht in der Lage bin, Dinge konkret zu benennen. Das hat damit zu tun, dass nach der Satzung der Verwaltungsrat über zwei Dinge Geheimhaltung und Vertraulichkeit bewahren muss: über die Verhandlungen und über die Beschlüsse. Das könnte man mal prüfen, ob das der Sinn einer Satzung sein kann. Die Mitglieder wählen ja Verwaltungsratsmitglieder, und sie entlasten diese auch. Und sie wählen Präsidenten. Sie haben also Verantwortung dafür, dass sie einen Präsidenten wählen, der wiederum vier Vizepräsidenten benennt, die wieder mit Zweidrittelmehrheit durch Wahlausschuss und den Verwaltungsrat bestätigt werden müssen. Wie wollen sie denn diese Verantwortung wahrnehmen, wie sollen Mitglieder entscheiden können, wenn sie überhaupt nicht wissen, wie im Detail die Lage des Vereins ist?

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