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Ralf Rangnick im Gespräch : „Mich schrecken die Gehälter“

Dazu drei Antworten. Erstens: Jo Kimmich ist ein Fall, wie ich ihn noch nie erlebt habe - und wohl auch nicht mehr erleben werde. Er war vor drei Jahren für den VfB Stuttgart nicht gut genug, um im zweiten A-Jugend-Jahrgang in der eigenen U 23 zu spielen, was er aber unbedingt wollte. Er hat dann bei uns in der dritten Liga jedes Spiel gespielt, wir sind aufgestiegen und hatten am Ende der Saison 30 Punkte mehr als die U-23-Mannschaft des VfB, für die er angeblich nicht gut genug war. Und dann war er bei uns auch Stammspieler in der zweiten Liga, dann beim FC Bayern - und schließlich in der Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft Leistungsträger. Das ist ein unglaublicher Karriereverlauf, der aber natürlich auch viel mit der Entwicklung bei uns zu tun hatte. Zweitens: Er war leider nur zu bestimmten Bedingungen zu verpflichten. Der VfB hatte ein Rückholrecht. So hat er zwei Jahre bei uns umsonst gespielt, und wir haben letztlich am Transfer zurück auch finanziell partizipiert. Darüber hinaus hat er unser Team weitergebracht und uns zum Aufstieg in die zweite Liga verholfen. Rückblickend ist der VfB Stuttgart der einzige Verein, dem das Herz bluten müsste. Die hätten so einen Spieler in der Bundesliga letztes Jahr gut gebrauchen können. Und drittens: Für uns wäre es, als Bayern München an ihn herantrat, völlig egal gewesen, ob wir zweite oder erste Liga gespielt hätten. So nachhaltig, wie das Interesse von Pep Guardiola und Michael Reschke war, wäre es unmöglich gewesen, ihn zu halten. Und so gibt es für mich nur eins: mitfreuen mit Jo! Und vor allem auch darüber, was über den Weg Leipzig mit ihm passiert ist.

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Welcher Spielertyp steht denn derzeit exemplarisch für das Spielerprofil, das RB Leipzig wichtig ist?

Bei den Olympischen Spielen war Lukas Klostermann einer der herausragenden Spieler. Er steht wie kaum ein anderer für unsere Auswahlkriterien – und den Weg, den wir gehen wollen. Uns geht es vor allem um die Mentalität. Lukas sehe ich noch lange nicht am Leistungslimit. Aber in der ersten Liga wird es für uns nun erst mal schwieriger, solche Spielertypen zu holen. Junge Spieler, die für uns interessant sind, sind vom Gehalt schon in Bereiche vorgestoßen, in denen wir uns noch nicht bewegen wollen. Oder die schon Champions League spielen wollen, was wir ihnen noch nicht bieten können.

Wie viele junge Spieler wie Kimmich, deren riesiges Talent in der A-Jugend nicht erkannt wird, gibt es denn noch im deutschen Fußball?

Jo Kimmich kann sehr vieles richtig gut, aber seine Mentalität ist herausragend. Und zwar so sehr, dass ich für ihn auch bei Bayern München keine Grenzen sehe. Solche Mentalitätsspieler sind äußerst selten. Er ist deshalb ein Ausnahmetalent. Und nur deswegen war sein Weg so überhaupt möglich. Ich halte es auch für denkbar, dass er bei den Bayern irgendwann Kapitän wird.

Zum Start geht es ausgerechnet nach Hoffenheim, gegen einen nach seinem Aufstieg ebenfalls angefeindeten sogenannten Plastikklub, den Sie als Trainer aus der dritten Liga bis zur Herbstmeisterschaft der Bundesliga geführt hatten. Welches Gefühl löst dieses Duell in Ihnen aus?

Das Spiel ist vor allem deshalb von großer Bedeutung, weil wir dort unsere ersten Punkte in der Bundesliga holen wollen. Das ist wichtig, denn im zweiten Spiel, zu Hause gegen Borussia Dortmund, gehen wir mal nicht von einem klaren Sieg aus. Ich werde zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder in Hoffenheim sein, seit dem damaligen Pokalsieg gegen Gladbach im Achtelfinale. Das war mein letztes Spiel als Hoffenheimer Trainer. Größere Gefühle gibt es da bei mir aber nicht.

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