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Ralf Rangnick im Gespräch : „Mich schrecken die Gehälter“

Noch mal, wo liegen Ihre Grenzen? Würde sich Leipzig einen Transfer wie Mario Gomez leisten können und wollen? Die Tore eines 31 Jahre alten Stürmers dürften dem VfL Wolfsburg, grob geschätzt mit Ablöse- und Gehaltskosten, rund 25 Millionen Euro in zwei Jahren wert sein.

Egal, wie viel Wolfsburg für Mario Gomez auch bezahlt – sie können das immer noch, obwohl der Klub in dieser Saison nicht international spielt. So einen Transfer schließe ich für uns auf absehbare Zeit aus. In Deutschland können generell nur die Bayern und gegebenenfalls auch Borussia Dortmund, Wolfsburg und Schalke Gehälter in englischen Dimensionen zahlen. Wir sind von diesen Größenordnungen Lichtjahre entfernt. Das ist auch logisch. Vor vier Jahren waren wir noch in der vierten Liga. Und wir haben jetzt noch Spieler dabei, die damals schon bei uns gespielt haben, unser Kapitän Dominik Kaiser und unser Torwart Fabio Coltorti. Wir haben bei uns aktuell ein ganz klares Gehaltsgefüge, an das wir uns auch halten, und sind deswegen bei einigen Verhandlungen ausgestiegen. Einer der Gründe unseres Erfolgs im letzten Jahr war der extreme Zusammenhalt. Um den zu erhalten, kann ein einzelner Spieler auch im besagten Gefüge nicht extrem ausscheren. Ich stufe uns im Moment im mittleren Drittel der Gehaltsskala in der Bundesliga ein.

Kommt Ihnen die Entwicklung mit den enormen Ablösesummen aus England nicht auch entgegen? RB setzt auf junge Spieler, deren Wert in einem Jahr schwindelerregend steigen kann. Michael Reschke, der Kaderplaner des FC Bayern und früher von Bayer Leverkusen, hat vorgerechnet: Die Spieler Brandt, Bellarabi und Öztunali hätten zusammen 617.000 Euro gekostet – inzwischen habe sich ihr Wert fast verhundertfacht.

Diese Spieler liegen vom Gehalt her jetzt schon weit über dem, was wir in Leipzig zahlen. Und Leverkusen gehört zu den Vereinen in Deutschland, die an den gleichen Spielern wie wir interessiert sind. Das macht es nicht einfacher. Mich schrecken im Moment auch gar nicht die Ablösesummen, sondern vielmehr die Gehälter, die damit einhergehen. Die Ablösesummen werden, genau wie Sie sagen, in den nächsten Jahren wegen England noch weiter steigen. Deswegen beunruhigen mich momentan Ablösesummen von 20 oder 25 Millionen Euro nicht. So, wie sich Talente bei uns schon zuletzt in zwei Jahren entwickelt haben, kann so ein junger Spieler dann schon einmal 50 oder 60 Millionen wert sein. Für uns ist jedenfalls auch jetzt das Gehaltsgefüge ein limitierender Faktor, auch wenn sich das Schritt für Schritt ändern wird. In den nächsten Jahren werden wir uns da nach oben entwickeln müssen. Alles andere wäre naiv. Die Spieler kommen ja nicht nur nach Leipzig, weil die Stadt so viel zu bieten hat. Wir wollen einen Spieler aber nicht nur finanziell zu einem Wechsel bewegen, sondern ihn vor allem mit unserer nachhaltigen und klaren Philosophie überzeugen – sowie der Perspektive, bei uns den nächsten logischen Entwicklungs- und Karriereschritt machen zu können.

Blutet Ihnen nicht immer noch das Herz, dass Sie Joshua Kimmich vor einem Jahr nicht von einem Wechsel zum FC Bayern abhalten konnten?

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