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Ralf Rangnick im Gespräch : „Mich schrecken die Gehälter“

Wenn wir eine gute Saison spielen und Fortschritte machen, dann wäre das für mich überhaupt kein Problem. Wenn es so liefe, würde ich das jetzt sofort unterschreiben. Wenn wir am Ende sagen können, dass wir eine einigermaßen sorgenfreie Saison gespielt haben, dann wäre ich mehr als zufrieden.

Die Folgen der Aufstiegsfeierlichkeiten sind auch für Rangnick ausgestanden.

Platz zehn?

Es kann auch sein, dass wir am Ende mit Platz sieben nicht zufrieden sind. Und zwar dann, wenn wir am Anfang phantastisch gespielt haben, so wie Hoffenheim im Aufstiegsjahr, und am Schluss nachlassen. Ich lasse mich nicht auf einen Tabellenplatz festlegen. Noch mal: Wenn wir eine sorgenfreie Saison spielen, bin ich mit allem zufrieden, was besser ist als Platz 16.

Platz drei?

Das wäre eine Sensation. Eine absolute Sensation. Was Hoffenheim vor sieben Jahren und Kaiserslautern mit dem Titelgewinn direkt nach dem Aufstieg gelungen ist, kann ich mir heute kaum noch vorstellen. Der Fußball hat sich dafür in den letzten Jahren einfach zu sehr verändert.

Meister?

Noch unwahrscheinlicher als eine Sensation. Man kann sich die Quote in einem Wettbüro anschauen, dann hat man die Antwort, wie wahrscheinlich das ist.

Für 10 Euro gibt es bei einigen Wettanbietern derzeit 1500 Euro, wenn Leipzig den Titel holt. Eine solche Sensation ist Leicester City in England gelungen, wenn auch erst im zweiten Jahr nach dem Aufstieg. Und in der Premier League ist noch mehr Geld im Spiel als in der Bundesliga.

Leicester hat aber fast 100 Millionen Euro Fernsehgeld erhalten. Da bekommt jeder Aufsteiger rund das Doppelte wie Bayern München. In Leicester werden zudem richtig hohe Gehälter gezahlt. In England kann ein Klub wie Bournemouth 18 Millionen Euro Ablöse für einen Stürmer zahlen, obwohl deren Stadion nur ein Fassungsvermögen von knapp über 11.000 Zuschauern hat. Damit dürften sie in Deutschland nicht mal in der zweiten Liga mitspielen.

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Vor fünf Jahren, als RB Leipzig noch vierte Liga spielte, beendete der FC Bayern die Saison als Tabellendritter, fünf Punkte vor Hannover, sieben Punkte vor Mainz. Heute ist das, wie sie zu Recht sagen, unvorstellbar. Haben Sie selbst mit dieser Entwicklung gerechnet?

Mir war schon klar, dass die Bayern nach dem zweiten Titel von Dortmund und dem 2:5 im Pokalfinale nicht mehr mit dem „Mia san mia“ einfach so weitermachen würden. Die Bayern haben aus diesen Niederlagen die richtigen Schlüsse gezogen, taktisch und personell. Sie spielen, trainieren und bilden ihre Spieler taktisch jetzt auf allerhöchstem Niveau aus. Der Erfolg in den letzten drei Jahren war die logische Folge. Ich glaube, dass es in dieser Saison nicht so deutlich für die Bayern laufen wird. Dortmund, Leverkusen und auch Gladbach werden es enger und spannender gestalten können – aber am Ende wird wahrscheinlich Bayern doch wieder deutscher Meister.

Der Transfermarkt, so heißt es, spiele verrückt. Leipzig war auch mal an Leroy Sané interessiert, der dann für über 50 Millionen zu Manchester City wechselte. Liegen Ihre Grenzen, was Transfer- und Gehaltshöhe angeht, tatsächlich bei 23 Jahren und drei Millionen Gehalt?

Die Engländer zahlen den Spielern so viel pro Woche wie viele Bundesligavereine im Monat. Und es gibt noch einen weiteren Riesenunterschied in der Bezahlung, der bisher kaum bekannt ist. Wenn einem Spieler in England das Kreuzband reißt, erleidet er keine finanziellen Nachteile. Er bekommt 18 Monate lang sein volles Gehalt. In Deutschland nur sechs Wochen. Danach ergeben sich für die Spieler entsprechende Gehaltseinbußen.

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