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„Hochdefizitär und auf Pump“ : RB Leipzig schießt nach Kritik aus Frankfurt zurück

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RB-Leipzig-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff wehrt sich gegen die Kritik aus Frankfurt. Bild: dpa

Aus Frankfurt wurde das Leipziger Geschäftsmodell als hochdefizitär bezeichnet. Der sportliche Erfolg sei „auf Pump“ errichtet. Nun folgt der Konter. Und Geschäftsführer Oliver Mintzlaff hat noch einen Tipp parat.

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          RB-Leipzig-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff hat seinem Frankfurter Funktionärskollegen Axel Hellmann Nachhilfestunden in Sachen Finanzen empfohlen. „Herr Hellmann kann die Sommerpause ja nutzen, um sich im Frankfurter Bankenviertel die Zusammenhänge erklären zu lassen und seine Expertise aufzufrischen“, sagte Mintzlaff dem „Kicker“. „Entgegen dieser tendenziösen Aussagen sind wir überhaupt nicht defizitär. Wir haben jedes Jahr einen Gewinn erwirtschaftet und hatten auch schon vorher ein positives Eigenkapital“, sagte Mintzlaff dazu.

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          Eintracht Frankfurts Vorstandsmitglied Hellmann hatte zuvor die Finanzpolitik beim Bundesliga-Konkurrenten aus Leipzig kritisiert. „Das Geschäftsmodell von RB Leipzig ist hochdefizitär und der sportliche Erfolg 'auf Pump' errichtet“, sagte der Finanzexperte Mitte Juni, ebenfalls im „Kicker“. Die Sachsen hatten zuvor bestätigt, dass sie durch einen Schuldenerlass von 100 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2018/2019 dank ihres Geldgebers Red Bull ihr Eigenkapital gestärkt haben.

          Mintzlaff fürchtet derweil bei einer freiwilligen Gehaltsobergrenze um die Wettbewerbsfähigkeit der Fußball-Bundesliga. „Ich bin kein Befürworter dieses Salary Caps, weil zu viele Limitierungen eine vernünftige Entwicklung des Produkts verhindern“, sagte Mintzlaff. „Es könnte Sinn machen, wenn es europaweit umgesetzt würde. Wenn es aber nur ein deutsches Modell wäre, würden wir Gefahr laufen, dass wir Top-Spieler verlieren, die Liga unattraktiver würde, die TV-Gelder deshalb sinken und die Vereine international an Bedeutung verlieren würden.“

          Zugleich setzte sich der 44-Jährige dafür ein, den Verteilungsschlüssel für die TV-Gelder nicht zu verändern. „Performance muss belohnt werden. Ich habe beispielsweise auch gar keine Probleme damit, dass der FC Bayern der größte Profiteur ist. Denn ohne den FC Bayern und ohne Borussia Dortmund würden wir diese Ergebnisse bei den TV-Geldern gar nicht erzielen“, meinte Mintzlaff. Rücke man davon ab, wären die Konsequenzen ähnlich wie bei einem nationalen Alleingang beim Thema Salary Cap.

          Leipzig hatte sich lange Zeit selbst eine Gehaltsobergrenze von drei Millionen Euro pro Spieler gesetzt. Mit wachsenden Ansprüchen und größerem Erfolg war dieses Modell jedoch nicht mehr umsetzbar und man rückte davon ab. Nach dem Abgang von Timo Werner ist Marcel Sabitzer der Top-Verdiener mit einem geschätzten Gehalt von 5,5 Millionen Euro pro Jahr.

          Mintzlaff kündigte trotz des Millionentransfers von Werner Zurückhaltung auf dem Transfermarkt an. Nach der Corona-Krise werde man „etwas vorsichtiger agieren, als wir es in der Vergangenheit gemacht haben. Wir werden weit weniger ausgeben, als wir für Timo Werner bekommen haben“, sagte der 44-Jährige. Der FC Chelsea zahlt für Werner eine Ablöse von 53 Millionen Euro.

          Angesichts der Krise gehe RB zurzeit von Einbußen in Höhe von 20 Millionen Euro aus. Zwar habe der Klub „sehr schnell in einen optimistischen Krisenmodus geschaltet“ und stehe in den Abläufen „noch abgestimmter und zielorientierter da. Es ist aber eine Illusion zu glauben, dass wir in diesem Jahr noch in einem ausverkauften Stadion spielen dürfen“, so der Geschäftsführer.

          Einen anteiligen Gehaltsverzicht soll es bei Profis, Trainern, dem Sportdirektor, dem Management und der Geschäftsführung noch bis zum Jahresende geben. „Da klar ist, dass wir nicht vor ausverkauftem Haus in die neue Saison starten, gehe ich davon  aus, dass auch die Mannschaft erneut ihren Beitrag leisten wird“, erklärte Mintzlaff.

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