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2:2 gegen Hertha : Nagelsmann kanzelt seine „Schülermannschaft“ ab

Kein Sieg am Mittwochabend: Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann Bild: EPA

Leipzig lässt gegen Hertha die große Chance zum Sprung auf Platz zwei liegen. Nach dem Spiel redet sich Trainer Julian Nagelsmann in Rage. Dabei schießt er nicht nur gegen sein Team, sondern auch gegen die DFL.

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          RB Leipzig hat die Gunst der Stunde nicht nutzen können, um sich zur Nummer zwei der Fußball-Bundesliga zu machen. Nach der Niederlage von Borussia Dortmund im Spitzenspiel gegen den FC Bayern am Vortag hätte die Mannschaft von Trainer Nagelsmann durch einen Sieg über Hertha BSC am Mittwochabend am BVB vorbeiziehen können – doch die Leipziger schafften nur ein 2:2 gegen die Berliner und treten damit auch im Kampf um die Qualifikation für die Champions League in der Corona-Spielzeit auf der Stelle.

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          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Die Chance lag auf dem Silbertablett vor uns, aber wir haben sie nicht genutzt“, sagte Nagelsmann, der keinen Hehl daraus machte, dass ihn der Abend frustrierte. „Das haben wir uns selber zuzuschreiben.“ In einer zeitweilig guten und bis zuletzt abwechslungsreichen Partie hatten die Leipziger zunächst einen 0:1-Rückstand durch Grujic (9. Minute) dank Treffern von Lukas Klostermann (24.) und Schick (68.) sogar in Unterzahl nach einer Gelb-Roten Karten für Halstenberg (63.) in eine Führung verwandelt. Doch einen von Lookman an Cunha verschuldeter Foulelfmeter nutzte Piatek noch zum verdienten Ausgleich für die Hertha (82.).

          Die Berliner hatten vor allem in der ersten Halbzeit einen überzeugenden Auftritt hingelegt. Das Team des neuen Trainers Labbadia war nach dem 3:0 in Hoffenheim und dem 4:0 gegen Union Berlin auch in Leipzig früh mit 1:0 in Führung gegangen. Grujic nutze den ersten Eckball unbedrängt zu seinem Treffer aus wenigen Metern Entfernung. Nagelsmann mochte seinen Ärger über die Leipziger Nachlässigkeiten – nicht nur in dieser Szene – nicht verhehlen. „Einen Standard im Stehen zu verteidigen ist nicht so einfach“, sagte er mit bitterer Ironie. Und kanzelte sein Team dann von oben herab mit einem einzigen Wort ab: „Schülermannschaft“.

          Bis zur Pause gerieten die Berliner gegen das Leipziger Topteam, das zuletzt 5:0 in Mainz gewonnen hatte, aus dem Spiel heraus nie in Gefahr, auch nicht, nachdem RB in der 24. Minute durch einen Kopfball von Klostermann ebenfalls nach einer Standardsituation zum Ausgleich gekommen war. Die Hertha wirkte körperlich und mental in der ersten Halbzeit sehr präsent – und präsentierte sich zudem mit einer erkennbaren und temporeichen Spielidee, mit der sich die Bundesliga-Skandalnummer der vergangenen Monate auch in Leipzig bestens sehen lassen konnte. Labbadia jedenfalls hat die Zeit der Corona-Pause so gut genutzt wie wenige seiner Kollegen – und mit sieben Punkten bei 9:2-Toren in drei Spielen einen echten Fortschritt in Berlin erreicht.

          Leipzig schien in der zweiten Halbzeit allmählich das Kommando zu übernehmen. Auch Nagelsmann fand die Leistung seines Teams nach dem Wechsel immerhin „okay“. Aber in der 63. Minute schüttelte er trotzdem nur noch den Kopf über „eine unnötige Aktion von vorne bis hinten“, die zur Gelb-Roten Karte von Halstenberg nach einem Foul an Cunha führte, obwohl Leipzig rund um diese nicht sonderlich gefährliche Aktion in Überzahl war.

          Doch nur fünf Minuten später ging Leipzig in Führung, nachdem RB einen Angriff der Hertha früh zunichtegemacht hatten und dann schnell umschaltete – und schließlich nach dem Schuss von Schick von der Strafraumgrenze aber doch nur dank der tätigen Mithilfe des Hertha-Torwart Jarstein 2:1 in Führung ging. Jarstein hatte sich den Ball, den er schon unter Kontrolle zu haben schien, durch eine hektische Aktion im Liegen noch irgendwie ins eigene Tor geworfen. Die Leipziger waren jedoch nicht clever genug, aus diesem Geschenk einen Sieg zu machen. Lookman brachte Cunha in der 82. Minute ungeschickt und unnötig zu Fall – Piatek ließ sich die Elfmeterchance nicht entgehen.

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          „Wir sind froh, am Ende noch einen Punkt geholt zu haben“, fand Nagelsmann, der an diesem Abend einen ziemlich bedienten Eindruck hinterließ, nicht zum ersten Mal in seinem ersten Leipziger Jahr. Seinen Frust ließ er dann auch an der DFL und deren Spielplangestaltung aus, die ihm, wie er sagte, nicht zum ersten Mal in dieser Saison gegen den Strich ging, wie er dies jedoch in unflätigeren Worten ausführte.

          Diesmal störte sich Nagelsmann daran, dass Leipzig zwei Tage weniger Pause hatte als die Hertha. Als sein Kollege Labbadia darauf angesprochen wurde, erinnerte der Hertha-Trainer nur daran, was er und die Hertha in ihrer kurzen Corona-Zeit mitgemacht haben – und welche Schwierigkeiten in dieser Zeit nun einmal für alle existierten: „Wir waren in Quarantäne.“ Auch in dieser Hinsicht lässt sich nach dem Auftritt des Hertha-Trainers sagen: Ein Punkt für Labbadia.

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