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2:2 gegen Gladbach : Leipzig verliert Platz eins trotz späten Traumtors

  • -Aktualisiert am

Der Schrei von Leipzig: Christopher Nkunku traf spät zum Ausgleich. Bild: Reuters

Vor dem Topspiel in München tauschen RB und der FC Bayern die Plätze in der Tabelle. Im Duell mit Gladbach spielen die Leipziger erst eine schwache erste Halbzeit. Nach der Pause wird es richtig turbulent.

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          Eine Woche voller innerbetrieblicher Turbulenzen sollte sich bei RB Leipzig endlich wieder da in Luft auflösen, wo sich die Sachsen am wohlsten fühlen: auf dem Platz. Die 0:2-Niederlage in Frankfurt, die folgende Schelte ihres Trainers Julian Nagelsmann, die sogenannte Friseur-Affäre und das zornige Nachwort von Nagelsmanns Vorgänger Ralf Rangnick: All das wollten die Profis endlich hinter sich lassen. Der frische Glanz, den sie sich am Samstagabend vom Spitzenduell mit Borussia Mönchengladbach erhofft hatten, blieb indes 45 Minuten lang aus.

          Bundesliga

          Die Rheinländer führten da 2:0 durch die Treffer von Pléa (24.) und Hofmann (35.). Erst danach fand RB mit einem Kraftakt und dem frühen 1:2 durch Schick (50.) besser ins Spiel und profitierte dazu von der Gelb-Roten Karte für Pléa (60.). Als das Spiel für die Borussia fast schon gewonnen schien, glich Nkunku (89.) mit einem Gewaltschuss noch zum glücklichen 2:2 aus. Die Tabellenführung verlor RB trotzdem an Meister Bayern, während die lange bravourösen Gladbacher von Rang drei auf Platz vier zurückfielen.

          Schon die ersten Aktionen der ersten Hälfte ließen erahnen, dass hier nicht RB, sondern zunächst die Borussia den Lauf der Dinge bestimmen würde. In der Heimatstadt ihres Trainers Marco Rose passte die taktische, spielerische und systematische Marschroute der Gladbacher genau.

          Die in einem 3-4-3-System antretenden Rheinländer setzten sich mit ihrem aggressiven, laufintensiven Spiel gegen den Ball und ihrem intelligenten Freilaufverhalten in ihrem Kombinationsspiel auf dem Weg zum gegnerischen Tor durch. Das 1:0 für Mönchengladbach entstand aus einem fabelhaften, von Thuram ausgelösten und von dessen französischem Landsmann Pléa mit einem Flachschuss vollendeten Angriff über vier Stationen, bei dem die Leipziger wie unbeteiligte Zuschauer wirkten.

          Rund zehn Minuten später spielte Neuhaus seinen Kollegen Hofmann frei, der sich bei seinem Schuss zum 2:0 die Torecke aussuchen konnte. Dazwischen lag eine augenscheinlich schwerere Kopfverletzung, die sich der Gladbacher Vorkämpfer Kramer, ersetzt durch Strobl, (29.) nach einem unbeabsichtigten Kniecheck des Leipziger Nationalstürmers Werner zuzog. Eine Situation, die an das WM-Finale 2014 in Brasilien erinnerte, als Kramer mit getrübtem Bewusstsein vom Platz wankte und sich später an fast nichts mehr in diesem von der deutschen Mannschaft gewonnenen Endspiel erinnern konnte.

          Schiedsrichter Stieler und die Gladbacher debattieren nach Pleas Platzverweis.

          In Leipzig pfiffen die RB-Fans ihr enttäuschendes Team zur Halbzeit aus. Nagelsmann reagierte und wechselte Forsberg und Mukiele gegen die Angreifer Poulsen und Schick aus. Der Tscheche nutzte gleich seine erste Gelegenheit kurz nach der Pause, als Torhüter Sommer Upamécanos Flanke schon abgefangen zu haben schien, dabei aber von seinem Mitspieler Zakaria unterlaufen wurde und den Ball fallen ließ, den der Schick zum Anschlusstreffer nutzte.

          Nun erwachte der Leipziger Kampf- und Widerstandsgeist. Ihn beflügelte noch der bis dahin gefeierte Gladbacher Pléa, den Schiedsrichter Stieler nach einem Foul verwarnte, wogegen der Stürmer mit einer abfälligen Geste so heftig protestierte, dass ihm der Unparteiische prompt die Gelb-Rote Karte vor Augen hielt (61.). „Die Rote Karte hat uns das Genick gebrochen“, sagte Torhüter Yann Sommer im TV-Sender Sky und verlangte „ein bisschen Fingerspitzengefühl in so einer Situation. Es ist ein Spitzenspiel, ein bisschen Emotion, das gehört dazu.“

          Trainer Marco Rose, der selbst Gelb bekam, mochte zu der Szene nichts sagen und meinte nur: „Jeder hat dazu seine Meinung. In Unterzahl wird es dann schwer.“ Schiedsrichter Tobias Stieler begründete die Gelb-Rote Karte für Pléa auch mit mangelndem Vorbildverhalten. „Er hat wiederholt abfällig gestenreich keinen Respekt gezeigt. Ich kann es nicht nachvollziehen, dass ein Spieler, wenn er Gelb bekommt, immer noch abfällige Gesten macht“, sagte der Unparteiische nach der Partie im TV-Sender Sky. Die Schiedsrichter seien angehalten, diese Unsportlichkeiten konsequent zu ahnden. Das sei auch Folge der strengeren Auslegung seit der Winterpause. „Ein solches Verhalten ist inakzeptabel, das ist kein Vorbildverhalten“, sagte Stieler.

          Dreißig Minuten in Unterzahl – der greifbar nahe Gladbacher Triumph geriet in höchste Gefahr, zumal Nagelsmann nun auch den frisch von Dinamo Zagreb verpflichteten spanischen Spielmacher und U-21-Europameister Dany Olmo ins Spiel brachte. Der tauchte ein in die immer größer werdende Hektik, die Stieler auch dazu veranlasste, dem Gladbacher Trainer Rose wegen Reklamierens die Gelbe Karte zu zeigen. Zehn Borussen aber verteidigten lange ihr Tor, das nur bei Olmos Pfostenschuss in Gefahr geriet (82.), bis kurz vor Ende der regulären Spielzeit couragiert. Dann aber setzte Nkunku zu einem mächtigen Distanzschuss, der in diesem packenden Duell das 2:2 bedeutete.

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