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Rassismus von Tönnies : „Das hat mich sehr überrascht, geschockt und verletzt“

  • Aktualisiert am

Eigentlich eng befreundet: Gerald Asamoah (links) und Clemens Tönnies Bild: Picture-Alliance

Der Eklat um Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies sorgt weiter für große Aufregung. Der DFB verurteilt die rassistischen Äußerungen scharf. Auch ein enger Schalker Freund kann nicht fassen, was passiert ist.

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          Cacau hat als Integrationsbeauftragter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die rassistische Aussage von Schalke-Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies in aller Deutlichkeit verurteilt. „Mich haben die verächtlichen Worte von Clemens Tönnies schockiert“, wird der frühere Nationalspieler in einem vom DFB veröffentlichten Statement zitiert. Je länger er darüber nachdenke, „desto unvorstellbarer wird es, dass ein Mann seiner Position und Erfahrung so generalisierend und abfällig über die Bevölkerung eines ganzen Kontinents spricht“, betonte Cacau und begrüßte, „dass die Äußerung von Clemens Tönnies nun auch von der DFB-Ethikkommission untersucht wird“.

          Tönnies‘ mehrfache Entschuldigung für „Inhalt und Form“ sei „dringend nötig gewesen“, sagte der 38-Jährige und unterstrich die integrative Komponente des Fußballs: „Wir Fußballer und Funktionäre tragen eine besondere Verantwortung und sollten uns gegen Rassismus authentisch und mit aller Kraft einsetzen und nicht an einer Spaltung mitwirken, die ohnehin in unserer Gesellschaft spürbar ist.“

          Tönnies hatte bei der Festveranstaltung zum „Tag des Handwerks“ in Paderborn eine Rede zum Thema „Unternehmertum mit Verantwortung – Wege in die Zukunft der Lebensmittelerzeugung“ gehalten. Der Schalke-Boss empfahl dabei die Finanzierung von Kraftwerken in Afrika und sagte laut der Zeitung „Neue Westfälische“: „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn“s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“ Bereits am Freitag bat der 63-Jährige um Entschuldigung und bezeichnete seine Aussagen als „töricht“.

          Auch der frühere Schalker Bundesliga-Profi Gerald Asamoah (40) reagierte mit Bestürzung auf die rassistischen Aussagen von Tönnies. „Ich bin ehrlich gesagt etwas sprachlos. Ich arbeite schon lange mit Clemens Tönnies zusammen, und wir sind auch schon lange eng befreundet. Mir gegenüber hat er sich nie rassistisch verhalten. Seine Äußerung hat mich sehr überrascht, geschockt und auch verletzt“, schrieb der 43-malige Nationalspieler bei Instagram.

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          Auch die Politik reagierte mit deutlichen Statements. Dagmar Freitag etwa, Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, sagte der „Welt am Sonntag“: „Dass so etwas von jemandem artikuliert wird, der eine herausgehobene Position im Sport innehat, macht die Sache umso schlimmer. Die am folgenden Tag veröffentlichte Klarstellung durch Herrn Tönnies kann den gesellschaftspolitischen Schaden sicher nicht wettmachen.“ Sylvia Schenk von Transparency International erklärte: „So etwas rutscht einem bei einer offiziellen Rede nicht einfach heraus, da steckt eine hochproblematische Einstellung dahinter.“

          Der Ehrenrat des FC Schalke 04 will sich voraussichtlich am Dienstag mit den umstrittenen Äußerungen des Aufsichtsratsvorsitzenden befassen. Der 63-Jährige habe unverzüglich zugesagt, der Einladung des in diesem Fall maßgeblichen Vereinsgremiums Rede und Antwort zu stehen, sagte Anja Kleine-Wilde, Leiterin der Schalker Unternehmenskommunikation, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. „Man wird das nicht tagelang aufschieben. Clemens Tönnies war sofort bereit, zu kommen und sich vor dem Ehrenrat zu erklären.“

          Der aus fünf Mitgliedern bestehende Schalker Ehrenrat, darunter drei Richter, hatte daraufhin angekündigt, sich „zeitnah“ mit dem Fall zu beschäftigen. Auch aus Vereinskreisen kamen Beschwerden und Aufforderungen, dass sich der Ehrenrat einschaltet. Zwar kann auch der dreiköpfige Schalker Vorstand mit Alexander Jobst (Marketing und Kommunikation), Peter Peters (Finanzen und Organisation) und Jochen Schneider (Sport) laut Vereinssatzung Sanktionen verhängen. Doch der Ehrenrat müsste sie ohnehin überprüfen. Mögliche Sanktionen reichen von einer „Verwarnung“, einem „Verweis“ bis zur „Enthebung aus Vereinsämtern auf Zeit und Dauer“. Bis zu einer Ehrenratsentscheidung werde sich kein Verantwortlicher mehr zu dem Thema äußern, betonte Kleine-Wilde.

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