https://www.faz.net/-gtm-83ws7

Kommentar : Rangnick mit Rangnick

Ralf Rangnick kann jetzt mit sich selbst verhandeln – Kompliment! Bild: dpa

Lange suchte Ralf Rangnick einen Coach für RB Leipzig. Nun hat er ihn gefunden: sich selbst. Für diese Aufgabe hätte Sportdirektor Rangnick einfach keinen Besseren auswählen können als den Trainer Rangnick. Kompliment.

          2 Min.

          Ralf Rangnick hat monatelang einen Fußballtrainer gesucht, der zu ihm und RB Leipzig passt. Jetzt hat er ihn endlich gefunden: sich selbst. Für diese anspruchsvolle Aufgabe hätte Sportdirektor Rangnick einfach keinen Besseren auswählen können als den Trainer Rangnick. Kompliment. Das passt sogar so gut, dass der Sportdirektor nicht mal die Handynummer herauskramen musste, um sich mit seinem neuen Trainer über die künftige Zusammenarbeit zu verständigen. Das konnten die beiden Rangnicks schon morgens vor dem Rasierspiegel klären.

          Die morgendliche Verhandlung im Badezimmer kann man sich hübsch ausmalen. Fragt der Sportdirektor Rangnick den Trainer Rangnick: „Kannst du dir vorstellen, für einen Brauseklub zu arbeiten?“ Sagt der Trainer Rangnick: „Ja, schon. Aber der Sportdirektor muss die Klappe halten. Auf dem Platz bin ich der Chef.“ Da runzelt der Sportdirektor Rangnick die Stirn und sagt: „Nur wenn du gewinnst. Sonst schmeiße ich dich raus.“ Sagt Trainer Rangnick: „Abgemacht. Ich bin ohnehin so gut, dass ich keinen Sportdirektor brauche.“ Da lacht der Sportdirektor Rangnick: „Und ich bin sogar so gut, dass ich keinen Trainer brauche. Wir passen perfekt zusammen.“

          Die neue Personalie beim aufstrebenden RB Leipzig ist natürlich kein Witz. Ralf Rangnick soll den Klub nun tatsächlich in Doppelfunktion in die Bundesliga führen. Tatsache ist aber auch, dass der globale Trainermarkt für diese Aufgabe im fußballerischen Niemandsland (außer Leipzig existiert im Osten nur noch Union Berlin unter den 36 besten deutschen Profiklubs) tatsächlich als verdammt eng angesehen wurde. Es gebe nur wenige Trainer, die zu diesem Verein passten, hatte Rangnick schon ganz früh während seiner Suche verlauten lassen. Und das hängt wiederum mit der Klub- und Spielidee von RB Leipzig zusammen, aber eben auch mit dem einflussreichen und einflusswilligen Sportdirektor.

          Thomas Tuchel galt in Leipzig als erste Wahl. Weshalb der heißeste deutsche Trainerkandidat des Jahres dort aber recht schnell absagte, lässt sich nicht so genau rekonstruieren: Wegen der besseren Perspektiven anderer Klubs, die er dann in Dortmund auch tatsächlich fand? Oder aus Sorge, sich gegen einen gefühlten Trainer im Sportdirektorenamt behaupten zu müssen, auf den im Erfolgsfall der Ruhm übergeht und der bei Misserfolg die Reißlinie zieht?

          Die Konkurrenz für RB Leipzig ist groß

          Diese offenen Fragen kann Rangnick nun ganz in Ruhe mit Rangnick klären. Der Trainer und der Sportdirektor spüren jedenfalls beide den Drang in sich, der Bundesliga noch einmal etwas beweisen zu wollen. Dass sie sich nun so schnell einig geworden sind, ist auch ein Zeichen, dass in Leipzig die Zeit drängt. Nachdem der reiche Aufsteiger den Durchmarsch von Liga drei in die Bundesliga nicht selbst, sondern nur als Zuschauer der bettelarmen Darmstädter erlebt hat, soll es nun wenigstens in der kommenden Saison klappen.

          Die Konkurrenz indes ist groß. Größer als in dieser Saison mit gestandenen Absteigern wie den zweitligaerprobten Freiburgern und den Kämpfern aus Paderborn. Und wenn sich zu den Traditionsklubs 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Braunschweig, Fortuna Düsseldorf nun auch noch der ruhmreiche Hamburger SV gesellen sollte, ist der Aufstieg in die erste Klasse alles andere als ein einfaches Spiel. Über diese Herausforderung haben die beiden Rangnicks bestimmt auch schon miteinander gesprochen. Aber vielleicht geben sich zwei, die sich so gut verstehen, sogar ein wenig mehr Zeit.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Abgeordnete im Deutschen Bundestag

          Corona-Kompetenzen : Die Gesetze macht immer noch der Gesetzgeber

          Beim Streit über die Kompetenzen des Bundestages geht es um mehr als nur um Formalitäten. Die Debatte ist auch eine Abrechnung mit der Art, wie die Corona-Politik bisher zustande gekommen ist.
          Schönau am Königssee: Alle Touristen mussten den Landkreis Berchtesgadener Land bis zum Beginn des Lockdowns verlassen. (Archivbild)

          Lockdown am Königssee : Jetzt ist auch für den Tourismus Schluss

          2500 Gäste mussten bis 14 Uhr den Landkreis Berchtesgadener Land verlassen. Bergbahnen und Ausflugsschiffe stehen still. Bei den Einheimischen macht sich Wut breit – über all jene, die den Lockdown durch ihr sorgloses Verhalten provoziert haben.
          Ein Kühlschrank mit kostenlosen Lebensmitteln im Stadtteil Brooklyn.

          Lebensmittelversorgung : Von New Yorkern für New Yorker

          In New York stehen auf den Bürgersteigen Kühlschränke mit kostenlosen Lebensmitteln. In Zeiten der Corona-Krise ist die Nachfrage danach immens. Das Konzept ist unkomplizierter als die Tafeln.
          Netflix: Keine besonders guten Zahlen für die Kalfornier

          Weniger Neukunden als erwartet : Corona-Kater für Netflix

          Netflix hat zwar weiter Neukunden während der Corona-Krise gewinnen können, doch die eigene Prognose wurde verfehlt. Auch für die Zukunft plant das kalifornische Unternehmen vorsichtig. Die Aktie sank.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.