https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/raffael-doppelpack-sorgt-fuer-gladbach-sieg-bei-bayern-13497536.html

2:0-Sieg für Gladbach : Schwarzer Abend für die Bayern

Das 0:1 – Bayern-Torwart lässt einen harmlosen Ball über die Linie rutschen Bild: Imago

Erste Heimniederlage und ein krasser Fehler von Neuer: Beim 0:2 gegen Gladbach läuft für die hilflosen Bayern nichts nach Plan. Zu allem Überfluss beklagen die Münchner auch noch einen verletzten Star.

          3 Min.

          Am Mittwoch hatte die Münchner Arena in der ungewohnten Farbe Grün erstrahlt – zur Feier des St. Patrick‘s Day, des irischen Nationalfeiertages. Am Sonntag leuchtete die Außenhülle wieder im vertrauten Rot, dafür dominierten innen die Farben der Grün-Weißen aus Mönchengladbach.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Mit einer taktischen Meisterleistung raubten die Borussen dem Tabellenführer jede Torgefahr und gewannen durch zwei Tore des Brasilianers Raffael (30. und 73. Minute) 2:0. Für die Bayern war es ein Dämpfer vor den Aufgaben in Champions League und Pokal nach Ostern – und eine Erinnerung daran, dass auch die Meisterschaft in diesem Jahr immer noch kein Selbstläufer ist.

          Ohne Franck Ribéry und nach 24 Minuten auch ohne Arjen Robben, der nach einem Foul von Tony Jantschke mit einem Bauchmuskelriss ausgewechselt wurde und mehrere Wochen fehlen wird, schafften es die Bayern nie, wirklich Tempo und Druck in ihre Angriffe zu bringen. Außer ungenauen Flanken und harmlosen Weitschüssen kam fast nichts dabei heraus. Die defensiv soliden Gladbacher wiederum waren zunächst bei ihren wenigen Konteransätzen noch zu ungenau.

          Erfolgreiche Gladbacher Viererkette: Die Borussia siegt in München Bilderstrecke
          Erfolgreiche Gladbacher Viererkette: Die Borussia siegt in München :

          Dann aber schaltete auf der rechten Abwehrseite, kurz vor der Mittellinie, Jantschke schnell, leitete einen halbhoch ankommenden Ball volley auf den rechten Flügel weiter in den Lauf von Patrick Hermann, und mit einem Mal war das Defensivkonzept von Pep Guardiola, nach der 1:4-Niederlage gegen Wolfsburg zum Rückrundenauftakt auf das strikte Verhindern gegnerischer Konter konzentriert, auf einen Schlag durchkreuzt. Hermann hatte Zeit, den Ball zu erlaufen, zu kontrollieren, die Laufwege der zentral mitspurtenden Kollegen mit einem Seitenblick zu erkennen – und sie mit einem perfekten Passweg zu kombinieren.

          Statt zum vornweg stürmenden André Hahn spielte er den Ball in den Rückraum zu Raffael, der ihn per Dropkick flach aufs Tor brachte – scharf, aber ungenau. Die Kugel flog genau in Richtung von Manuel, der bei seiner ersten Abwehraktion in der Partie die falsche Entscheidung traf, statt des Fußes die Hand wählte, unter der ihm der Ball knapp hinter die Linie rutschte – der erste wirklich krasse Fehler des weltbesten Torwarts in dieser Saison. Es war in Neuers 120. Bundesligaspiel für den FC Bayern eine ungute Erinnerung an sein erstes. Zum Auftakt seiner ersten Saison in München im August 2011 hatte Neuer mit einem groben Patzer eine 0:1-Niederlage ebenfalls gegen Mönchengladbach verschuldet.

          „Hoch verteidigen“ und „schnell umschalten“ waren für den Gladbacher Trainer Lucien Favre die entscheidenden Voraussetzungen, um in München zu bestehen – das Verteidigen gelang während der gesamten ersten Halbzeit gut, das schnelle Umschalten nur einmal, und das reichte, um mit einer Führung in die Pause zu gehen. Die Verantwortlichen der Bayern konnten sich in ihren Befürchtungen bestätigt sehen. „Sie haben eine super Organisation im Defensivverhalten und sehr gute Außenstürmer“, hatte Trainer Pep Guardiola gesagt. „Sie sind sehr, sehr gut organisiert“, fand Sportvorstand Matthias Sammer. „Es ist schwer, diese Mannschaft zu knacken.“

          Der abermalige Versuch Guardiolas, im zentralen Mittelfeld mit Bastian Schweinsteiger und Xabi Alonso anzutreten, brachte wieder keine erkennbaren Fortschritte. Das Aufbauspiel der Bayern wirkte deutlich behäbiger als gewohnt. Dass der Meister vor der Pause rund siebzig Prozent Ballbesitz hatte, brachte ihn nicht weiter – weil er nicht einmal vierzig Prozent der Zweikämpfe gewann. So beendete Guardiola das misslungene Experiment im Zentrum und brachte nach einer Stunde für den wirkungslosen Alonso den lauf- und zweikampfstärkeren Sebastian Rode. Sieben Minuten später zog der Katalane auch noch seinen letzten Joker und wechselte den vier Monate lang verletzten Kapitän Philipp Lahm für Götze ein. Es half auch nicht.

          Lahm war erst wenige Sekunden auf dem Spielfeld, da war Neuer zum zweiten Mal in der Partie gefragt – und diesmal so gerade auf der Höhe. Der schnelle Hahn erlief einen langen Pass, seinen harten Schuss lenkte der Bayern-Torwart an den Pfosten. Auf der Gegenseite erzielte wenigstens Außenverteidiger Juan Bernat mit einem Volleyschuss aus spitzem Winkel etwas Gefahr, die Torwart Yann Sammer aber bereinigte.

          Dann befreiten sich die Gladbacher gekonnt aus einem Pressing-Versuch der Bayern, im Mittelfeld erkannte Christoph Kramer den sich öffnenden Raum, lief, von Hermann bedient, durch die Bayern-Hälfte, ließ Schweinsteiger aussteigen und bediente Raffael, der unter Neuer hindurch zum 0:2 einschoss. Frenetisch feierten die Gladbacher den entscheidenden Treffer und vergaben gnädig bei den folgenden Kontern weitere Tore. Der Wirkungstreffer saß auch so bei den Bayern, die noch nie in dieser Saison vor eigenem Publikum so hilflos wirkten wie am Sonntag. Es war die erste Heimniederlage. Zuletzt hatten die Münchner in der Bundesliga vor knapp einem Jahr daheim mit 0:3 gegen Dortmund verloren.

          „Das war ein Big Point. Wir haben die ganze Rückrunde schon konstant gespielt. Die drei Punkte in München tun schon gut, zumal nicht viele damit gerechnet haben“, sagte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl und Patrick Herrmann ergänzte: „Wir haben heute Nadelstiche gesetzt und die Tore gemacht.“ Trainer Favre wollte trotz eines Vorsprungs von nun acht Zählern auf den Fünften Schalke 04 von der Champions League aber noch nichts wissen: „Wir wollen weiter punkten, Spiel für Spiel.“

          Weitere Themen

          Der Eroberer der Herzen

          Eintracht-Stürmer Kolo Muani : Der Eroberer der Herzen

          Randal Kolo Muanis Spielweise ist selbstlos und Unruhe stiftend. Damit fügt er sich gut in den Sturm der Eintracht ein. Das Warten auf den Franzosen scheint sich für die Frankfurter nun auszuzahlen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.