https://www.faz.net/-gtm-83z5w

Rafael van der Vaart : Hamburg hofft auf den Zauberfuß

  • -Aktualisiert am

Sein letzter Kampf für den HSV: Kann Rafael van der Vaart den Klub vor dem Abstieg retten? Bild: Reuters

Das Glück des Dinos scheint aufgebraucht. Van der Vaart soll mithelfen, dass der HSV das Relegations-Rückspiel in Karlsruhe übersteht und in der Bundesliga bleibt.

          3 Min.

          Es kann schon mutlos machen, wenn die Hoffnungen derart auf Spielern ruhen, die in den Jahren zuvor klein und kleiner geredet wurden, man sie mehrmals zum Verkauf anbot, in die zweite Mannschaft versetzte – und über das Saisonende hinaus sowieso nicht mehr haben möchte.

          So ist es beim Hamburger SV. Auch deswegen fühlt man sich nicht mehr länger als Relegations-Favorit. Die schwache Leistung beim 1:1-Hinspiel, die Sorgen um die angeschlagenen, formschwachen Stürmer Lasogga und Olic und das Selbstbewusstsein der Karlsruher lassen den HSV eher auf eine Überraschung im Wildpark (Montag, 19 Uhr / ARD, Sky und im Bundesliga-Liveticker) hoffen, als dass sie den Klassenverbleib aus ihrem eigenen Wirken heraus ableiten wollen. Rund um den Klub herrscht irgendwie das Gefühl vor, jetzt nach all den Patzern der Vorjahre und dem Glück der Relegation 2014 „dran“ zu sein.

          „Wir fahren da hin und gucken, was am Ende herauskommt“, hat Trainer Bruno Labbadia gesagt. Auch er wirkte zum ersten Mal müde von der zehrenden Aufgabe, diesen vor sieben Wochen am Boden liegenden Verein doch noch zu retten. Geistig wirkt der KSC frischer, und weniger zu verlieren hat er am Ende dann auch. Selbst Fans und Freunde des HSV haben in den Tagen nach dem Hinspiel die erstaunliche Unterlegenheit des Hinspiels angeführt und die Vermutung verbalisiert, nun könne das Glück des Bundesliga-Dinos einmal „aufgebraucht“ sein. Diejenigen, denen man noch vertraut, vertrauen muss, haben die Schwankungen bei den Norddeutschen hautnah miterlebt.

          HSV hat Lizenz für Zweite Liga

          Die Torschützen der vergangenen Partien des HSV hießen Gojko Kacar, Slobodan Rajkovic, Ivo Ilicevic. Keiner von ihnen dürfte in der kommenden Serie unabhängig von der Klassenzugehörigkeit noch beim HSV spielen. Während Kacar an diesem Montagabend im Play-off-Rückspiel aber seine Gelb-Strafe absitzt, soll Rajkovic neben Johan Djourou die Abwehr stabilisieren und Ilicevic dafür sorgen, dass der HSV ein Tor schießt. Irgendwie. So, wie es am Donnerstag war. Ilicevic steht seit 2011 unter Vertrag. Erst im Januar wieder wurde ihm bedeutet, keine Zukunft beim HSV zu haben. Davor hatte er durch viele kleine Verletzungen immer wieder den Anschluss an die erste Elf verpasst. Wenn er spielte, deutete er Fähigkeiten an, wirkte aber oft auch lustlos, als ginge ihn dieser HSV nun wirklich nicht mehr so viel an. Als der „Spiegel“ dann vor einem Jahr vom üppigen Gehalt des Kroaten aus Aschaffenburg berichtete, war das Urteil über ihn auch öffentlich gefällt. Symbolisch stand er für die jahrelange Geldverbrennung beim HSV.

          Einsatz im Abstiegskampf: van der Vaart im Zweikampf mit Stuttgarts Alexandru Maxim (links)

          Ob gerechtfertigt oder nicht, am Standort Hamburg gibt es viele solche Fälle, und selten ist nur der Spieler schuld. Rajkovic und Kacar sind ähnliche Fälle. Beispiele von Profis, die hier begeistert empfangen wurden, dann hoch bezahlt enttäuschten und nach kurzer Zeit verschwanden, gibt es zudem zuhauf. „Ich stehe bei jedem Spiel im Schaufenster“, hat Kacar vor einiger Zeit gesagt. Rajkovic, den der ehemalige Trainer Thorsten Fink nach einer Rangelei mit Heung-Min Son in die „Zweite“ abschob, sagte, er wolle in jedem Spiel einfach alles geben und werde dann sehen, was passiere. Solche Durchhalteparolen mit Verweis auf kommende Stationen klingen im Business Bundesliga vertraut. Kommen und gehen ist ein der Branche innewohnender Mechanismus. Wenn aber Labbadia nach dem Hinspiel sagt: „Wieder standen vier, fünf Spieler auf dem Platz, die keinen Vertrag haben“, dann verweist das auf mehr als flüchtige Phänomene – nämlich darauf, dass der HSV wegen des schlechten Kadermanagements der Jahre seit 2010 auf den Abstieg wartet.

          Auch einer, der in Hamburg einmal für mehr als das bittere Tagesgeschäft 2015 stand, gehört zu den weiterhin benötigten Auslaufmodellen. Kacars Bann ist Rafael van der Vaarts Chance. Da Jiráček leicht verletzt ist, dürfte van der Vaart am Montagabend auflaufen und sein letztes Spiel für den HSV machen. Danach? Vielleicht geht es in der Türkei noch ein paar Jahre weiter. Dass die umkämpfte Partie gegen den KSC am Donnerstag nichts für van der Vaart war, bewies Labbadia, indem er ihn nicht einwechselte. Nun hofft Hamburg ein letztes Mal auf den Zauberfuß, seine Eckbälle und Freistöße. Aus dem Spiel heraus erwartet man schon länger nichts mehr von ihm. „Jeder ist eine Option, so viel Auswahl haben wir ja nicht“, sagte Labbadia und verriet viel über seine Mannschaft und ihren Zustand.

          Am Ende einer langen Saison ist der HSV wieder kurz vor der zweiten Liga angekommen. Anders als im Vorjahr wirkt die Finanzlage im Falle des Abstiegs durch die Ausgliederung, AG-Gründung und damit einhergehende Einnahmequellen weniger bedrohlich. Sein Auskommen im Unterhaus hätte der HSV. Mit welchem Personal auch immer.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unsere Sprinter-Autorin: Heike Göbel

          F.A.Z.-Sprinter : Rezession, oder nicht?

          Die beunruhigenden Abschwungsignale in der deutschen Wirtschaft mehren sich schon länger. Heute erfahren wir, ob das Land in einer Rezession steckt. Was sonst noch wichtig wird, steht im Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.