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Neuer Eintracht-Stürmer Borré : Arbeitstier und Familienmensch

Sollte passen: Rafael Santos Borré präsentiert sein künftiges Arbeitsoutfit. Bild: Jan Huebner

Rafael Santos Borré soll in Frankfurt in Zukunft für Tore sorgen. Er stellt sich bei der Eintracht als gereifter Stürmer vor, der seine Vorfreude auf ein neues Abenteuer nicht verhehlen will.

          3 Min.

          Er hat es eilig. Eigentlich hätte Rafael Santos Borré noch sieben Tage die Seele baumeln lassen können. Drei Wochen Sommerferien (mindestens) sind jedem Profi der Eintracht gestattet. Und der 25-Jährige war bis zum 10. Juli mit der kolumbianischen Nationalmannschaft bei der Südamerikameisterschaft im Einsatz. Doch statt das Urlaubsfeeling noch ein wenig auszukosten, bereitet sich der Stürmer lieber schon jetzt auf seinen Arbeitseinsatz vor, der ihn zum zweiten Mal nach Europa führen wird, nun nach Frankfurt.

          Bundesliga
          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Die Eintracht sicherte sich im Juni die Dienste des Angreifers, der zuletzt bei River Plate Buenos Aires unter Vertrag stand. Am Freitagnachmittag wurde der siebte Zugang, der sich dem Bundesligateam des ebenfalls neu am Main tätigen Cheftrainers Oliver Glasner anschloss, offiziell im künftigen Trikot mit dem schwarzen Adler auf der Brust präsentiert. Borré soll demnächst, wenn die noch ausstehenden obligatorischen Leistungs-Checks absolviert sind, auch auf dem Platz für Tempo sorgen.

          Der Nachfolger von André Silva, den es zum Champions-League-Klub RB Leipzig zog, ist ein anderer Stürmer-Typ als der Portugiese. Was ihn vor allem vom bisherigen Goalgetter der Hessen unterscheidet: Borré ist wesentlich flinker. Er wiegt gerade einmal 70 Kilo und ist damit ein ähnliches Leichtgewicht wie der Däne Jesper Lindström, den die Frankfurter auch zur Verstärkung ihrer Offensive anheuerten.

          Hilfe von James und Córdoba

          „Guten Tag, ich freue mich, hier zu sein“, lautete sein Begrüßungsstatement vor den Kameras. Er sprach es auf Deutsch, ehe er seine Ausführungen im weiteren Verlauf von Klub-Dolmetscher Stéphane Gödde übersetzen ließ. Dabei sagte er unter anderem, dass er sich für ein Engagement bei der Eintracht entschieden habe, weil ihn die „menschliche Qualität“ in den Gesprächen mit seinen Verhandlungspartnern überzeugte. Ben Manga, der Sportdirektor, und Markus Krösche, der Sportvorstand, hätten sich „intensiv“ um ihn bemüht und damit die Mitbewerber ausgestochen, die ebenfalls an seiner (ablösefreien) Verpflichtung interessiert waren.

          Von seinen Landsleuten James Rodríguez, der von 2017 bis 2019 beim FC Bayern angestellt war, und Jhon Córdoba, den es nun von Hertha BSC zu FK Krasnodar zieht (und der von 2015 bis 2020 bei Mainz 05 und dem 1. FC Köln kickte), habe er Auskünfte über das ihm bislang unbekannte Land, seine Menschen und selbstverständlich auch das Fußballbusiness eingeholt.

          Was ihm die Kollegen zu erzählen wussten, ließ seinen Entschluss reifen, „den nächsten Schritt“ in seiner Karriere zu wagen. Mit ihm trafen seine Partnerin, die gemeinsame Tochter, die Schwägerin, die Nanny und der Berater ein, die während der Pressekonferenz, mit der die Frankfurter seinen Dienstantritt verkündeten, im Hintergrund der Stadionloge warteten – aber den Raum nicht mit leeren Händen verließen.

          Unter anderem bekamen sie für den Nachwuchs einen Babystrampelanzug im Eintracht-Style geschenkt, während der Papa, der vor den Mikrofonen zunächst im schicken schwarzen Hemd und legerer Löcher-Jeans die Fragen zu seiner Person beantwortet hatte, sein künftiges Dress mit der Rückennummer 19 (die zuvor der freiwillig nach Argentinien zurückgekehrte Kapitän David Abraham trug) erhielt. „Es war schön, nach der Copa América ein paar Tage Zeit für die Familie zu haben. Aber ich bin ein Spieler, der gerne an sich arbeitet. Ich habe mich fit gehalten und verspüre große Vorfreude, hier anzufangen“, sagte Borré.

          „Ich bin heiß darauf“

          Dass er 2016, beim ersten Fortgang aus der Heimat, zunächst bei Atlético Madrid und anschließend beim FC Villareal sein Glück nicht fand, wertete er nicht als schlechtes Omen, sondern als Erfahrung, die ihn habe reifen lassen. Er sei seinerzeit noch „sehr jung“ gewesen. Um sich auf Anhieb durchzusetzen, habe es ihm nach seinem Turbokarrierestart bei Deportivo Cali (20 Tore in 46 Partien) an der körperlichen Robustheit und spielerischem Verständnis noch gemangelt. Nun habe er sich aber bei River Plate (56 Tore in 149 Partien) „entwickelt“, sodass er mit einem „anderen Gesicht zurückkehren“ werde, kündigte er an.

          Er könne, sagte Borré, auf vielen Positionen in der Offensive eingesetzt werden: Als „hängende Spitze, Verbindungsspieler oder Außenstürmer“ fühle er sich am wohlsten, „Hauptsache, ich bin immer in der Nähe des gegnerischen Strafraums“. Und er fügte an, dass er trotz der Kürze der Zeit, in der er die Füße hochlegen konnte, vor Energie strotze und es kaum erwarten könne, sich mit Glasner im Detail darüber zu unterhalten, was genau der Coach mit ihm plane. „Ich bin heiß darauf“, sagte Borré, „zu trainieren.“ Das dürfte sich machen lassen.

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