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Probleme bei Hertha BSC : Die vielen Baustellen des Fredi Bobic

  • -Aktualisiert am

Blick auf die Uhr: Für Fredi Bobic bleibt bei seinem neuen Job in Berlin kaum Zeit fürs Private. Bild: dpa

In Frankfurt erwarb sich Fredi Bobic den Ruf des Perlentauchers und hatte viel Erfolg. Vor der Rückkehr mit Hertha BSC quälen ihn einige Sorgen. Denn sein Plan in Berlin geht bisher nicht auf.

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          Ein Rezept für ewige Jugend kennt auch Fredi Bobic nicht. Aber der Sportchef von Hertha BSC hat eine sehr genaue Vorstellung davon, was ihn fit hält. „Ich freue mich immer, wenn ich viel Arbeit habe. Da bleibe ich jung und komme nicht auf andere Gedanken und gehe irgendwo Golf spielen“, sagt Bobic. Das habe er seit zehn Jahren nicht mehr gemacht.

          Bundesliga

          Daran dürfte sich so schnell auch nichts ändern, hat sich Bobics Aufgabengebiet in den vergangenen Tagen doch noch einmal um einige Bereiche erweitert. Am Mittwoch gab Hertha den vorzeitigen Abschied von Hauptgeschäftsführer Carsten Schmidt bekannt, der sich aus familiären Gründen zurückzog. Schmidts Themen werden sich bis auf weiteres die beiden Geschäftsführer Bobic (Sport) und Ingo Schiller (Finanzen) teilen. „Natürlich bedeutet es, dass sich einige Dinge ändern. Für mich sicherlich noch einen Tick mehr, den ich zu tun habe. Da habe ich aber keine Angst vor“, sagt Bobic.

          Der 49 Jahre alte Manager steigt damit in der öffentlichen Wahrnehmung zum starken Mann bei Hertha BSC auf. Und das zu einem Zeitpunkt, der aus seiner Sicht kaum günstiger sein könnte. Am Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) kehrt Bobic mit den Berlinern nach Frankfurt zurück. An jenen Ort, an dem er in den vergangenen fünf Jahren sehr erfolgreich gearbeitet hatte. Aber auch an jenen Ort, an dem sein Abschied mit einigen Nebengeräuschen vonstatten ging.

          Bobic, der Perlentaucher

          „Ich freue mich darauf, Menschen zu sehen, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Ich hatte fünf tolle Jahre dort“, sagt Bobic. Wie er vom Frankfurter Publikum empfangen wird, ist dagegen weit weniger klar. Trotz der Erfolge, die Bobic mit der Eintracht feiern konnte. DFB-Pokalsieger wurde der Klub unter seiner Führung 2018, dazu konnte man sich wiederholt für die Europa League qualifizieren, stieß 2019 sogar bis ins Halbfinale vor.

          Die Trennung verlief jedoch wenig einvernehmlich, Bobics angekündigter Rückzug trug – in Verbindung mit dem Abschied des Erfolgstrainers Adi Hütter – unter anderem dazu bei, dass im Umfeld und in der Mannschaft eine Unruhe entstand, die letztlich zum Verspielen der sicher geglaubten Teilnahme an der Champions League führte.

          In Frankfurt hatte sich Bobic den Ruf eines Perlentauchers erworben, also eines Mannes, der auf dem Transfermarkt besonders erfolgreich agiert, weil er immer wieder Spieler findet, die anderen verborgen bleiben. Während seiner Zeit erwirtschaftete die Eintracht Transfererlöse im dreistelligen Millionenbereich. Das machte ihn für die Konkurrenz interessant. Erst recht für Hertha BSC, wo seit dem Einstieg des Investors Lars Windhorst zwar finanzielle Mittel vorhanden sind, es aber an Personal mangelt, welches das Kapital auch einzusetzen weiß.

          Bobic und die Last des Erfolgs

          Nach der Trennung von Manager Michael Preetz stieg Bobic schnell zur Wunschlösung der Berliner Verantwortlichen auf. Dabei spielten auch seine Vergangenheit als Spieler und die Tatsache, dass seine Familie in Berlin lebt, eine Rolle. Die Heimkehr machten sie ihm zudem mit einem üppigen Gehalt schmackhaft. Rund das Doppelte seiner Frankfurter Bezüge soll er verdienen.

          Auf Bobic projizieren sich die Hoffnungen der Berliner, endlich umsetzen zu können, was Investor Windhorst bei seinem Einstieg in Aussicht gestellt hatte: regelmäßige Europapokal-Teilnahmen und der Aufstieg in die nationale Spitze.

          Fredi Bobic: Hat er sich diesmal auf der Suche nach den Perlen vergriffen?
          Fredi Bobic: Hat er sich diesmal auf der Suche nach den Perlen vergriffen? : Bild: Imago

          Seit knapp vier Monaten ist Bobic nun im Amt, zu wenig, um seine Arbeit ernsthaft zu bewerten. Aber es gibt Anzeichen dafür, dass dem Perlentaucher zuletzt die klare Sicht in den Tiefen des Marktes fehlte. Bobic trennte sich vom kompletten Tafelsilber seines Vorgängers. Die Spieler Jhon Cordoba, Matheus Cunha und Dodi Lukebakio wurden entweder verkauft oder verliehen.

          Das brachte Geld, machte die Aufgabe für Trainer Pal Dardai aber auch nicht einfacher. Das Trio trug in der vergangenen Saison mit seinen Toren dazu bei, dass Hertha unter größten Mühen die Klasse halten konnte. Bobic machte keinen Hehl daraus, dass er die mitunter egozentrischen Spieler für die verbesserungswürdige Kaderhygiene mitverantwortlich machte.

          Altstars: Verletzt oder nicht in Form

          In Sachen Verpflichtungen setzte der Manager auf die Strategie, erfahrene ehemalige Könner mit aufstrebenden Talenten zu mischen. Nur geht der Plan bislang nicht auf. Die Altmeister stellten allesamt Risikotransfers dar, ihre Krankenakte sprach schon vorher kaum für Kevin-Prince Boateng und Stevan Jovetic. Die Befürchtungen bewahrheiteten sich, beide waren bisher entweder verletzt oder nicht in Form. Ähnlich sieht es bei den jüngeren Spielern aus, wirklich eingeschlagen hat noch keiner von ihnen.

          Am ehesten könnte der Niederländer Jurgen Ekkelenkamp ein Gewinn werden. Trainer Pal Dardai stöhnt regelmäßig, dass er noch einmal eine komplette Vorbereitung bräuchte, um das Team aufeinander abzustimmen. Die Probleme auf dem Transfermarkt spiegeln sich in den Ergebnissen wieder, Hertha hat fünf seiner sieben Ligaspiele verloren, in Frankfurt muss unbedingt gewonnen werden. „Keiner ist zufrieden, ich bin es auch nicht“, sagt Bobic. In der Berliner Realität ist er schneller angekommen, als ihm lieb sein kann.

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