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Wehen-Präsident Hankammer : „Vereine sind keine normalen Unternehmen“

  • -Aktualisiert am

Ein Fußballklub ist kein normales Wirtschaftsunternehmen: Wehen-Präsident Markus Hankammer Bild: obs

Markus Hankammer, Präsident des SV Wehen Wiesbaden, sieht viele der Zugeständnisse an die Profifußballklubs kritisch. Die Situation werde von Vereinen schamlos ausgenutzt, um Misswirtschaft auszugleichen.

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          Der 51 Jahre alte Markus Hankammer, Präsident des SV Wehen Wiesbaden, ist seit 1999 Geschäftsführer der Brita-Gruppe. Der SVWW-Hauptsponsor Brita ist einer der weltweit führenden Experten für Trinkwasseroptimierung und -individualisierung. Das Unternehmen beschäftigt knapp 2000 Mitarbeiter, der Hauptsitz ist in Taunusstein.

          Was ist in Corona-Zeiten schwieriger? Ein Wirtschaftsunternehmen zu führen oder einen Fußball-Profiklub?

          Für alle Beteiligten ist es eine Herausforderung – egal, ob es Unternehmen insgesamt oder Fußballvereine betrifft.

          Sind Wirtschaftsunternehmen in der momentanen Krise besser aufgestellt als Fußballvereine?

          Die Herausforderungen sind grundsätzlich ähnlich – bis auf einen gravierenden Unterschied: Wenn sie sich in der freien Wirtschaft bewegen, streben sie normalerweise immer nach vernünftigen Renditen. Der Fußball hingegen ist so aufgebaut, dass man mehr oder weniger mit einer Nulllinie kalkuliert. Man versucht, den sportlichen Erfolg zu maximieren, ohne sich groß zu verschulden. Natürlich gibt es unterschiedliche Beispiele, aber das ist das Grundprinzip beim Fußball. Wenn Ihnen dann allerdings gewisse Einnahmen wegbrechen, haben Sie im Fußball sofort ein Problem. Führen Sie hingegen ein Unternehmen und kommen auf eine Rendite von fünf oder zehn Prozent, haben Sie etwas mehr Luft. Das ist aus meiner Sicht das Problem beim System Fußball: Es wird zwar oft als Wirtschaftsunternehmen gesehen – und natürlich gibt es gewisse Parallelen –, aber es ist eben doch kein normales Wirtschaftsunternehmen. Mit der Folge, dass der Fußball in einer Situation wie der Corona-Pandemie relativ schnell unter Druck gerät.

          Müssten die Vereine über mehr Eigenkapital verfügen, um für solche Situationen besser gewappnet zu sein?

          Ja, das müssten sie im Prinzip. Sie könnten jetzt zwar gewisse Regeln vorschreiben. Trotzdem wird das Grundprinzip meiner Meinung nach immer das gleiche sein. Denn in einem Wirtschaftsunternehmen streben Sie nach wirtschaftlichem Erfolg. Im Profifußball dagegen geht es darum, den sportlichen Erfolg zu maximieren. Egal, welche Regelung Sie dann treffen, an den beiden grundsätzlichen Ausrichtungen werden Sie nichts ändern können. Sie können das Problem nicht lösen, aber vielleicht etwas abmildern. Hierbei wäre ein möglicher Sicherungsfonds von beispielsweise zehn Prozent pro Saison vom Saisonetat zu nennen. Auf jeden Fall ausgeschlossen sein müssten Beleihungen für die Zukunft, wie zum Beispiel Fernsehraten, die das Risiko für die Klubs bei Ausfällen nochmals deutlich erhöhen.

          Zeigt der allerorten vollzogene Gehaltsverzicht, dass der Fußball über seine Verhältnisse gelebt hat?

          Nein, das ist, glaube ich, kein Indiz dafür. Es ist vielmehr ein Indiz dafür, dass auch die betroffenen Mitarbeiter – ob das jetzt die Spieler, das Trainer- und Betreuerteam oder die Angestellten auf der Geschäftsstelle sind – alle verstanden haben, dass eine außergewöhnliche Situation vorliegt. Dass man selbst nur dann eine positive Zukunft hat, wenn im Endeffekt der Verein wirtschaftlich überleben kann. Insofern empfinde ich das als sehr positive Geste von allen und als einen sehr solidarischen Akt, freiwillig auf einen Teil seiner Bezüge zu verzichten. Hier sind wir ja beim SVWW in Deutschland vorangegangen, indem bei uns als erstem DFL-Klub alle unsere Mitarbeiter und Spieler genau dies getan und vereinsübergreifend freiwillig auf einen Teil ihres Gehalts verzichtet haben. Das sollte man wertschätzen und honorieren. Ich würde daraus aber beileibe nicht schließen wollen, dass das sozusagen das Problem der Vereine aufzeigt.

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