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Polizei zu Fan-Ausschreitungen : „Dann könnte es Tote geben“

Attacke mit teils schwerem Gerät: Anhänger des 1. FC Köln beim Conference-League-Spiel in Nizza Bild: AFP

Nach den letzten Gewalt-Eskalationen bei Fußballspielen übt die Polizei-Gewerkschaft Kritik in Richtung der Vereine. Auch fordert sie harte Strafen für die Fans – die bezeichnen das als „reinen Populismus“.

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          Die Gewerkschaft der Polizei blickt mit Sorge auf eine zunehmende Gewalt im Umfeld von Fußball-Spielen und befürchtet eine weitere Eskalation. Die Grenzüberschreitungen würden zunehmen, die Vereine würden sich zurückziehen und kaum etwas gegen gewaltbereite Fans tun, sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende Michael Mertens dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Wenn sich nicht bald etwas ändert, dann könnte es Tote geben“, warnte der Landesvorsitzende von Nordrhein-Westfalen.

          Jan Ehrhardt
          Sportredakteur.

          Zuletzt hatte es Ausschreitungen durch gewaltbereite deutsche Fans etwa beim Conference-League-Spiel des 1. FC Köln in Nizza sowie beim Champions-League-Spiel von Eintracht Frankfurt in Marseille gegeben. Dabei waren zahlreiche Menschen verletzt worden.

          Dachverband der Fanhilfen widerspricht

          Nach Ansicht von Mertens gibt es nach Ende der coronabedingten Geisterspiele einen „Nachholbedarf beim Austoben“ in der gewaltbereiten Szene. „Das war schon beim Ende der letzten Saison so, das geht in der neuen weiter.“

          Er fordert von den Vereinen ein lebenslanges Stadionverbot für die Beteiligten. „Die Vereine müssen doch selbst ein Interesse haben, dass Fußball ein Familienevent bleibt“, sagte der Gewerkschafter. Der 1. FC Köln hatte zuletzt angekündigt, überführte Gewalttäter aus dem Verein auszuschließen und ein Stadionverbot gegen sie zu verhängen.

          Der Forderung nach lebenslangen Stadionverboten widersprach der Dachverband der Fanhilfen entschieden, der den Vorstoß in einer Mitteilung am Donnerstag als „reinen Populismus“ verurteilte. Deutsche Stadien seien, gemessen an der Zahl der Straftaten pro Besucher, „viel sichere Orte als beispielsweise das Oktoberfest in München“. Fußballfans als potentielle Gewalttäter unter Generalverdacht zu stellen, sei deshalb der falsche Weg. „Der Anteil von Straftaten im Rahmen von Fußballspielen ist im Vergleich zu dem enormen Zuschaueraufkommen in den Stadien marginal.“

          Kürzlich hatte bereits Fan-Experte Michael Gabriel, der Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), eine wachsende Gewaltbereitschaft konstatiert. „Das hat innerhalb der Ultragruppen unseres Erachtens noch eine größere Bedeutung, eine größere Wertigkeit bekommen“, sagte Gabriel etwa dem Deutschlandfunk. Laut Gabriel sei die jüngste Häufung gewalttätiger Vorfälle auf internationaler Ebene besorgniserregend und in ihrer Dimension „sehr, sehr verstörend“. Seiner Ansicht nach sei es Glück gewesen, dass es bei den beiden Partien in Frankreich „keine Toten gegeben hat“.

          Zu den möglichen Hintergründen der wachsenden Gewalt im deutschen Fußball erklärte Gabriel zuletzt gegenüber der F.A.Z., es habe bei vielen Fans ein ungutes Gefühl hinterlassen, „dass der Fußball während der Pandemie den Eindruck vermittelt hat, dass es immer weitergeht, auch ohne Fans. „Vielleicht liegt darin ein Motiv, jetzt zu zeigen: Wir sind wieder da und nicht zu übersehen.“

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