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Transfercoup nach Saisonstart : Coutinho lenkt von Bayerns Defiziten ab

Es lief noch nicht rund beim FC Bayern zur Saisoneröffnung. Bild: AFP

Die Münchner versuchen, sich das 2:2 gegen Hertha zum Saisonstart der Bundesliga schönzureden. Da hilft es, dass nach dem Spiel zwei Transfers bekannt werden. Einer davon ist spektakulär.

  • -Aktualisiert am

          Unten im Bauch der Münchner Arena kündigte sich die nächste Unstimmigkeit an. Renato Sanches strebte kurz nach Ende des Saisonauftakts mit grimmiger Miene Richtung Ausgang. Dass er nicht bester Laune war, hatte allerdings nur bedingt etwas mit dem 2:2 des FC Bayern gegen Hertha BSC zu tun, sondern vor allem mit seiner Spielzeit. Er war erst in der Schlussphase der Bundesliga-Eröffnungspartie eingewechselt worden, zu wenig, wie der Portugiese fand, und er tat seine Verärgerung auch öffentlich kund. „Die Situation ist nicht gut für mich“, sagte er.

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          Auch hinter einer weiteren Personalie der Münchner verschwinden die Fragezeichen vorerst nicht. Angesprochen auf die Zukunft von Innenverteidiger Jerome Boateng bei den Bayern, gab sich Karl-Heinz Rummenigge zurückhaltend. „Ich will da weder hü noch hott sagen. Das Transferfenster hat bis 2. September auf“, sagte der Vorstandsvorsitzende nach der Partie gegen die Hertha. Noch am vergangenen Mittwoch hatte Trainer Niko Kovac Boateng als „festen Bestandteil“ der Mannschaft bezeichnet, genau wie Sanches hinterließ der gebürtige Berliner Boateng in der Vorbereitung einen starken Eindruck. Gegen Berlin erhielt allerdings Neuzugang Benjamin Pavard den Vorzug vor dem 30 Jahre alten Weltmeister von 2014.

          Am Fernsehmikrofon dagegen sorgte Hasan Salihamidzic dafür, dass über Befindlichkeiten einzelner Spieler und das Unentschieden, das „vom Gefühl her erst einmal eine riesige Enttäuschung“ war, wie Thomas Müller später zugab, doch nicht mehr so viel gesprochen wurde an diesem Abend in München. Der Sportdirektor verkündete, dass sich der deutsche Rekordmeister mit Philippe Coutinho vom FC Barcelona verstärken werde: „Es fehlen nur noch ein paar Details.“

          Eine Viertelstunde später bestätigte Vereinschef Karl-Heinz Rummenigge den Transfer auf Leihbasis – und versuchte, mögliche Bedenken zu zerstreuen, der brasilianische Flügelstürmer sei nur eine Notlösung, weil Wunschkandidat Leroy Sané nach dessen Kreuzbandverletzung nun erst einmal nicht zur Verfügung stehe. „Wir haben den Namen nicht erst vor zwei Tagen aus dem Hut gezaubert“, sagte Rummenigge. Kovac ist sicher, Coutinho „wird uns gut zu Gesicht stehen und das zeigen, was er letzten Endes kann, nämlich richtig gut Fußball spielen“.

          Und noch einen zweiten Neuzugang gab es an diesem Abend zu vermelden, wenngleich keinen sehr spektakulären. Die Bayern verpflichten Mickael Cuisance von Borussia Mönchengladbach. Der französische Junioren-Nationalspieler ist damit nach Ivan Perisic, der gegen Hertha wegen einer Gelbsperre aus seiner Zeit bei Inter Mailand noch passen musste, und eben Coutinho die dritte Verpflichtung der Münchner innerhalb von wenigen Tagen.

          Wenn der Erfolg auf dem Platz ausbleibt, ist es ganz gut, wenn es daneben etwas Positives zu mitzuteilen gibt, um von Defiziten abzulenken. Allerdings versuchen die Münchner immer wieder, Partien wie das gegen Hertha besser zu reden, als sie sind. Salihamidzic hatte „ein richtig gutes Spiel“ seiner Mannschaft gesehen. Müller sprach von „Dominanz und Überlegenheit“, und Trainer Kovac sah ein Spiel „auf ein Tor“ und lobte seine Profis: „Sie haben alles versucht, alles gegeben.“ Die oft als Beweis für eine Übermacht herangezogene Ballbesitzquote von mehr als 70 Prozent mochte die Meinung des ehemaligen der Münchner ebenso stärken wie die Eckballbilanz (12:0 für Bayern) sowie die Anzahl der abgegeben Schüsse aufs Tor (7:3). Auch die Bilanz der gewonnenen Zweikämpfe entschieden die Münchner klar für sich (60:40).

          Aber der FC Bayern schaffte es, aus der Vielzahl seiner Chancen nur ein Tor aus dem Spiel heraus zu erzielen, durch Robert Lewandowski (24. Minute). Für den zweiten Treffer benötigte der Pole einen Foulelfmeter (60.). Hertha überzeugte mit Mut, einer kreativen Taktik – Trainer Ante Covic beorderte den schnellen Offensivspieler Mathew Leckie ein Stück nach hinten, damit er Rechtsverteidiger Lukas Klünter gegen Bayerns Vorbereitungsbesten Kingsley Coman unterstützte – und Effektivität.

          Den Berlinern genügten drei Chancen für zwei Tore, wobei beim ersten viel Glück dabei war. Der Schuss von Rekord-Transfer Dodi Lukebakio, der in München in der vergangenen Saison mit Fortuna Düsseldorf bereits dreimal getroffen hatte, wurde vom Rücken des Kollegen Vedad Ibisevic abgefälscht und war somit unhaltbar für Manuel Neuer im Tor des FC Bayern (35.). Beim zweiten Treffer zwei Minuten später von Marko Grujic agierte Hertha einfach gedankenschneller als der Double-Sieger der vergangenen Saison.  

          Dass der FC Bayern – wie sich schon in der Vorbereitung angedeutet hat –, hinten bei schnellem Umschaltspiel anfällig ist und vorne die Ideen aus der Zentrale fehlen, wurde nur am Rande gestreift. Oder heruntergespielt. „Der letzte Pass“, sagte Niklas Süle, „hat ein bisschen gefehlt.“ Die umständlichen Offensiv-Aktionen lieferten beste Argumente für die Verpflichtung des spielstarken Coutinho, der nicht nur auf dem linken Flügel eingesetzt werden kann, sondern auch auf der Zehner-Position.  „Es nutzt nichts, wenn wir jetzt lamentieren über ein Unentschieden. Berlin hat es gut gemacht, wir haben es nicht so schlecht gemacht“, sagte Rummenigge. Ein erstes Fazit könne man am zehnten Spieltag ziehen, fand der Vorstandsvorsitzende – wenn sich die Mannschaft mit Perisic und Coutinho mitten im für die Bayern manchmal schwierigen Herbst befindet.  

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