https://www.faz.net/-gtm-7rmpg

Fußball-Bundesliga : Hamburg setzt auf das System Hoffenheim

Bernhard Peters wechselt zum Hamburger SV Bild: picture alliance / Sven Simon

Der neue HSV-Chef Beiersdorfer richtet den Bundesligaklub neu aus: Bernhard Peters folgt auf Oliver Kreuzer und wird „Direktor Sport“. Trainer Slomka bleibt wohl, gesucht werden neue Talente.

          3 Min.

          Nichts ist nach außen gedrungen, erstmals seit vielen Monaten konnten die Verantwortlichen des Hamburger SV wieder selbst Nachrichten verbreiten. Montagabend: Sportdirektor Oliver Kreuzer muss den Fußballklub nach gerade einmal einem Jahr wieder verlassen. Dienstagvormittag: Bernhard Peters wird am 1. August als neuer Direktor Sport beim HSV anheuern, er kommt vom Bundesliga-Konkurrenten 1899 Hoffenheim. Der neue Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer treibt den Umbau des Vereins unermüdlich voran, er sagt: „Die Verpflichtung stellt einen wesentlichen Teil der sportlichen Neuausrichtung dar.“

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Beiersdorfer ist damit ein echter Coup gelungen: Peters, 54 Jahre alt, ehemaliger Hockey-Bundestrainer, war seit 2006 Direktor für Sport und Nachwuchsförderung bei 1899 Hoffenheim. Davor sollte er nach dem Wunsch des damaligen Bundestrainers Jürgen Klinsmann sogar Sportdirektor beim Deutschen Fußball-Bund werden, das Präsidiums den Verbandes allerdings entschied sich dagegen. „Wir sind sehr glücklich, dass es uns gelungen ist, mit Bernhard Peters einen der national und international anerkanntesten Experten in den Themen Fußballstruktur, -konzept und Nachwuchsentwicklung für den HSV zu gewinnen“, sagt Beiersdorfer auf der Internetseite des Hamburger SV.

          In Hoffenheim hat Peters eines der führenden Nachwuchszentren der Republik geformt, die U 15-, U 17- und U 19-Teams zählen allesamt zur deutschen Spitze, die A-Jugend wurde erst in diesem Jahr deutscher Meister. Seit Markus Gisdol als Trainer das Sagen hat, haben viele Talente den Sprung zu den Profis geschafft. Das System Peters in Hoffenheim gilt als beispielhaft, sogar Hansi Flick, der neue Sportdirektor der Nationalmannschaft, schaute in der Vergangenheit immer wieder dort vorbei, um sich für seine Arbeit inspirieren zu lassen.

          Peters gilt als Vor- und Querdenker in der Szene

          Peters, ein Sportwissenschaftler, gilt als Vor- und Querdenker in der Szene. Einer, der andere Wege geht. „Fleiß“ und „Konsequenz“ sind zwei seiner Lieblingsworte, er hat früh erkannt, dass die Spieler vor allem individuell viel mehr gefördert werden müssen. Deshalb fragte er sich, warum es in jedem Klub zwar einen Trainer für die Torhüter, aber keinen für Abwehrspieler und Stürmer gebe. Und er sorgte dafür, dass die Talente in Hoffenheim auch abseits des Rasens gefördert werden: Nachhilfelehrer, Eliteschulen, ein Internat, Gastfamilien – so sollte ein Anreiz geschaffen werden, damit junge Spieler nicht nur in die Jugend der großen Vereine wie Bayern München, Schalke 04 oder Borussia Dortmund wechseln.

          Der Hamburger SV hat zuletzt viele Talente verloren. Erst vor der vergangenen Saison zog es sogar den Enkel von Uwe Seeler fort, Levin Öztunali wechselte nach Leverkusen und spielte inzwischen schon neun Mal in der Bundesliga. Peters kündigte an: „Jetzt ist es mein Ziel, gemeinsam mit Dietmar Beiersdorfer und unseren Mitarbeitern, dem HSV eine eigene fußballerische Identität zu geben: eine Philosophie, aus der heraus vom Kinder- über den Jugend- bis hin zum Profibereich eine unverwechselbare Handschrift entwickelt wird.“ Dafür soll ein neues Trainingszentrum, der so genannte HSV-Campus, geschaffen werden.

          Nach einem Sportchef wird weiter gesucht

          Neben Peters soll zudem ein weiterer Fachmann kommen, der sich als Sportchef um die Profis kümmert. Im Gespräch ist unter anderem der ehemalige St.-Pauli-Profi Peter Knäbel, der derzeit als Technischer Direktor beim Schweizer Fußball-Verband beschäftigt ist. Bis dahin hat Beiersdorfer die Transfers dieses Sommers zur Chefsache erklärt. Kreuzer hatte zuletzt noch an der Verpflichtung von Stürmer Pierre-Michel Lasogga mitgewirkt, doch dem ehemaligen Verteidiger wurden zu viele Fehlentscheidungen bei Trainer- und Spielerverpflichtungen angelastet, die den HSV an den Rand zur Zweitklassigkeit gebracht hatten. Kreuzer war erst im Sommer 2013 vom Karlsruher SC gekommen, für ihn mussten die Norddeutschen eine Ablöse in Höhe von rund 650 000 Euro bezahlen. Nun ist eine Abfindung fällig, da der Vertrag des Sportdirektors noch bis 2016 gültig ist.

          Sogar die Zukunft von Trainer Mirko Slomka schien zuletzt unsicher. Nun aber stellte Beiersdorfer klar, dass sich an diese Position nicht ändern werde. Slomka sagt: „Ich denke, er wird dem HSV gut tun. Ich finde, er hat den richtigen Ansatz: Wir müssen wieder zu einem richtigen Fußballklub werden.“ Kurzfristig helfen ihm bei seiner Arbeit allerdings keine Talente, deshalb fordert er Verstärkungen: „Die Mannschaft braucht noch das eine oder andere Gesicht“, sagt Slomka. Beiersdorfer ist längst in Verhandlungen, in der kommenden Woche soll es neue Meldungen geben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

           Der Sarg des getöteten Wissenschaftlers am Sonntag in der iranischen Stadt Mashhad

          Mord an Atomwissenschaftler : Ein Stich ins iranische Herz

          Der „Vater“ des iranischen Atomprogramms wird Opfer eines Anschlags. Kaum jemand zweifelt daran, dass Israel dahinter steckt. Das Attentat ist auch ein Fingerzeig für Joe Biden und seinen Umgang mit Iran.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.