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Bundesliga-Kommentar : Dortmund übertrifft die Bayern

  • -Aktualisiert am

Eben noch Köln, nun schon Dortmund: Peter Stöger Bild: dpa

Auch wenn er in Köln den Umschwung nicht schaffte: Von allen denkbaren Trainer-Kandidaten ist Stöger der bestmögliche für Dortmund – und der mit dem größten Charisma. Mit seiner Verpflichtung gelang der Borussia etwas Besonderes.

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          Borussia Dortmund hat den FC Bayern überholt – damit kann man im Grunde nie rechnen und konnte es in dieser Saison ganz sicher nicht mehr. Aber bei überraschenden Entscheidungen in der Trainerfrage hat der BVB nun eine atemraubende Geschwindigkeit hingelegt, mit der nicht einmal der große Konkurrent aus dem Süden mithalten kann – dabei dachte man doch, die von den Münchnern gesetzte Benchmark sei in dieser Spielzeit kaum mehr zu übertreffen.

          Während die Bayern beim Erkennen einer Krise deutlich zügiger zur Tat geschritten waren und Carlo Ancelotti gleich nach der demütigenden Niederlage in Paris vor die Tür setzten, brauchten sie danach doch ein wenig Zeit, um mit Jupp Heynckes eine überraschende Lösung aus dem Hut zu zaubern. In Dortmund wurde aus der anfänglichen Ergebnisdelle nach und nach eine Krise, auf deren bisherigem Höhepunkt mit der Heimniederlage gegen Werder Bremen nun niemand mehr glauben konnte, dass sie mit Peter Bosz zu bewältigen gewesen wäre. Der Coup mit Peter Stöger, nur wenige Stunden später perfekt und am Sonntag verkündet, übertrifft aber selbst das vielbestaunte Zauberstück mit Heynckes.

          Das mittlerweile durchaus übliche Modell in der Bundesliga, erst einmal einem Trainer aus den eigenen Reihen die vertrackte Situation anzuvertrauen, war in Dortmund von vornherein ausgeschlossen. Kandidaten hätte es vor geraumer Zeit zwar gegeben, aber sie sind längst weitergezogen. David Wagner trainiert nun Huddersfield Town in der Premier League, Hannes Wolf den VfB Stuttgart. In Dortmund ist der Name Thomas Tuchel zudem immer noch präsent. Nach dem mitreißenden Start unter Bosz schien das Thema der umstrittenen Trennung am Ende der vergangenen Spielzeit nach nur wenigen Wochen der neuen Saison überhaupt kein Thema mehr zu sein, auch keines mehr zu werden. Der BVB schoss Tore wie am Fließband, stürmte durch die Liga, die Fans träumten, auch angesichts einer Münchner Schwächephase, von einer unerwarteten Renaissance, freuten sich über ihren eloquenten und sympathischen Trainer – dann kam der große Absturz. Eine gefährliche Entwicklung nicht nur für die Ziele von Borussia Dortmund, sondern vor allem auch für die Positionen von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc, die sich mit Tuchel, den mit 2,09 Zählern pro Erstligaspiel im Punktedurchschnitt erfolgreichsten BVB-Trainer überhaupt, überworfen hatten.

          Einen Novizen oder einen Juniorentrainer konnte der BVB als Nachfolger von Bosz deshalb kaum präsentieren. Es hätte allzu sehr nach vollkommener Ratlosigkeit eines Spitzenklubs ausgesehen. Von allen denkbaren Kandidaten – und die Geschichte der Bundesliga lehrt, dass außer einer Tuchel-Rückkehr jede Personalie denkbar gewesen wäre – war Stöger sicher der bestmögliche und vor allem der mit dem größten Charisma, was dem BVB nur guttun kann. Dass er in Köln keinen Umschwung mehr hatte herbeiführen können, schmälert die Reputation nicht, die er sich in der Bundesliga erworben hat. Stöger bekommt eine große Chance – und ob es Korrelationen zwischen der Entwicklung in Köln und dem langen Festhalten an Bosz gab, gehört zu den Dingen, die vermutlich nie an die Öffentlichkeit dringen werden.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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