https://www.faz.net/-gtm-7z032

Eintracht Frankfurt : Die große Peter-Fischer-Show

  • -Aktualisiert am

Kämpferisch: Peter Fischer überzeugt als gewiefter Redner Bild: dpa

Eintracht-Präsident Peter Fischer wird mit 99,9 Prozent der Stimmen bestätigt. Herausforderer Schäfer zieht seine Kandidatur unmittelbar vor der Abstimmung zurück, weil er seine Chancenlosigkeit erkennt.

          6 Min.

          Vielen Dank für die Blumen! Mit einem Strauß roter und weißer Rosen in der Hand, die ihm von seinen Vorstandskollegen geschenkt worden waren, stand Peter Fischer am Ende eines langen Tages auf der Bühne. Der Zwei-Meter-Mann machte sich für einen Moment ganz klein. Er zeigte sich mit einer tiefen Verbeugung für den Vertrauensbeweis erkenntlich. Die Frankfurter Eintracht bestätigte den 58-Jährigen am Sonntag per Akklamation in seinem Amt und wählte ihn für weitere drei Jahre an ihre Spitze. Fischer, der nie um einen flotten Spruch verlegen ist, reagierte auf dieses eindrucksvolle Votum wiederum salopp und sagte: „Danke euch, mehr Unterstützung geht nicht. Das ist irrsinnig viel Rückendeckung. Jetzt will ich was trinken und eine Zigarette rauchen!“

          Marc Heinrich
          (mah.), Sport

          In der Schar der zahlreichen Gratulanten reihte sich Rainer Schäfer nicht ein. Er hatte den seit 2000 amtierenden Fischer eigentlich ablösen wollen. Doch der ehemalige Eintracht-Geschäftsführer, der sich bei seiner Vorstellung mehrmals in seiner Argumentation verzettelt hatte und eine bemitleidenswerte Figur abgab, zog kurz vor der anberaumten geheimen Abstimmung seine Kandidatur zurück. Zuvor wurde er phasenweise von Fischer und dessen Sympathisanten demontiert und der Lächerlichkeit preisgegeben. Anwesend in der Wolfgang-Steubing-Halle am Riederwald waren 1308 Mitglieder, von denen bei neun Enthaltungen lediglich zwei gegen Fischer stimmten.

          „Ich war chancenlos“, begründete Schäfer seinen Rückzieher. Er habe „sechs Stunden Fischer-Dauerfeuer nicht standhalten“ können. Wilhelm Bender, der Aufsichtsratsvorsitzende der Eintracht Frankfurt Fußball AG, kommentierte das Ergebnis als „erwartet, aber vom Verfahren her enttäuschend. Wir haben uns viel zu lange mit der Sache beschäftigt.“ Fischer spielte schon in seiner einstündigen Eingangsrede, die einer unterhaltsamen Regierungserklärung glich, die ganze Klaviatur seiner kommunikativen Fähigkeiten aus. Mit Witz, Charme und launigen Anekdoten brachte er die Zuhörer auf seine Seite. Abermals agierte er als volksnahes Vereinsoberhaupt der von ihm beschworenen „Eintracht-Familie“. Für seinen gefühlsbetonten und amüsanten Vortrag erhielt er langanhaltenden Applaus.

          Das war bereits ein klares Indiz für seine spätere Wiederwahl. „Der Turnaround ist geschafft. Wir befinden uns wieder im Aufschwung“, sagte Fischer. Und weiter: Der Verein habe in den vergangenen zwölf Monaten „eine beachtliche und positive Entwicklung nach zwei schwierigen und komplizierten Jahren genommen. Die Zielvorgaben haben wir zu jedem Zeitpunkt eingehalten.“ Eine Vorgabe übertraf Fischer zu seiner Freude um Längen. Er machte die aktuelle Mitgliederzahl öffentlich: der Verein besitzt seit Sonntag, 13.27 Uhr, 30.533 eingetragene Unterstützer. Ein „historischer Wert“, wie er betonte. Damit verdoppelte sich die Menge der Mitstreiter seit 2012. Bei seiner ersten Kandidatur im Jahr 2000 war Fischer noch für die angestrebte Zahl von 10.000 Mitgliedern „belächelt“ worden, wie er sich erinnerte. Er spielte in seiner Rede auch Doppelpass mit dem AG-Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen. Bei ihm bedankte er sich für die „finanzielle Stärkung des Leistungszentrums“.

          Weitere Themen

          Hörmann will klare Antworten geben

          Athlet geht auf Distanz : Hörmann will klare Antworten geben

          Athletenvertreter Koch distanziert sich von der Positionierung des Präsidiums zugunsten von Hörmann. Der DOSB-Präsident will sich der Ethikkommission stellen, sein Amt aber nicht ruhen lassen.

          Topmeldungen

          Annalena Baerbock am Montag im ZDF

          Annalena Baerbock : Masterstudium ohne Bachelorabschluss

          Sie wird als Völkerrechtlerin bezeichnet, ist aber keine Volljuristin. Einen Bachelorabschluss hat Annalena Baerbock nicht, aber Vordiplom und Master. Dennoch: Alles ging mit rechten Dingen zu.
          Polizisten 2005 während Unruhen in der Banlieue Clichy-sous-Bois nördlich von Paris. Vorausgegangen war der Tod zweier Jugendlicher, die auf der Flucht vor der Polizei durch einen Stromschlag in einer Trafostation ums Leben kamen.

          Verrohung in Frankreich : „Die Republik zerlegt sich“

          Ehemalige französische Generäle warnen vor islamischen „Horden in der Banlieue“ und einem Bürgerkrieg. Der Politikwissenschaftler Jérôme Fourquet erklärt im Interview, was in seinem Land im Argen liegt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.