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Bosz zum BVB : Ein schönes Risiko

  • -Aktualisiert am

Der neue BVB-Trainer Peter Bosz wirkt im Vergleich zu Thomas Tuchel wie ein Draufgänger, ein bisschen wie Jürgen Klopp. Bild: dpa

Der neue Trainer Peter Bosz scheint für das Konzept von Borussia Dortmund der richtige zu sein – und kündigt an, mitreißenden Fußball spielen zu lassen. Doch das wird mit Risiken behaftet sein.

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          Mit seinen 53 Jahren ist Peter Bosz kein junger Trainer mehr. Aber trotz seiner wenigen Haare wirkt er unverbraucht. Das mag mit seiner professionellen Wertschätzung für junge Fußballspieler zusammenhängen; mit dem Anspruch, sie weiterzuentwickeln für eine große Karriere, ohne dabei altklug zu wirken. Seinen neuen Arbeitgeber Borussia Dortmund scheint gerade das überzeugt zu haben.

          Der BVB verpflichtet für alle Mannschaftsteile wieder eine Reihe von Profis im Alter um zwanzig Jahre: Mahmoud Dahoud von Borussia Mönchengladbach, Dan-Axel Zagadou von Paris St. Germain und alsbald wohl Maximilian Philipp vom SC Freiburg, der sogar zwanzig Millionen Euro Ablöse wert sein soll. Die Borussen halten fest an der Strategie, außergewöhnlich begabte Spieler zu Spitzenkräften des internationalen Fußballs weiterzubilden, wie es in den vergangenen Jahren oft gelungen ist, bei Sahin, Götze, Kagawa, Reus, Lewandowski, Hummels, Gündogan, Mchitarjan, Aubameyang.

          Manche von ihnen spielen noch oder wieder beim BVB, manche haben bei anderen Vereinen ihren Weg gemacht – und der Borussia auf dem Transfermarkt zu wirtschaftlichem Erfolg verholfen. Um dieses Konzept weiterzuverfolgen, braucht der BVB einen Trainer, der diese Strategie voll mit trägt. Insofern scheint Bosz der richtige zu sein.

          Diesen Eindruck hatten die Verantwortlichen bei Thomas Tuchel, dem vorherigen Trainer, schon länger nicht mehr, auch wenn kurz vor dem Ende der lange Zeit schwierigen, zuletzt von gegenseitigem Misstrauen geprägten Zusammenarbeit der Gewinn des DFB-Pokals stand. Als Tuchel verpflichtet wurde, hatte es von Anfang an den Anschein gehabt, als hätte der BVB sich auf den Trainer eingelassen, nicht umgekehrt.

          Diesmal haben die Borussen klar gesagt, was sie wollen, was sie erwarten. Und Bosz scheint nicht nur willens, sich darauf einzulassen. Er hat auch schon gezeigt, was er aus einer jungen, außerordentlich talentierten Mannschaft zu machen versteht. Der Niederländer führte Ajax Amsterdam mit einem Altersdurchschnitt von rund 22,5 Jahren ins Finale der Europa League. Bosz steht auf das Prinzip „Voetbal total“ seines hochberühmten Vorbildes Johan Cruyff und strebt sicher an, bald in der Bundesliga auch für diese Art Fußball zu stehen.

          Im Vergleich zu seinem Vorgänger beim BVB wirkt er wie ein Draufgänger, ein bisschen wie Jürgen Klopp, der bei seiner Vorstellung „Vollgasfußball“ ankündigt hatte. Die Annahme liegt nahe, dass Bosz jugendbewegten und modernen, im besten Falle mitreißenden Fußball wird spielen lassen, im Detail anders als Klopp, aber vielleicht mit dessen Chuzpe. Einiges deutet darauf hin, dass er dabei weniger technokratisch vorgehen wird als sein unmittelbarer Vorgänger Tuchel. Natürlich wird seine von Cruyff inspirierte Herangehensweise eines Korrektivs bedürfen – und dennoch mit Risiken behaftet sein, weil diese Art Fußball dem Gegner Räume eröffnet und die Defensive anfällig machen kann. Aber es werden schöne Risiken sein, die junger Fußball dieser Schule naturgemäß in sich trägt.

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