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Pep Guardiola : Zeichen und Wundern

Was will Pep Guardiola seinen Spielern damit sagen? Bild: AFP

Bayern-Trainer Pep Guardiola behauptet, er habe einen „Häcksler im Kopf“, in dem alle Spielideen verarbeitet werden. Die Münchner Fußballprofis versuchen noch, den Pep-Code zu entschlüsseln. In der Defensive hakt es.

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          Pep Guardiola sagt: „Mein Fußball ist sehr einfach zu verstehen.“ Dante sagt: „Das Modell des Trainers ist hoch kompliziert.“ Wer hat recht, Chef oder Angestellter? Beide natürlich. Wenn man etwas verstanden hat, ist es ganz einfach, vorher kompliziert.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Auch Franck Ribéry ist noch nicht im Zustand der Erleuchtung angekommen, ahnt aber, wie es sich anfühlen wird: „Das System ist ganz neu. Wir müssen trainieren, reden, lernen, dann ist das einfach.“

          Der Fußball, den Pep Guardiola will, lässt sich nicht auf eine der modisch gewordenen Zahlenfolgen wie 4-1-4-1 reduzieren. „Fußball ist nicht dechiffrierbar“, erklärte er schon vor seinem Wechsel zum FC Bayern: „Ich spiele das Spiel im Kopf, ich male mir alles aus, erträume es mir.“

          Ob Taktik, Training, Systeme: Alles sei da „geklaut“ und dort „geklaut“, so erläuterte er seine Fußballwelt in einem Vortrag im Frühjahr. Aber „Pep“ ist kein Plagiat, sondern ein Original. All das in 25 Jahren Fußball Erlebte und Erlernte, Gesehene und Geklaute hat er am Ende „in einen Häcksler gesteckt“ und „einen Mix gemacht“. Dieser Häcksler, dieser Mix ist „in meinem Kopf“.

          Bitte einmal zum Trainer zum Rapport? Oder für ein Lob?
          Bitte einmal zum Trainer zum Rapport? Oder für ein Lob? : Bild: AFP

          Genau das ist nun das Schwierige, aber auch das Spannende für die Spieler des FC Bayern: Dass sie in diesen Kopf hineinschauen müssen. Guardiola hilft ihnen nach Kräften, ein großer Kommunikator. Als Redner und Zeichengeber, Mime und Pantomime wirkt er manchmal nicht wie ein Fußball-, sondern ein Basketballtrainer.

          Seine Grundideen sind eigentlich simpel: Ballbesitz, Vorwärtsverteidigung, Überzahl im Mittelfeld schaffen. Und vor allem Kontrolle. Ball-, Pass-, Spielkontrolle. Sogar Ess-Kontrolle. Der Mann, der Lionel Messi Cola, Popcorn, Pizza und seine geliebten „Conguitos“, die Schokoladenerdnüsse, vom Speiseplan strich, schickt den Bayern-Profis die Ernährungsberaterin nach Hause, damit sie auch in Küche und Kühlschrank seiner Linie folgen.

          Habe ich es euch nicht gleich gesagt?
          Habe ich es euch nicht gleich gesagt? : Bild: AFP

          Diätpläne funktionieren schnell, beim Spielplan ist Geduld gefragt, tägliche Detailarbeit, Fein-Tuning bei den Lauf- und Passwegen. Es ist nicht so simpel, wie es die gängigen System-Muster suggerieren. 4-2-3-1 oder 4-1-4-1 oder gar 4-3-3, wie zuletzt zeitweise im Supercup in Dortmund?

          Für Guardiola sind das nur „Telefonnummern“, wie er diese Woche scherzte. Beim FC Barcelona soll er in manchen Spielen das System fünf- oder sechsmal geändert haben. Sein Team, von klein auf an diese Variationen gewöhnt, schaltete auf Zuruf um.

          Ist er etwas ungehalten oder fehlt der Durchblick?
          Ist er etwas ungehalten oder fehlt der Durchblick? : Bild: AFP

          Die Bayern sind noch nicht so weit. Sie haben noch mit der Abkehr von ihrem seit Jahren gewohnten 4-2-3-1 genug zu tun. Das offensivere 4-1-4-1, das Guardiola bisher bevorzugt, ist eine nachvollziehbare Idee für ein Team, das sich vorwiegend tiefstehend defensiven Gegnern gegenüber sieht.

          Dieses System, das auch Joachim Löw vor zwei Jahren mit dem Nationalteam erstmals probierte, scheint besser geeignet, destruktive Gegner zu knacken, weil es Raum für zwei „Zehner“ schafft, zwei kreative Spieler im Zentrum hinter der Spitze.

          Zugreifen bei der Balleroberung oder doch mehr über Außen?
          Zugreifen bei der Balleroberung oder doch mehr über Außen? : Bild: AFP

          Dafür verzichtet es auf die doppelte defensive Absicherung vor der eigenen Abwehr. Die Unterschiede sind dabei nicht kategorisch, sondern fließend und graduell. Sie hängen manchmal nur davon ab, ob eine bestimmte Figur auf dem Feld ein paar Meter vor- oder zurückgeschoben wird.

          Doch mit dieser Ausdünnung der Absicherung, mit der Reduzierung auf den Solo-Sechser rührte Guardiola an die Grundfesten der Triple-Saison. Seit Jahren war die Doppel-Sechs, waren die beiden defensiven Mittelfeldspieler vor der Abwehr der Anker des Bayern-Spiels, mit Bastian Schweinsteiger als Taktgeber, der dazu mit Javi Martinez in der vergangenen Saison den perfekten Partner fand.

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