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Pep Guardiola : Der Meister, der nicht spricht

Was Guardiola vorhat, verrät er, außer seinen Spielern, nicht vielen Bild: dpa

Wer ist eigentlich dieser Herr Guardiola? In die Gedankenwelt des Bayern-Trainers bekommt nicht jeder Zutritt – öffentlich reden vor dem Auftaktspiel der neuen Bundesligasaison gegen den VfL Wolfsburg (20.30 Uhr) andere für ihn.

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          Es wäre interessant, von Pep Guardiola zu erfahren, welche Pläne er mit dem FC Bayern in seiner zweiten Saison verfolgt. Fragen dazu gibt es vor dem Bundesliga-Auftakt an diesem Freitag gegen den VfL Wolfsburg (20.30 Uhr/ live in ARD, SKy und F.A.Z.-Liveticker) genug: Wie soll das neue Spielsystem aussehen, die Weiterentwicklung des Rekordmeisters in dieser Spielzeit, als Mannschaft und jedes einzelnen Spielers? Gibt es Spieler, die Guardiola für sein System für unersetzlich hält, oder genauer: für seine Systeme? Thiago Alcantara vielleicht? Javier Martínez? Bastian Schweinsteiger? Oder gar Toni Kroos? Und was bedeutet es nun für seine Vorstellungen, wenn die verletzten Thiago, Martínez und Schweinsteiger lange ausfallen, nicht nur wenige Wochen, sondern teilweise Monate – zumal Ballverteiler Kroos dem Rekordmeister dauerhaft abhanden gekommen ist?

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Antworten darauf gibt es reichlich in München. Allerdings nicht von Guardiola. Jedenfalls nicht öffentlich. Und wenn, dann klingt der Trainer eher orakelhaft. „Wir brauchen Zeit. Ich bin sicher, wir werden bis zur Winterpause ein bisschen Probleme haben“, sagte er zuletzt. Zeit für was eigentlich: Den gewohnten Rhythmus? Die Tabellenspitze? Ein neues System? Einen unverwechselbaren Stil? Eine neue Ära? Es dürfte der Konkurrenz trotz aller aktuellen Münchner Personalprobleme schwer fallen, den Bayern die dritte Meisterschaft nacheinander streitig zu machen.

          Guardiola ist buchstäblich unfassbar

          Nicht leicht ist auch, ihren Trainer zu fassen, der in der letzten Saison zwar eine ordentliche Lehrstunde in der Champions League gegen Real Madrid erteilt bekam, aber mitunter wahre Kunstwerke auf dem Spielfeld produzieren ließ. Und dabei das Kunststück vollbrachte, mit diesem Fußball vollständig identifiziert zu werden – und gleichzeitig in einer angeblich so ausgeleuchteten Branche dennoch dahinter zu verschwinden. „Catch Me If You Can“ ist daher nicht nur der Titel eines Films, mit dem Leonardo Di Caprio in der Rolle eines buchstäblich unfassbaren Mannes, der scheinbar alles sein kann und erreicht, einen Golden Globe einheimste. Es ist auch ein passendes Motto für den FC Bayern in der Saison 2014/15 nach zwei Titeln mit riesigem Vorsprung – und seinen Trainer, von dem manche glauben, dass er doch viel mehr sei als nur ein Trainer.

          Seit Guardiola in München tätig ist, hat er sich über seine Vorstellungen meist nur in Sequenzen geäußert. Ein ausführliches Interview gewährte er hierzulande weder einer Zeitung noch einem Magazin. In wenigen Tagen kommt allerdings wieder ein Buch über Guardiola auf den Markt, es gibt schon ein halbes Dutzend davon. Dieses trägt den Titel: „Herr Guardiola. Das erste Jahr mit Bayern München.“ Die anderen Titel heißen: „Der Fußball-Philosoph.“ „So geht moderner Fußball.“ „Formulá Barça: Der FC Barcelona und Pep Guardiola. Eine Erfolgsgeschichte.“ „Pep Guardiola. Another Way of Winning.“ „Tu, was du kannst – und sei mutig. Pep Guardiolas Erfolgsgeheimnis.“

          Im neuen Buch erfährt man eine Menge über Herrn Guardiola. Auszüge daraus haben die „Zeit“ und das Münchner Boulevardblatt „tz“ veröffentlicht. Verfasst hat es Martí Perarnau, ein ehemaliger Hochspringer, der bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau dabei war. Wie Manuel Estiarte, ein begnadeter Wasserballer, der an sechs Olympischen Spielen teilnahm, und Guardiola seit Jahren berät. In München firmiert er als persönlicher Assistent. Wasserballer Estiarte und Fußballer Guardiola sind sich in dessen größter Krise nahegekommen. Im Jahr 2001 spielte Guardiola in Brescia und wurde positiv auf ein Abbauprodukt des anabolen Steroids Nandrolon getestet. Zweimal. Er wurde für vier Monate gesperrt, ging in Berufung. Auf einer Pressekonferenz sagte er: „Ich bin Pep Guardiola. Ich habe nie Nandrolon genommen.“

          Bücher gibt es bereits en masse über ihn

          2005 wird er dennoch zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, in der Berufung wird er freigesprochen. Estiarte spielte im Jahr 2001 bei Pescara und unterstützte Guardiola in dieser für ihn schweren Zeit. „2008 kam dann sein Anruf“, erinnert sich Estiarte, wie die „tz“ den Berater zitierte. „Pep meinte: ‚Manuel, ich will, dass du nach Barcelona kommst. Ich brauche meine Leute in meiner Nähe.“ Perarnau hat auch seit Jahren zu Guardiola Kontakt. Er verfasste schon ein Buch über „La Masia“, die legendäre Nachwuchsschule des FC Barcelona. So schloss sich ein Kreis, und wegen dieser Kontakte durfte der Autor auch über Monate da sein, wo beim FC Bayern kein Berichterstatter geduldet wird: In der Kabine, auf der Trainerbank, beim Abendessen.

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