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Kuriose Panne beim HSV : „Das war blöd von mir“

  • Aktualisiert am

Gotoku Sakai warf die taktischen Anweisungen direkt dem Gegner zu. Bild: Picture-Alliance

HSV-Trainer Hannes Wolf macht sich die Mühe, taktische Anweisungen auf einen Zettel zu schreiben. Doch was sein Spieler Gotoku Sakai mit dem Stück Papier macht, sorgt für Erheiterung – nur nicht beim geknickten Japaner.

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          Das Spiel war weitgehend zum Heulen, aber einen Lacher produzierte der schwache Hamburger SV gegen Greuther Fürth (1:0) dann doch. Es war kurz vor der Halbzeitpause, als Trainer Hannes Wolf Mittelfeldabräumer Gotoku Sakai einen Zettel mit Erklärungen zu taktischen Umstellungen reichte. Grund: Flügelspieler Hee-Chan Hwang war verletzt raus, Mittelfeldspieler Berkay Özcan kam rein. Eine Neuordnung der Offensive war fällig.

          2. Bundesliga

          Sakai holte Kapitän Aaron Hunt zu sich, beide studierten die Anweisungen des Trainers. Sakai knüllte den Zettel zusammen und warf ihn an der Seitenlinie achtlos ins Aus. Das Papier landete neben der Coachingzone der Fürther. Dort schnappte sich ihn Ko-Trainer Andre Mijatovic und las begierig. Später scherzte Fürths Geschäftsführer Rachid Azzouzi beim TV-Sender Sky, es sei „ein japanisches Kochrezept“ gewesen. Sakai konnte jedoch gar nicht lachen. „Das war blöd von mir“, gestand er und bedauerte den gedankenlosen Wurf. Geheimnisverrat beging der Japaner damit aber nicht. „Wir haben in der Halbzeitpause nochmals umgestellt. Deshalb war es schnuppe“, sagte HSV-Coach Wolf. Denn für den offensiven Lewis Holtby brachte er den defensiven Gideon Jung. Folglich war ein erneuter Umbau der Mannschaft nötig und der Zettelinhalt nicht mehr aktuell.

          Was Papierkugeln angeht, ist der HSV vorbelastet. 2009 versprang Michael Gravgaard im Halbfinale des Uefa-Cups der Ball durch den „Fremdkörper“ auf dem Platz. Die anschließende Ecke brachte dem Erzrivalen Werder Bremen den vorentscheidenden Treffer zum 3:1 ein.  Diesmal ging es für den HSV besser aus, die Fans waren dennoch bestürzt. Nach dem überaus glücklichen 1:0 über Fürth weicht die angeborene Begeisterung der treuen Anhänger allmählich ungewohnter Skepsis. Für Sonntag planten die Anhänger eigentlich ein rauschendes Fest im Stadtderby gegen den ungeliebten Nachbarn FC St. Pauli. Mittlerweile jedoch ist der Vorfreudefaktor arg ramponiert. Denn: Ihr Verein spielt schlecht. Seit Wochen. Am Montagabend hatte der Tabellenzweite mit dem späten Tor durch Kapitän Aaron Hunt mächtig viel Dusel. Aber da war der Gegner nur der Tabellenzwölfte Fürth. Jetzt erwartet den HSV der aufstrebende Vierte FC St. Pauli in dessen Reich auf dem Kiez.

          „Ich bin nicht bereit, das schönzureden“, grollte HSV-Trainer Wolf nach dem bedenklichen Gekicke am Montagabend. „Wir haben auf relativ eklatante Weise den Zugriff aufs Spiel verloren.“ Wolf hat in der Leistung seines Teams „eine Delle“ ausgemacht. „Das müssen wir verändern“, forderte er. „Am Sonntag gibt es ein sehr, sehr wichtiges Spiel für uns, für die Stadt. Da müssen wir uns reinstürzen.“ Der kontinuierliche Leistungsabfall des Bundesliga-Absteigers, der unbedingt zurück ins Fußball-Oberhaus will und aus wirtschaftlichen Gründen auch muss, hält seit Beginn der Rückrunde an. Zwar stehen drei Heimsiege zu Buche, doch die Stärke der Hinrunde ist wie weggeblasen: auswärts drei Niederlagen, ein Remis.

          Zudem sind die Heimvorstellungen keineswegs souverän. „Schwergetan haben wir uns immer“, stellte Wolf fest. Aber gegen Fürth haben sein Team selbst ihn erschüttert. „Das war eine Leistung, die darf gar nicht passieren“, stöhnte der Coach. Tabellenplatz zwei würde zwar zum Aufstieg reichen, das Ziel ist aber hochgradig gefährdet. Torschütze Hunt ist nachdenklich geworden. „Wir haben mutlos nach vorne gespielt, waren ängstlich und haben nicht die Stärken, die uns von anderen Mannschaften unterscheiden, auf den Platz gebracht. Das liegt auch am Selbstvertrauen. Wir sind zu mutlos“, befand der Kapitän.

          Vor allem die häufig misslungene Spieleröffnung aus einer verunsicherten und technisch limitierten Innenverteidigung, die unter Druck Fehlpässe zuhauf produziert, erschreckt. „In der Hinrunde haben wir die Gegner teilweise an die Wand gespielt. Das müssen wir uns wieder erarbeiten“, mahnte Hunt.  Die Personallage verstärkt das Unbehagen der Hamburger. Flügelspieler Hee-Chan Hwang erlitt eine Muskelverletzung, ebenso wie Torhüter Julian Pollersbeck, der wenige Minuten vor Spielbeginn durch Tom Mickel ersetzt werden musste. Jung-Stürmer Fiete Arp laboriert an einer Schädelprellung. Da sind die Rückkehr der gesperrten Orel Mangala und Vasilije Janjicic zumindest ein Lichtblick für Trainer Wolf. Bis zum Derby am Sonntag muss er den HSV runderneuern.

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