https://www.faz.net/-gtm-6zavl

Otto Rehhagel : Bei Hertha auf Besuch

  • -Aktualisiert am

Onkel Otto zu Besuch: Berlin ist immer eine Reise wert Bild: dpa

Viel Distanz und noch mehr Plattitüden: Otto Rehhagel wirkt im Abstiegskampf wie ein Gelegenheits-Berliner. Der Mannschaft soll er dennoch guttun. An diesem Samstag gegen Kaiserslautern (15.30 Uhr) entscheidet sich der weitere Weg der Hertha.

          Neulich hat Otto Rehhagel während eines Fernsehauftritts ziemlich unvermittelt in die Kamera gewinkt. Der private Gruß, inmitten eines Live-Interviews zum Abstiegskampf bei Hertha BSC, galt alten Berliner Freunden: „Ich habe leider noch keine Zeit für Euch gehabt. Aber das wird nachgeholt.“ Das war wieder einer dieser Momente, in denen sich der Eindruck aufdrängte: Der nette Mann, der da gerade winkt, ist nur zu Besuch im Krisengebiet.

          Weil er zudem tiefgründige Analysen zur heiklen sportlichen Lage seines aktuellen Arbeitgebers vermeidet, und sich stattdessen lieber in seine altbekannten „Die-Wahrheit-liegt-auf-dem-Platz-Floskeln“ flüchtet, wirkt der 73 Jahre alte Fußball-Lehrer wie ein Gelegenheits-Berliner und Interims-Herthaner. Einer, der nur mal kurz den Ruhestand unterbrochen hat, zum Spaß, oder weil ihm langweilig war.

          Ein Bild, das Michael Preetz geraderücken möchte. Achtundvierzig Stunden vor der Partie gegen den Tabellenletzten 1. FC Kaiserslautern blinzelt Preetz in die Sonne. Der Sportdirektor hat sich entschlossen, noch einige Fragen zu beantworten - obwohl der Medienchef des Vereins der Ansicht war, in dieser wichtigen Woche sei dafür keine Zeit.

          Viele wirken angespannt bei Hertha BSC, was nur verständlich ist. Preetz aber sagt ganz ruhig auf die Frage, ob denn die Spieler einen Trainer, der fast nur Phrasen drischt, ernst nehmen: „Ja. Ich glaube sogar, und das habe ich auch von den Spielern oft gehört, dass diese Weisheiten bei ihnen sehr, sehr gut ankommen, ihnen helfen“, sagt der Manager und fügt hinzu: „Rehhagel hat es geschafft, diese Mannschaft wieder als Team zu aktivieren, dank Rehhagel lebt die Mannschaft wieder.“

          Feldherrenpose am Spielfeldrand: Rehhagel wird nichts falsch gemacht haben

          Die nackten Zahlen vermitteln das nicht. Mit Rehhagel hat Hertha BSC in neun Partien nur acht Punkte errungen - und ist auf Platz siebzehn gefallen. Zu seinem Dienstantritt hatte der Klub noch nicht auf einem Abstiegsplatz gestanden. Doch Preetz sieht nicht nur die Zahlen. Er verweist auf Verletzungspech, Rote Karten, Eigentore, schlechte Chancenverwertung - und andere Widrigkeiten, für die Rehhagel nichts könne. Es wirkt sogar so, dass der Manager, längst schwer in die Kritik geraten in der Hauptstadt, als Beispiel dafür taugt, was Rehhagel intern bewirkt hat. Bei der Pressekonferenz am Donnerstag lächelte Preetz, scheinbar tief entspannt, bei mancher Aussage des Trainers, der neben ihm saß.

          Der „fairste Spieler seit dem Zweiten Weltkrieg“

          Rehhagel lief zu großer Form auf, als er den für zwei Spiele gesperrten Lewan Kobiaschwili als „den fairsten Spieler seit dem Zweiten Weltkrieg“ titulierte und den DFB versteckt kritisierte: Dieser greife mit der unberechtigten Sperre in den Abstiegskampf ein - weil er die ohnehin große Personalnot im Abwehrbereich der Hertha noch vergrößere. Rehhagel, sagte Preetz später, habe eine unschätzbare Gabe: „Er kann mit seiner Art Spieler wieder aufrichten. Die Moral stärken. Das ist ihm gut gelungen.“ Er führt das 3:3 von Leverkusen an, nach Rückstand, in Unterzahl. „Wir“, sagt Preetz, „sind froh, dass er sich zur Verfügung gestellt hat.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mutmaßliche Angriffe im Golf : Tanker, Lügen – und Videofilme

          Es gibt viele Deutungen der jüngsten Vorfälle im Golf von Oman. Ironischerweise gewinnt in der gegenwärtigen Krise Amerikas Position gegenüber Iran an Glaubwürdigkeit – gerade durch den Faktor Trump.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.