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Ottmar Hitzfeld im Interview : „Mir läuft die Zeit davon“

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„Auch ich als Feuerwehrmann darf keine Fehler machen” Bild: dpa

Fußball-Trainer Ottmar Hitzfeld im Interview über seine Rolle als Krisenmanager, seine Zukunftspläne, die vielen Baustellen beim FC Bayern, das Schlüsselspiel gegen Real Madrid und darüber, warum er die Spieler in Eiswasser steckt.

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          Fußball-Trainer Ottmar Hitzfeld im Interview über seine Rolle als Krisenmanager, seine Zukunftspläne, die vielen Baustellen beim FC Bayern und das Schlüsselspiel gegen Real Madrid.

          Sie stecken Ihre Spieler nach den Spielen ins Eiswasser - hilft dem FC Bayern militärischer Drill weiter?

          Hier geht es darum, die schnelle Regeneration zu fördern. Es gehört dazu, dass man als Trainer auf dem neuesten Stand ist. Ich habe Oliver Schmidtlein als Fitnesscoach wieder zurückgeholt zur Mannschaft, mit dem wir jetzt viel arbeiten. Ich hatte zweieinhalb Jahre Zeit, mich weiterzubilden, und habe gesehen, was zum Beispiel die deutsche Nationalmannschaft gemacht hat. Von erfolgreichen Menschen kann man immer lernen.

          „Unsere Erwartungen müssen wir den Spielern jeden Tag einhämmern”

          Vor allem sind Sie als Krisenmanager gefordert. Was sagen Sie in dieser heiklen Situation zu einem Spieler wie Christian Lell, der diese Woche aufgefallen ist, weil die Polizei ihn beschuldigt, alkoholisiert Auto gefahren zu sein und seine Freundin geschlagen zu haben?

          Unabhängig davon, ob alles so war, wie geschrieben wurde - ich habe da meine Zweifel. Aber man denkt als Trainer, die Spieler gehen essen und um Mitternacht heim, weil sie todmüde sind und sich auf das nächste Spiel vorbereiten. Dass dann einer morgens um fünf Uhr aus einer Disko kommt, ist für mich eine Enttäuschung und ein schwerer Rückschlag. Daran sehen wir, dass wir die Situation beim FC Bayern nicht unterschätzen dürfen. Andererseits ist es eine spannende Aufgabe für mich, dies zu analysieren und junge Menschen wieder in die Spur zu bekommen.

          Aber Sie stehen unter Zeitdruck.

          Das ist hier wie bei einem Crashkurs. Mir läuft die Zeit davon. Deshalb müssen wir noch intensiver arbeiten, noch mehr Gespräche führen, um den Spielern deutlich zu machen, wie wichtig das Erreichen des dritten Bundesligaplatzes und die Teilnahme an der Champions League für den Verein ist. Auch ich als Feuerwehrmann darf keine Fehler machen. Die Gefahr ist, dass die Spieler den Titelkampf - als ihre Hauptmotivation - aufgegeben haben und deshalb nur noch weniger als 100 Prozent geben. Das darf nicht sein. Wir müssen ein Bewusstsein für die schwierige Situation schaffen.

          Glauben Sie, dies ist Ihnen schon gelungen?

          Unsere Erwartungen müssen wir den Spielern jeden Tag einhämmern. Da hilft keine Moralpredigt oder ein Motivationstag. Das geht nicht. Ich muss die Spieler fortwährend in meine Richtung steuern. Das sind ganz junge Menschen, die noch nicht dieses Verantwortungsbewusstsein für den Verein entwickeln. Das war bei mir früher als Spieler nicht anders. Doch es geht vor allem um den Verein, für den es nicht leicht ist, Geld zu beschaffen und Gehälter zu zahlen. Aber ich möchte nicht zu viel Druck aufbauen.

          Weil das Gefüge der Mannschaft noch zu labil ist?

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