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Ottmar Hitzfeld im Gespräch : „Ich bin hart im Nehmen“

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„Ich setze mich mit Haut und Haaren ein und will den Erfolg”: Ottmar Hitzfeld Bild: AP

Vier Monate noch, dann ist die Zeit des Meisterlehrers beim FC Bayern vorbei. Ottmar Hitzfeld geht mit viel Optimismus auf seine Bundesliga-Schlussrunden. Im F.A.Z.-Interview spricht er über Vorfreude, fehlende Kraft und Nachfolger Jürgen Klinsmann.

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          An diesem Freitag beginnt mit dem Bundesliga-Rückrundenstart bei Hansa Rostock (20.30 Uhr / Live bei ARD und Premiere / FAZ.NET-Liveticker) Ottmar Hitzfelds Abschiedstour - nicht nur beim FC Bayern München, sondern auch als Vereinstrainer. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht er zuvor über Vorfreude auf die letzten vier Monate, fehlende Kraft und Nachfolger Jürgen Klinsmann.

          Herr Hitzfeld, empfinden Sie Erleichterung, dass bald alles vorbei ist?

          Ich hege noch keine Abschiedsgedanken, denn ich habe einen Vertrag bis 30. Juni und mache hier meine Arbeit.

          Manchmal werden Sie ja schon als Rentner bezeichnet, dabei sind Sie noch voller Elan.

          Wenn man gefordert wird, ist man auch fitter. Wichtig ist, dass ich die Kraft habe, in den folgenden vier Monaten engagiert und motiviert zu sein. Wenn ich wüsste, dass ich jetzt noch eineinhalb, zwei Jahre mit der entsprechenden Anzahl von Spielen vor mir hätte, wäre der Druck, glaube ich, viel größer. So bin ich etwas weniger belastet, und die Arbeit macht auch definitiv mehr Spaß.

          Was unterscheidet nun diese letzten Monate in München von denen im Jahr 2004, als sich im Laufe der Rückrunde Ihre erste Trennung von den Bayern abzeichnete?

          Damals hatte ich nicht mehr die Power, weil die ersten vier Jahre bei Bayern sehr intensiv waren. Der Job hatte mir auch nicht mehr diese Freude bereitet von 2002 bis 2004. Somit kann man das auch nicht mit heute vergleichen.

          War es Ihnen wichtig, dass Sie dieses Mal die Entscheidung über die Zukunft selbst treffen, und zwar frühzeitig?

          Die Freiheit, selbst zu entscheiden, hat man, wenn man älter wird und schon einiges erreicht hat. Die hatte ich viele Jahre, viele Jahrzehnte nicht, denn als Trainer kann man sich die Vereine nicht immer aussuchen. Deshalb war es jetzt ideal, die Freiheit zu haben, selbst zu entscheiden.

          Die hätten Sie aber doch 2004 auch schon gehabt.

          Aber dafür muss man auch die Kraft haben. Damals hatte ich selbst dazu keine Kraft. Ich war immer pflichtbewusst und hatte einen laufenden Vertrag und hätte den dann auch erfüllt.

          Sehen Sie sich in der Öffentlichkeit richtig dargestellt, oder ist der wahre Ottmar Hitzfeld ein ganz anderer Mensch?

          Manche können mich gut darstellen, andere haben gar keine Ahnung, wie es in mir aussieht. Aber ich möchte ja die Presse, die Öffentlichkeit auch nicht zu nahe an mein Innenleben heranlassen. Deshalb betrachte ich das manchmal auch mit einem Schmunzeln.

          Regelmäßig werden beim Blick in Ihr Gesicht Rückschlüsse auf Ihre psychische und physische Verfassung gezogen. Das ist bei keinem anderen Trainer so extrem. Nervt Sie das?

          Nein, das gehört zu mir. Schon vor 20 Jahren hat ein Trainerkollege in der Schweiz immer gesagt, dass keinem Trainer der Stress, seine Gefühlslage mehr im Gesicht geschrieben steht als mir.

          Also stimmt die Einschätzung?

          Ja, das stimmt schon, denn ich setze mich mit Haut und Haaren ein und will den Erfolg. Aber ich glaube auch, dass man nur dadurch erfolgreich sein kann. Wenn ich alles lockerer nähme und mich nicht so aufregte über eine Niederlage, dann hätte ich diesen Erfolg nicht gehabt.

          Im Moment wirken Sie so, als ob der Job Ihnen Spaß machte.

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