https://www.faz.net/-gtm-9qnqc

Oliver Kahn : Der neue Anführer des FC Bayern

  • -Aktualisiert am

Ein „Titan“ als neuer Chef beim FC Bayern: Oliver Kahn Bild: dpa

Bald wird er im ganzen Klub das sein, was er als Spieler auf dem Platz immer war: die oberste Instanz des FC Bayern München. Es wundert kaum, dass Oliver Kahn Vorstandsvorsitzender wird. Sein Aufstieg ist konsequent.

          2 Min.

          Bald wird er im ganzen Klub das sein, was er als Spieler auf dem Platz immer war: die oberste Instanz des FC Bayern München. Oliver Kahn, von 1994 bis 2008 die Nummer eins im Tor des deutschen Rekordmeisters, soll nach zwei Einarbeitungsjahren vom 1. Januar 2022 an Vorstandsvorsitzender des größten deutschen Fußballklubs und damit Nachfolger von Karl-Heinz Rummenigge werden. Nach seiner sportlichen Karriere mit acht deutschen Meisterschaften, sechs Pokalsiegen, einem Champions-League-Triumph (2001) und dem Uefa-Pokal-Gewinn 1996 hat Kahn seine zweite Laufbahn ebenso zielstrebig, energiegeladen und willensstark in Angriff genommen.

          Der Mann, der sich im Tor der Bayern und der deutschen Nationalmannschaft (86 Länderspiele) den Spitznamen „Titan“ erarbeitete, studierte zwischen 2009 und 2011 „General Management“ mit dem Abschluss „Grand Master of Business Administration“. Danach gründete er eigene Unternehmen. Wirkte Kahn als Fußballprofi jahrelang besessen von seiner Mission, Tore zu verhindern, so eignete er sich als Gründer eigener Firmen wie „Goalplay“, eines Online-Portals für Torhüter mit verschiedenen Angeboten, eine analytische Klarheit und Freiheit des Denkens an, die ihm auch bei seiner Tätigkeit als Fußballexperte des ZDF zugutekam.

          Der schon immer zur Selbstironie neigende, mittlerweile fünfzig Jahre alte Kahn zeigte sich mehr und mehr als reife Persönlichkeit. Schritt für Schritt hat er sich mit seinen Erfolgen auf dem zweiten Karriereweg wieder in den Fokus der Bayern gearbeitet, so dass sich deren langjährige Vormänner Uli Hoeneß und Rummenigge davon überzeugen ließen, dass Kahn der richtige Mann für den überfälligen Generationswechsel sei. Schließlich ist der dreimalige Welttorhüter in dem Klub, mit dem er „tief verbunden“ ist und der sein „Leben sehr stark geprägt hat“, ein Großer seines Sports geworden. Begonnen hatte Kahns Karriere einst beim Karlsruher SC, wo er mit jugendlichen Großtaten im Tor auf sich aufmerksam gemacht hatte.

          Wie Hoeneß, der im November sein Präsidentenamt bei den Bayern zugunsten des früheren Adidas-Vorstandsvorsitzenden Herbert Hainer aufgibt, besitzt auch Kahn eine natürliche, den Menschen zugewandte Autorität. Hoeneß, der sich auch vom Aufsichtsratsvorsitz der Münchner trennt, wohl aber ein Aufsichtsratsmandat bis 2023 behalten wird, dürfte auch in Zukunft ein Mentor Kahns bleiben. Vorstandschef Rummenigge, noch knapp zwei Jahre in Amt und Würden, wird klug genug sein, seinem Nachfolger in dieser Zeit mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Ein geborener Anführer ist der fünfzig Jahre alte Oliver Kahn erwiesenermaßen jetzt schon. Dass er bald zum großen Steuermann des erfolgreichsten deutschen Klubs wird, mutet bei den Bayern, die ihre besten, über den Tag hinausdenkenden Spieler schon immer gern an sich gebunden haben, wie eine konsequente Fortsetzungsgeschichte an.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.