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Personalsorgen in der Abwehr : Ein Fall für den Tüftler von Eintracht Frankfurt

Muss umplanen: Eintracht-Coach Oliver Glasner Bild: dpa

Der Sieg über Schalke war durch Junior Dina Ébimbes Verletzung sehr teuer erkauft. Die Abwehr des Tabellenzweiten bleibt eine Baustelle. Welche Wahl trifft Oliver Glasner für das Spiel in Freiburg?

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          Die Freude über den sportlichen Fortschritt währte nicht lange und wurde am Sonntag getrübt. Dass es wohl eine vage Hoffnung bleiben würde, in der zweiten Saisonhälfte von Personalproblemen eher verschont zu bleiben als in den vergangenen Monaten, musste Oliver Glasner in der Nachbereitung der siegreich gestalteten Partie gegen den FC Schalke 04 zur Kenntnis nehmen.

          Bundesliga
          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Das 3:0 gegen das Tabellenschlusslicht war wichtig im Hinblick auf die hohen Ambitionen des Klubs, aber eben auch teuer bezahlt worden: Mit Junior Dina Ébimbe verletzte sich ein Eintracht-Profi schwer, den der Trainer zum einen wegen seines sonnigen Gemüts schätzt, mit dem er nicht nur den frankophonen Teil der Truppe bei Laune hält, und den er darüber hinaus aufgrund seiner vielseitigen Verwendbarkeit in Abwehr und Mittelfeld gerne dabei gehabt hätte, wenn es nun darum geht, die gute Position in der Liga zu behaupten und in Champions League und DFB-Pokal weiter voranzukommen. Ébimbe wurde am Montag operiert.

          Seine Verletzung vom Samstag, die zunächst bei der Ersten Hilfe am Platz nicht ganz so gravierend eingeordnet wurde, entpuppte sich bei eingehenden Untersuchungen von Team-Doc Florian Pfab als Riss des Syndesmosebandes. Dabei handelt es sich um die Verbindung zwischen Schienbein und Wadenbein – und eine Heilung der Blessur dauert selbst bei einem optimalen Verlauf des Eingriffs und der folgenden Reha mindestens acht Wochen. Mitunter auch doppelt so lange.

          Die Alternative heißt Aurelio Buta

          Es ist damit fraglich, ob der von Paris Saint-Germain ausgeliehene 22-Jährige in der Rückrunde noch einmal eine tragende Rolle wird übernehmen können. Zuletzt, während des Trainingslagers in Dubai, hatte sich Ébimbe zuversichtlich gezeigt, in der kommenden Zeit weiter Werbung in eigener Sache betreiben zu können und damit gleichermaßen seinem alten und aktuellen Arbeitgeber die Absicht zu verdeutlichen, dass er gerne langfristig am Main Fußball spielen würde. Jetzt wird es dauern, bis er sich mit der Tatkraft zurückmelden kann, die er bislang bei elf Liga-Einsätzen demonstrierte.

          Für Glasner sind Hiobsbotschaften, insbesondere was die Aufstellung der Abwehr betrifft, seit längerem nichts Neues. Zunächst vertraute er auf eine Viererkette, im Herbst stellte er um auf eine Dreiervariante – und insgesamt kamen in letzter Reihe vor Torwart Kevin Trapp schon neun Spieler zum Einsatz. Von einer eingespielten Formation, in der Abläufe hinlänglich einstudiert sind und der Nebenmann stets intuitiv weiß, welche Absicht der Kollege rechts oder links von ihm im Sinn hat, kann keine Rede sein. Bisher trotzt die Eintracht den Unwägbarkeiten mit erstaunlicher Resilienz.

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          Wenn es an diesem Mittwoch (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) in Freiburg zum Duell mit dem SC Freiburg kommt, geht es auch darum, wer sich als unmittelbarer Bayern-Verfolger behaupten kann; die Frankfurter reisen als Tabellenzweiter an, die Breisgauer rutschten durch das 0:6 in Wolfsburg auf den dritten Rang ab. Nach Punkten liegen beide Teams gleichauf (30), die bessere Tordifferenz (plus 11) ließ die Eintracht am Wochenende am Sportclub (plus 2) vorbeiziehen.

          Das schmerzt: Junior Dina Ébimbe fehlt der Eintracht länger.
          Das schmerzt: Junior Dina Ébimbe fehlt der Eintracht länger. : Bild: Huebner

          Glasner hat sämtliche an ihn herangetragenen Andeutungen, er und seine Leute könnten nun den Bayern die Vormachtstellung streitig machen wollen, als Fantastereien abgewiesen. Die Fans dürften gerne in rosaroten Farben träumen, sie selbst dagegen würden sich mit der nötigen Ernsthaftigkeit, die keine Abdriften in Wunschvorstellungen dulde, ans Werk machen.

          Dass ihm dabei mit Aurelio Buta (der den angeschlagenen Ébimbe ersetzte) eine Alternative zur Verfügung steht, die intern wie ein wertvoller Neuzugang betrachtet wird, verschafft Glasner eine Option mehr bei der Suche nach der passenden Aufstellung. Buta, der im Sommer aus Antwerpen kam, musste seitdem wegen Muskelverletzungen und einer Operation mit Komplikationen durch einen Krankenhauskeim aussetzen. Jetzt kann er sich endlich beweisen.

          Auch Makoto Hasebe ist nach einer Erkältung wieder fit, gleiches lässt sich vom Brasilianer Tuta sagen, der die Folgen seines Fehltritt während der Tage am arabischen Golf auskuriert hat. „Wir spielen gut und zeigen gute Leistungen“, kommentierte Buta gegenüber Vereinsmedien sein Debüt, dass er in der Nachspielzeit durch den Treffer zum Endstand gegen Schalke gekrönte hatte.

          „In den nächsten Spielen gilt es, mit dem gleichen Geist und Fußball weiterzumachen.“ Der frühere portugiesische Jugendnationalspieler lobte die Eintracht als „Gruppe, die immer zusammenhält“ und stets auch die Kollegen wertschätze, die hintendran und „lange draußen“ seien oder bei der Wiederherstellung ihrer Physis „viel Zeit im Kraftraum“ verbringen müssten. Auch Ébimbe ist demnach zwar erstmal außen vor – aber zumindest in Gedanken weiterhin mittendrin.

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