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VfL Wolfsburg : Idee gesucht

  • -Aktualisiert am

Das richtige Zeichen? Trainer Valérien Ismaël darf zumindest bis zur Winterpause weitermachen. Bild: dpa

Nachwuchs statt große Namen: Nach Allofs’ Abgang soll vorerst ein Novize mit Stallgeruch den VfL in die Spur bringen. Das allerletzte Wort behält aber traditionell ein anderer.

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          Bisher hat das alles gut geklappt. In den vergangenen dreieinhalb Jahren ist es Olaf Rebbe mehrheitlich gelungen, dem VfL Wolfsburg zu dienen, ohne selbst im Rampenlicht zu stehen. Schattenmann? Klingt zu negativ. Rechte Hand vom Boss? Das trifft es am besten. Rebbe war bis jetzt der Assistent von Geschäftsführer Klaus Allofs und dessen Bindeglied zu diversen Abteilungen beziehungsweise Mannschaften beim VfL.

          Mit ihm tritt in Wolfsburg, wo Allofs am Montag nach vier Jahren entlassen worden ist, vorerst einer seiner engsten Vertrauten ein schweres Erbe an. Dem Verein scheint es nicht um eine schnelle, bundesweit bestaunte, sondern in erster Linie um eine beruhigende Lösung zu gehen. Als solche kommt der 38 Jahre alte Rebbe zweifellos in Frage. Dem Novizen ist der nötige Stallgeruch bei erstaunlich kleinem Geltungsdrang zu bestätigen.

          Ismaël darf bis zur Winterpause bleiben

          Am Tag nach dem großen Einschnitt war die Sehnsucht in Wolfsburg allgegenwärtig. Möglichst fleißig trainieren, Wege aus der sportlichen Misere suchen - die Mannschaft um Kapitän Diego Benaglio gibt sich Mühe, so gut wie möglich zu arbeiten und zu funktionieren. Und vielleicht war es genau das richtige Signal, dass dem medialen Getöse rund um die Allofs-Entlassung etwas Normales gefolgt ist.

          Dem Nachwuchs eine Chance: Olaf Rebbe war ausgerechnet von Klaus Allofs nach Wolfsburg geholt worden
          Dem Nachwuchs eine Chance: Olaf Rebbe war ausgerechnet von Klaus Allofs nach Wolfsburg geholt worden : Bild: dpa

          Rebbe drehte eine Runde über den Trainingsplatz, suchte hier und da in seiner ruhigen Art das Gespräch. Die großen Worte, wie es weitergehen soll, überließ er einem Routinier. Laut Wolfgang Hotze, für Allofs zum Sprecher der Geschäftsführung der VfL Wolfsburg Fußball GmbH aufgerückt, bleibt Valérien Ismaël bis zur Winterpause als Cheftrainer im Amt. Das dringlichste Problem des Vereins, so schätzt es Hotze ein, seien derzeit nicht einzelne Personalien, sondern die gemeinsame sportliche Misere.

          Ein Machtwort, bei dem die Bundesliga aufhorcht

          Lediglich zehn Punkte aus den bisherigen 14 Saisonspielen, deftiger Absturz bis auf den 15. Tabellenplatz: Am Montag war in Wolfsburg ein Machtwort gesprochen worden, bei dem die gesamte Fußball-Bundesliga aufgehorcht hat. Dass ein erfahrener Macher wie Allofs mit seinem Latein am Ende war und vom Aufsichtsrat von seinen Aufgaben entbunden werden musste, hat deutlich mehr Tragweite als so manch verlorenes Heimspiel. Der Volkswagen-Konzern hatte Allofs Ende 2012 von Werder Bremen nach Wolfsburg gelockt, damit der von ihm bezahlte VfL in größeren Schritten vorankommt.

          Wie wuchtig künftig im Wolfsburg noch Fußball gespielt werden kann und darf, lässt sich derzeit nur erahnen. Rebbe ist 2013 dank Allofs ebenfalls von Bremen nach Wolfsburg gewechselt. Er hat bis auf weiteres die Aufgabe bekommen, die Zusammenstellung eines aktuell nicht erfolgreichen Spielerkaders zu überprüfen. Über die Rahmenbedingungen, die ihm dabei zur Verfügung stehen, wird er sich wohl noch genauer informieren müssen.

          Ansage aus dem VW-Vorstand

          Mit der Trennung von Allofs ist beim VfL Wolfsburg noch einmal in aller Konsequenz deutlich geworden, wer bei diesem Verein das allerletzte Wort hat. Der Spanier Francisco Javier Garcia Sanz ist einerseits Mitglied des VW-Vorstands und andererseits Aufsichtsratsvorsitzender der VfL Wolfsburg Fußball GmbH. Von ihm persönlich hat die Mannschaft zu hören bekommen, was in der Ära nach Allofs erwartet wird. Am Samstag steht das Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt an. Es handelt sich dabei um die letzte Gelegenheit, in der Hinrunde eine Partie vor heimischem Publikum zu gewinnen.

          Sanz hat die Spieler auf den Ernst der Lage hingewiesen und wiederholt den Kontakt zur Basis gesucht. So mancher Profi soll ihm dabei davon berichtet haben, dass zwischen der erfolglosen Mannschaft und dem gescheiterten Allofs eine Entfremdung zu beklagen gewesen sei. Genau diese Spieler müssen nun ein Kunststück hinbekommen. Sie sollen sich mit Ismaël und Rebbe um Besserung bemühen - also mit zwei Männern, die in Wolfsburg dank der Förderung von Allofs in die Verantwortung gekommen sind.

          Als dringlichste Aufgabe für Rebbe steht an, rigoros zu prüfen, auf welche Profis sich der VfL Wolfsburg im Kampf gegen den Abstieg verlassen kann. Vor allem unter das Kapitel des wechselwilligen Nationalspielers Julian Draxler gehört ein Schlussstrich. Dass sich der aufgerückte Rebbe gleich um einen Transfer im zweistelligen Millionenbereich kümmern darf, bedeutet einen stattlichen Vertrauensvorschuss.

          Rund um die drohende Demission von Allofs waren große Namen wie Matthias Sammer und Horst Heldt als mögliche Nachfolger gehandelt worden. Mit Rebbe erhält erst einmal der Nachwuchs seine Chance. Ob dieses Modell Vorbild für die künftige Transferpolitik des VfL Wolfsburg ist, bleibt offen. Hinter den Kulissen bei VW hält sich hartnäckig das Gerücht, dass der eingeschlagene Sparkurs des Konzerns auch auf den von ihm bezahlten Verein übertragen wird. Auf der Weihnachtsfeier des VfL hatte VW-Vorstandsmitglied Sanz zumindest betont, dass der Verein ein Stück VW bleibe und „nicht nur gestern und heute, sondern auch morgen und übermorgen“ unterstützt werde.

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