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Borussia Dortmund  : Watzke erklärt Tuchel-Aus in einem Offenen Brief

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„Es geht um Verlässlichkeit und Loyalität“: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Bild: Reuters

Mit der Trennung geht ein langer Streit zu Ende. Trainer Thomas Tuchel muss den BVB vorzeitig verlassen. Nun erklärt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in einem langen Brief die Gründe.

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          Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer des Fußball-Bundesligavereins Borussia Dortmund, hat sich zu der am Dienstag erfolgten Trennung des Klubs von Trainer Thomas Tuchel geäußert. „Wir haben in der gegenwärtigen personellen Konstellation leider keine Grundlage mehr für eine auf Vertrauen ausgelegte und perspektivisch erfolgreiche Zusammenarbeit gesehen“, erklärte Watzke in einem über die Vereinsmedien veröffentlichen „Offenen Brief“.

          Watzke bedankte sich bei Trainer Tuchel und seinem Team, warb aber ebenso für Verständnis bezüglich der Trennung vom Coach. „Der BVB hatte mit Thomas Tuchel zwei erfolgreiche Jahre, in denen die sportlichen Ziele erreicht wurden. Allerdings haben wir – Michael Zorc als Sportdirektor und ich – uns in dieser Zeit in der Zusammenarbeit mit dem Trainerteam auch aufgerieben“, erklärte der Geschäftsführer.

          In dem an die Fans und Mitglieder des Klubs gerichteten Schreiben führte Watzke weiter aus: „Es geht bei der Wahrnehmung von Führungsverantwortung, und da unterscheidet sich Borussia Dortmund letztlich keineswegs von jedem anderen Sportverein oder Unternehmen, nicht ausschließlich um das Ergebnis. Es geht immer auch um grundlegende Werte wie Vertrauen, Respekt, Team- und Kommunikationsfähigkeit, um Authentizität und Identifikation. Es geht um Verlässlichkeit und Loyalität.“

          Nur drei Tage nach dem Pokalsieg in Berlin hatte der BVB am Dienstag die Zusammenarbeit mit Tuchel für beendet erklärt. BVB-Verteidiger Marc Bartra, der sich beim Attentat auf den Dortmunder Mannschaftsbus am 11. April einen Bruch der Speiche im rechten Handgelenk zugezogen hatte, bedankte sich auf seinem Twitter-Account bei Tuchel: „Es war ein aufrichtiges Vergnügen Thomas. Ich wünsche dir das Beste!!“

          Wirklich harmonisch war das Verhältnis von Watzke (links) und Tuchel schon lange nicht mehr. Bilderstrecke
          Wirklich harmonisch war das Verhältnis von Watzke (links) und Tuchel schon lange nicht mehr. :

          Erst zwei Stunden war Thomas Tuchel offiziell Mitglied der Twitter-Gemeinde, da setzte er schon seinen ersten Knaller-Tweet ab. „Ich bin dankbar für zwei schöne, ereignisreiche und aufregende Jahre. Schade, dass es nicht weitergeht“, schrieb der Fußball-Trainer am Dienstag bei dem Kurznachrichtendienst und kam seinem bis dato Arbeitgeber zuvor. Borussia Dortmund zog wenig später mit einer 188 Wörter langen Pressemitteilung nach: Die Trainersuche beim Bundesligaverein, der in der kommenden Saison auch dank Tuchel Champions League spielt, ist damit eröffnet.

          Nur drei Tage nach dem Pokalsieg in Berlin erklärte der BVB die Zusammenarbeit mit dem Fußball-Lehrer für beendet. „Wir bedanken uns bei Thomas Tuchel und seinem Trainerstab für die sportlich erfolgreiche Arbeit beim BVB, die am vergangenen Samstag im DFB-Pokalsieg in Berlin gegen Eintracht Frankfurt ihren verdienten Höhepunkt fand“, hieß es am Dienstag in einer Mitteilung des Klubs. „Für seine berufliche Zukunft wünschen wir Thomas Tuchel nur das Allerbeste.“

          Damit geht ein langer Streit zu Ende, der das Vereinsklima zunehmend belastet hatte. Zuletzt gab es unterschiedliche Auffassung zwischen Trainer und Geschäftsführer bei der Frage, ob die Champions-League-Partie gegen Monaco nur einen Tag nach dem Sprengstoffanschlag auf den Teambus hätte ausgetragen werden dürfen. Das angespannte Verhältnis von Tuchel zu Spielern soll den Ausschlag für die Trennung gegeben haben.

          Der Klub betonte in seiner Erklärung, dass er großen Wert auf die Feststellung lege, dass es sich bei der Ursache der Trennung keinesfalls um eine Meinungsverschiedenheit zwischen zwei Personen handele. „Das Wohl des Vereins Borussia Dortmund, den viel mehr als nur der sportliche Erfolg ausmacht, wird grundsätzlich immer wichtiger sein als Einzelpersonen und mögliche Differenzen zwischen diesen“, hieß es in der Erklärung.

          Die Misstöne ließ auch der ersehnte Gewinn des DFB-Pokals mit dem 2:1 am vergangenen Sonntag im Finale gegen Eintracht Frankfurt nicht verstummen. Vielmehr legte BVB-Kapitän Marcel Schmelzer gegen Tuchel nach wegen der Ausbootung von Nuri Sahin, der in Berlin trotz der Verletzung seines Mittelfeldkollegen Julian Weigl nicht mal im Kader stand: „Ich war geschockt. Nuri ist ein toller Fußballer, ein toller Mensch. Wir stehen hinter ihm.“

          Berichte über angebliche Kritik an seiner Arbeit von namentlich nicht genannten BVB-Profis bezeichnete Tuchel als „Teil einer Kampagne“. „Es wurde berichtet, ich hätte in der Kabine die Vertrauensfrage gestellt. Das ist einfach nicht wahr“, erklärte Tuchel nach dem Pokalfinale. In einem weiteren Tweet, den Tuchel am Dienstag nach der vollzogenen Trennung absetzte, schrieb er: „Danke an die Fans, an die Mannschaft, an den Staff und an alle, die uns unterstützt haben. Wünsche dem BVB alles Gute.“

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