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Entscheidung beim DFB : Öffentliche Prüfung für Tönnies

  • -Aktualisiert am

Auf Clemens Tönnies wird nun ganz genau geschaut. Bild: dpa

Die Ethik-Kommission des DFB verzichtet nach der rassistischen Aussage auf eine Anklage gegen Clemens Tönnies. Das mag auf Kritik stoßen. Die Entscheidung ist aber allemal wirkungsvoller als die lächerliche Dreimonatssperre auf Schalke.

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          Die Ethik-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat den Fall Tönnies auf den Punkt gebracht: Der Satz des Chefs von Schalkes Aufsichtsrat in einer Rede beim Tag des Handwerks in Paderborn – „Dann würden die (in Afrika) aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn‘s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“ – ist auch aus Sicht dieses Gremiums rassistisch. Es verweist zurecht auf die möglichen Folgen: „Sein Satz wäre zumindest geeignet, rassistisches Gedankengut an anderer Stelle zu unterstützen“. Zweifellos hat Tönnies damit auch die proklamierten Grundsätze der DFB-Satzung konterkariert. Aber allein daraus lässt sich nicht der Schluss ziehen, Schalkes Boss sei ein Rassist. Dafür gab es keine Belege, weder für vorangegangene rassistische Formulierungen, noch für entsprechende Handlungen.

          Die Entscheidung der Kommission, auf eine Anklageerhebung zu verzichten, mag auf Kritik stoßen, selbst in den Reihen von Tönnies Gegnern auf Schalke. Aber der Fall wird nur pro forma zu den Akten gelegt. Denn Tönnies überzeugte die Kommission offenbar mit dem Versprechen, aktiv gegen „Rassismus innerhalb der Arbeit des DFB“ vorzugehen und sein dem Ethik-Rat dokumentiertes Engagement für Afrika auszuweiten.

          Der Fleischhändler ist also in eine Art Beweispflicht eingetreten. Er lässt sich auf die laut Ethik-Kommission „notwendige tätige Reue“ ein, die sich einfach überprüfen lässt. Bei jeder Rede, auch am Stammtisch, bei allen Afrikareisen, überall dort, wo der Fußball an den großen Worten zu seinen inneren Werten gemessen wird. Selbst ohne Verfahren, ohne Anklageerhebung und Prozess ist Tönnies in einem gewissen Sinne verurteilt worden: auf eine überzeugende Bewährung.

          Das ist allemal wirkungsvoller, als die lächerliche Dreimonatssperre für den Job an der Spitze des Aufsichtsrates, die er sich im Verein mit Schalkes Gralshütern auferlegt hat. Da Tönnies kolportierter Einfluss auf das operative Geschäft des Bundesligaklubs ohnehin kaum zu überprüfen ist ohne Überwachungsstaat und so ein Aufsichtsrat selten tagt, ist allein die öffentliche Prüfung für Tönnies von Bedeutung: In dieser gelb gefärbten Verwarnungsphase kommt es nicht darauf an, was er unterlässt, sondern was er tut.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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