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Nur 1:1 in Nürnberg : Der FC Bayern verzweifelt an sich selbst

Konnte es nicht so recht glauben: Joshua Kimmich verliert mit dem FC Bayern fast in Nürnberg. Bild: dpa

Die Münchener hätten einen großen Schritt in Richtung Meisterschaft machen können. Doch der Aufsteiger zeigt dem Tabellenführer die Grenzen auf. Am Ende überschlagen sich die Ereignisse: Es hätte noch schlimmer kommen können.

          24 Stunden lang sah es aus, als wäre alles vorbei, dann aber ging am Sonntag das verrückteste Wochenende der Saison mit der nächsten Überraschung zu Ende, und der Titelkampf war wieder offen. Nach der Niederlage der Dortmunder gegen Schalke schien die Bühne bereitet für eine Machtdemonstration der Bayern, doch die mussten am Ende froh sein, aus Nürnberg wenigstens einen Punkt mitzunehmen. Matheus Pereira hatte den Vorletzten in Führung gebracht (48. Minute), Serge Gnabry glich zum 1:1-Endstand aus (75.), ehe eine Minute vor Ende der Nürnberger Tim Leibold einen Foulelfmeter verschoss.

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          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Durch den Fehlschuss schrumpften die Chancen der tapferen Nürnberger im Abstiegskampf, während die Bayern bei nun zwei Punkten Vorsprung (statt der zuvor erwarteten vier) im Duell mit Dortmund keinen Puffer für einen weiteren Ausrutscher haben. „Das ist total ärgerlich. Wir hätten hier und heute einen Matchball erspielen können“, sagte Bayern-Coach Niko Kovac. „Wir haben zwar Chancen gehabt, aber wir müssen glücklich sein, dass wir hier einen Punkt mitgenommen haben.“ Nürnbergs Torhüter Christian Mathenia meinte:  „Wir haben heute sehr mutig gespielt, es ist schade, dass wir uns einfach nicht belohnen. Wir sind weiter im Rennen. Wir werden bis zum allerletzten Spieltag nicht aufgeben.“

          Fast eine Stunde lang spielten die Bayern, als fühlten sie sich schon als Meister. Sie zeigten behäbigen Ballbesitzfußball ohne erkennbare Entschlossenheit, den Dortmunder Fauxpas zu nutzen. Es war schon die Hälfte der ersten Halbzeit vergangen, bis es zum ersten Torschuss der Partie kam. Der aber hatte es gleich in sich. David Alaba zirkelte aus 22 Metern einen Freistoß wuchtig Richtung Torwinkel. Von den Fingerspitzen von Torwart Mathenia leicht abgelenkt, knallte der Ball an die Latte.

          Plötzlich schien das Unglaubliche greifbar

          Aus dem Spiel heraus ließen die Nürnberger, tief und gut gestaffelt, dazu aufmerksam und zweikampfstark, kaum etwas zu. Eine defensive Qualität, die sie in ihrer Aufstiegssaison wohl etwas zu spät erworben haben. Bis zur Entlassung von Trainer Michael Köllner hatten sie durchschnittlich 2,2 Gegentore pro Spiel kassiert, seitdem unter dessen Nachfolger Boris Schommers nur noch 1,2. Und plötzlich, nach 35 Minuten, entdeckten sie auch ihre Angriffslust. Pereira dribbelte sich in Schussposition, verfehlte aber das Tor. Unmittelbar nach dem folgenden Abstoß unterschätzte Bayern-Torwart Sven Ulreich einen Querpass von Mats Hummels und musste in letzter Not vor dem heranstürmenden Eduard Löwen zur Ecke klären. Auch im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit gelang es den Bayern nicht, eine Torchance aus dem Spiel heraus zu kreieren. Der einzige Torschuss von Torjäger Robert Lewandowski war ein Freistoß in der 45. Minute. Aus 25 Metern jagte er den Ball fünf Meter über das Tor.

          Sollte gegen den hohen Favoriten doch etwas gehen für die Nürnberger? „Gegen Bayern muss ein Wunder passieren“, hatte Löwen erklärt. Viel sprach nicht dafür. Der letzte Sieg im Derby war 2007 unter Trainer Hans Meyer gelungen. Doch zumindest hat der „Club“ zuletzt zwei Dinge geschafft, die ebenfalls zuletzt 2007 gelungen waren: die Lizenzerteilung ohne Auflagen für die kommende Saison der Ersten und Zweiten Bundesliga sowie erstmals wieder ein positives Eigenkapital in der Bilanz. Nun vielleicht sogar das Undenkbare: ein Derby-Sieg?

          Jubel beim „Club“ über das wichtige Tor: Matheus Pereira (Mitte) freut sich über seinen Treffer.

          Keine zwei Minuten waren gespielt in der zweiten Halbzeit, die wegen Pyrotechnik und Böllern aus dem Bayern-Block verspätet begann, da schien das Unglaubliche plötzlich greifbar. Links ließ Sebastian Kerk Joshua Kimmich stehen, fand vor dem Tor Löwen, dessen Direktabnahme Torwart Ulreich nur abprallen lassen konnte, der Ball kam zu Pereira, der einen Haken schlug und zum 1:0 traf.

          Kurz darauf wäre um ein Haar das 2:0 gefallen, doch nach einem Ausrutscher von Hummels spielten die Nürnberger einen Überzahlkonter eine Spur zu langsam. Bayern-Trainer Niko Kovac brachte nach Serge Gnabry, zur Pause für Thomas Müller gekommen, noch James für Javi Martinez, das Zeichen für Offensive. Und nach einer Stunde initiierte James mit einem feinen Pass auf Leon Goretzka auch die erste herausgespielte Torchance des Meisters, doch Mathenia wehrte Goretzkas Lupfer ab.

          Zum Verbiegen: Bayern-Trainer Niko Kovac war mit dem Auftritt seines Teams nicht zufrieden.

          Wieder brachte erst ein Freistoß echte Torgefahr. Diesmal war es James, der nach 69 Minuten aus 18 Metern schoss – wieder brachte Mathenia die Finger an den Ball, wieder krachte es im Torgebälk. Für James war das doppelt ärgerlich, er verletzte sich beim Freistoß und musste nach nur zwölf Minuten wieder hinaus. Für ihn brachte Kovac seine letzte offensive Option, den 19 Jahre alten Alphonso Davies.

          Doch dann war es Kingsley Coman, der den Ausgleich mit einer Flanke von rechts einleitete. Verteidiger Robert Bauer verpasste den Ball, der von Gnabrys Bein im Bogen über Torwart Mathenia ins Tor flog. In der 90. Minute bot sich dann Leibold die große Chance zum Sieg des Außenseiters, nachdem Davies Georg Margreiter nach einer Ecke mit dem Ellbogen im Gesicht getroffen hatte. Doch Leibold traf nur den Innenpfosten und verpasste so eine noch bessere Schlusspointe des verrückten Wochenendes – ebenso wie vier Minuten später Coman, der in der letzten Szene der Nachspielzeit allein aufs Nürnberger Tor zulief, aber an Mathenia scheiterte.

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