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Hooligan-Truppe „Riot0231“ : Gewaltrausch im Schatten der Stadien

  • -Aktualisiert am

Diese Utensilien sicherte die Polizei in einem Bus. Bild: Picture-Alliance

Regelmäßig fällt eine 50 Personen große Gruppe rund um Spiele von Borussia Dortmund mit Gewaltexzessen auf. Nun gibt es Maßnahmen, dem Treiben von „Riot0231 – Ultras h“ ein Ende zu bereiten.

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          Die Behörden haben die Dortmunder Hooligan-Truppe „Riot0231 – Ultras h“ schon lange im Blick. Regelmäßig fällt die etwa 50 Personen umfassende Gruppe rund um Spiele von Borussia Dortmund mit Gewaltexzessen auf. Um ihrem brutalen Treiben nun möglichst umfassend ein Ende zu bereiten, will der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) ein Vereinsverbot gegen die „Riots“ durchsetzen. Um dafür umfassend gerichtsverwertbare Beweise zu sichern, durchsuchten am frühen Dienstagmorgen Polizeibeamte die Wohnungen von vier mutmaßlichen Rädelsführern der „Riots“. Die Beamten stießen auf Baseballschläger, Zahnschutz, schlagkraftverstärkende Quarzhandschuhe, Sturmhauben und eine Schreckschusspistole. Auch Laptops und Smartphones stellten die Polizisten sicher.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Seit vielen Monaten treten die „Riots0231“ (die Zahlenfolge steht für die Dortmunder Telefonvorwahl) immer wieder mit besonders gewaltsamen Aktionen auf, die auch die große friedliche BVB-Szene tief beunruhigen. Die Führungsleute der „Riots“ gehörten früher zu Ultra-Gruppen des BVB. Diese Gruppen galten ihnen aber bald als zu „lasch“. Die „Riots“ sehen in allen Fans anderer Vereine Gegner, gegen die Gewalt angewendet werden darf. Die rund 50 „Riots“ eint vor allem die Lust auf brutale körperliche Auseinandersetzungen. „Allein 20 von ihnen sind Mitglieder derselben Kampfsportschule und trainieren dort gezielt Schlägereien“, sagte Innenminister Jäger am Dienstagmittag. Elf von ihnen sind als „Intensivtäter Sport und Gewalt“ gelistet.

          2014 einigten sich die Innenminister von Bund und Ländern darauf, mit dem Konzept „Intensivtäter Sport und Gewalt“ die schlimmsten Randalierer unter den Hooligans effektiver zu verfolgen. Intensivtäter wie die „Riots“ reisen kreuz und quer durch das Bundesgebiet, um im Umfeld der Stadien gezielt Schlägereien mit anderen Fans anzuzetteln, Polizeibeamte anzugreifen, Kassenhäuschen zu überfallen oder Raubdelikte zu begehen. Es handle sich nicht um Fans, sagte Jäger. „Das sind Gewaltjunkies, die den Fußball missbrauchen, um ihre Gewaltphantasien auszuleben.“

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          Mitglieder von „Riot0231“ sollen im vergangenen Jahr ein Auto mit Mainzer Fans angegriffen haben. Einige Wochen später sollen „Riots“ einen Reisebus mit Anhängern des BVB-Erzrivalen Schalke 04 auf der Autobahn ausgebremst haben. Im Februar wurden vier mutmaßliche „Riot“-Mitglieder von Polizisten aus einem Reisebus geholt, der auf dem Weg zu einem Auswärtsspiel des BVB in Darmstadt war. Die Polizisten fanden bei den Hooligans Sturmhauben, Feuerwerkskörper, Quarzhandschuhe und Schmerzmittel. Nach Angaben von Innenminister Jäger waren „Riots“ auch an den Übergriffen auf Anhänger des Fußballklubs RB Leipzig Anfang Februar in Dortmund beteiligt, bei denen selbst Frauen und Kinder zum Ziel des Mobs wurden. Gegen mehrere „Riots“ laufen Strafermittlungen.

          Nun will Jäger auch die Gruppenstrukturen zerstören. Die Wohnungsdurchsuchungen am Dienstagmorgen sollen aber nicht nur der Vorbereitung des Vereinsverbots dienen. Jäger geht es auch um ein generalpräventives Zeichen. Man wolle die „Gewalttäter an die Öffentlichkeit zerren und ihrem sozialen Umfeld klarmachen, dass der Staat sie im Blick hat“. Neben einem Vereinsverbot prüfe man auch andere mögliche Maßnahmen gegen „Riot0231“, sagte Jäger auf die Frage, ob auch in Betracht komme, die Dortmunder Hooligan-Gruppe nach Paragraph 129 Strafgesetzbuch als „kriminelle Vereinigung“ zu bewerten.

          Anfang 2015 hatte der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass Hooligan-Gruppen als „kriminelle Vereinigungen“ gelten können. Der BGH bestätigte damit ein Urteil des Landgerichts Dresden, das eine 2009 aufgelöste Gruppierung so eingestuft und fünf junge Männer wegen Mitgliedschaft in dieser Vereinigung, gefährlicher Körperverletzung und schweren Landfriedensbruchs zu Haft- oder Geldstrafen verurteilt hatte.

          Die Einordnung einer Gruppierung als kriminelle Vereinigung hat erhebliche Auswirkungen auf die Strafverfolgung. So können Angeklagte allein schon wegen Mitgliedschaft oder Unterstützung einer solchen Gruppierung zu bis zu fünf Jahren Haft verurteilt werden. Die Gruppe „Hooligans Elbflorenz“ strebte eine dominierende Stellung in der gewaltbereiten Hooliganszene im Raum Dresden an und trug wiederholt im Umfeld von Spielen des Vereins Dynamo Dresden Kämpfe gegen andere Hooligan-Vereinigungen aus. Zudem überfielen Mitglieder der Gruppe nach dem Halbfinalspiel zwischen Deutschland und der Türkei bei der Fußball-Europameisterschaft 2008 mehrere türkische Geschäfte.

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