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Nordderby : Zwei Peruaner auf Torejagd

  • -Aktualisiert am

Peruanische Partie: Pizarro und Guerrero lassen ihre Freundschaft vor dem Nordderby ruhen Bild: dapd

Das Nordderby ist auch ein Treffen zweier dicker Freunde: Claudio Pizarro ist Torjäger bei Werder Bremen, Paolo Guerrero beim HSV. Am Samstag (15.30 Uhr) spielen die Peruaner entscheidende Rollen.

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          Mit Vergangenem hat sich Claudio Pizarro nie lange beschäftigt. Das merkt man, wen man sich mit dem Bremer Stürmer über Spiele gegen den Nordrivalen Hamburger SV unterhalten will. Die Papierkugel, die im Uefa-Cup-Halbfinale 2009 aufs Feld flog und das Ausscheiden des HSV einleitete? Der Tritt Tim Wieses gegen Ivica Olic 2008? Das Elfmeterschießen im DFB-Pokal-Halbfinale 2009?

          Allenfalls rudimentäre Erinnerungen scheint der 33 Jahre alte Pizarro an diese Momente zu haben, die im Fußball-Norden noch heute Stammtische beschäftigen können. „Ich weiß nicht mehr jede Szene“, sagte am Donnerstag ein entspannter und gutgelaunter Claudio Pizarro im Presseraum des Weserstadions, „aber ich bin jetzt schon sehr lange in Deutschland, und die Spiele gegen HSV sind immer etwas Besonderes.“

          Pizarros Bilanz ist überragend: 15 Tore in 18 Spielen
          Pizarros Bilanz ist überragend: 15 Tore in 18 Spielen : Bild: dapd

          Die Partie an diesem Samstag (15.30 Uhr/F.A.Z.-Liveticker) dürfte für Pizarro vor allem deshalb eine ungewöhnliche Partie sein, weil er seinen besten Freund in der Bundesliga trifft: Paolo Guerrero. Nicht nur die Sympathie zwischen den beiden stürmischen Nationalspielern ist es, die das peruanische Duo zu einem schönen Thema macht. Es ist auch die Form. Sechs Mal hat Guerrero seit Oktober für den HSV getroffen. Seit Thorsten Fink ihn trainiert, gilt Guerrero als unangefochten. Gar 15 Tore in 18 Spielen hat Claudio Pizarro für Werder erzielt.

          Unter besonderer Beobachtung

          Während Pizarro in seiner dritten Bremer Phase über den Dingen steht und weiter in der Schwebe lässt, ob er seinen Vertrag verlängert, erlebt Guerrero eine ungewohnte Wertschätzung. Jüngst hat der 28 Jahre alte Profi erzählt, er wolle besonnener werden, endlich erwachsen, ein Vorbild gar in der jungen Hamburger Mannschaft. Ein vernünftiges Auftreten auf dem Platz und daneben könnte man bei einem Gehalt von knapp vier Millionen Euro auch erwarten.

          Doch spätestens seit seinem Flaschenwurf gegen einen Fan im April 2010 und dreisten Forderungen für die Vertragsverlängerung vor zwei Jahren steht Guerrero unter besonderer Beobachtung. Den gutdotierten, bis 2014 laufenden Kontrakt schenkte ihm der ehemalige Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann, doch die folgenden Trainer Armin Veh und Michael Oenning fanden keinen Gefallen an Guerrero.

          Besserung unter Fink

          Erst mit Fink kam die Besserung, und tatsächlich hat er sich zuletzt wieder aufs Toreschießen konzentriert. In der Auswahl Perus lief er dem ehemaligen Bayern-Kollegen Pizarro sogar den Rang ab: Weil Pizarro beim Südamerika-Pokal im Juli 2011 verletzt fehlte, war Guerrero Angreifer Nummer eins und schoss im kleinen Finale drei Tore.

          Der neue Guerrero: schon sechs Tore seit Oktober
          Der neue Guerrero: schon sechs Tore seit Oktober : Bild: AFP

          Mindestens einmal in der Woche fährt Pizarro die 120 Kilometer nach Hamburg und besucht seinen Freund. Noch näher wären sich die beiden Angreifer fast 2009 gekommen. Hoffmann hätte Pizarro damals am liebsten im Alleingang geholt, um das peruanische Duo beim HSV, das einst in München gemeinsam spielte, wieder zu vereinen.

          Pizarro war vom FC Chelsea an den SV Werder ausgeliehen. Werder wusste von Hamburgs Interesse und streckte sich gewaltig, um die Ablöse in Höhe von fünf Millionen Euro und die vier Millionen Euro Gehalt zahlen zu können. In Bremen finden sie, dass der torgefährlichste Ausländer der Bundesligageschichte jeden Cent wert ist. Und sie fürchten, dass er sein Können ab dem Sommer woanders vorführt. „Es ist alles offen, ich warte noch ab“, sagt Pizarro.

          Im Duell Pizarro versus Guerrero steckt noch eine andere Auseinandersetzung. Während Werder mit vier Unentschieden in vier Spielen auf der Stelle tritt, ist der HSV mit sieben Punkten ordentlich in die Rückrunde gestartet. Das zarte Pflänzchen Hoffnung gedeiht wieder in Hamburg: Vielleicht wird es doch noch etwas mit einem Europapokalplatz? Den brauchten sie in Bremen schon allein deswegen unbedingt, weil Pizarro den Klub ganz sicher verlässt, sollte sich Werder nicht für die Europa League qualifizieren.

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