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Nils Petersen : Alles eine Frage des Geldes

  • -Aktualisiert am

Vielseitig - und begehrt: Nils Petersen, Energies bester Angreifer Bild: dapd

Nils Petersen liebt Cottbus und wird doch bald gehen: Der 22-Jährige soll Energie an diesem Dienstagabend in Duisburg ins zweite DFB-Pokalfinale der Vereinsgeschichte schießen - bevor der beste Angreifer im Sommer verkauft wird.

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          Manchmal, verrät Claus-Dieter Wollitz, „ärgere ich mich selbst darüber, wie blind ich war“. Er habe einige Monate gebraucht nach seinem Antritt beim FC Energie Cottbus 2009, „bis ich seine Qualitäten richtig erkannt und ihm das Vertrauen geschenkt habe. Das war mein größter Fehler.“ So gesehen darf man Wollitz‘ Vorgänger Bojan Prasnikar auch keinen Vorwurf machen. Der Slowene war der letzte Trainer, der Cottbus in der Bundesliga befehligte. Er schickte Nils Petersen erst aufs Feld, als es schon zu spät war: im aussichtslosen Relegationsrückspiel gegen den 1. FC Nürnberg im Mai 2009.

          Zuvor hatte er ihm und anderen Cottbuser Talenten die Klasse für die Bundesliga abgesprochen. Heute ist der 22 Jahre alte vielseitige Angreifer Sinnbild für den längst vollzogenen Umbruch in der Lausitz: weg von Prasnikars Balkan-Auswahl hin zu vielen jungen, deutschen Spielern. Und mit seinen 15 Zweitligatoren ist er das größte Juwel des Vereins, die große Hoffnung im DFB-Pokalhalbfinale beim MSV Duisburg (20.15 Uhr/live im FAZ.NET-Pokalticker). Als er kürzlich seinen Vertrag bis 2014 verlängerte, jubelte die Lausitz.

          Petersen garnierte seine Unterschrift mit netten Worten, zweifellos ehrlich gemeint: „Wir haben eine super Kameradschaft, einen Trainer, der mich fördert – was will ich mehr?“ Wollitz sagt: „Jungs wie Nils identifizieren sich mit dem Verein und der Region, und sie sorgen für Identifikation.“ Doch seit Petersens Unterschrift sind fast vier Wochen vergangen – und die Chancen auf den Aufstieg haben sich verschlechtert.

          Zudem wurde bekannt, dass Petersen nur mit Netz und doppeltem Boden unterschrieben hat. Für angeblich vier Millionen Euro soll er aus dem neuen Kontrakt herausgekauft werden können. Das passt zu einem Satz, den der Jungstar vor einem halben Jahr gesagt hat: „Ich denke, dass ich 2011 bereit bin für die erste Liga.“ Klubchef Ulrich Lepsch klingt denn auch sehr nüchtern, wenn er sagt: „Am Schluss ist es bei fast allen, vor allem kleinen Vereinen, doch so: Es gibt immer einen Größeren. Wir werden ihn nicht halten können, wenn einer sehr viel mehr Geld bietet.“

          Dauerhaft zweite Liga? Ausgeschlossen

          Cottbus hat über den DFB-Pokal bereits 4,3 Millionen Euro eingenommen, doch seit fünf Jahren, als man knapp einer Insolvenz entging, regiert die kaufmännische Vernunft. Auch für Petersen würde Lepsch, der Sparkassendirektor, nicht ins Risiko gehen. So sehr sie ihn auch lieben und sich freuen, dass er überhaupt schon vergangenen Sommer geblieben ist. Schon da waren Erstligaklubs wie Hoffenheim und Köln hinter ihm her, im Winter Schalke. Der junge Mann aus Wernigerode blieb, „weil das besser für meine Entwicklung ist, wenn ich Stammspieler bin“. Doch dauerhaft in der zweiten Liga? Das ist unwahrscheinlich, nein: ausgeschlossen.

          Wollitz (siehe auch: Energie Cottbus: Wie aus einer anderen Zeit) räumt offen ein, dass er sein System komplett auf das kongeniale Duo Emil Jula (sieben Saisontore) und Petersen abgestellt hat – nun könnten beide gehen. Der Rumäne Jula – er fehlt in Duisburg wegen einer Oberschenkelblessur – hat ein neues Angebot abgelehnt. Ginge Petersen, wäre es eine Frage der Vernunft.

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