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Bayern München : Die überraschenden Lösungen des Niko Kovac

Statt Leroy Sané spielen beim FC Bayern derzeit Sarpreet Singh, Alphonso Davies und Renato Sanches (von links) groß auf. Bild: dpa

Das große Warten auf den ganz großen Bayern-Transfer geht weiter. Beim Supercup in Dortmund spielen die Münchner ohne Leroy Sané. Dafür hat der Trainer seine Arbeit gemacht – und interessante Ideen entwickelt.

          Niko Kovac bedauert, dass der Supercup in Deutschland „überhaupt keine Wertigkeit“ habe. Außer wenn die Bayern verlieren. „Wenn man ihn gewinnt, ist alles okay. Wenn nicht, ist alles schlecht.“ Aus seiner Sicht dagegen ist das „ein sehr schöner Pokal, und den möchte ich gewinnen“. Schließlich, erinnerte er sich am Freitag, habe man früher in der Jugend in Berlin auch „jeden Hallenpokal mitgenommen und gefeiert“. Und das zünftig im Vereinslokal, „mit einem Stiefel, wo die Fassbrause drin war“.

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          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Vor einem Jahr spielten Kovac und die Bayern im Supercup mit einem 5:0 in Frankfurt ihren Stiefel locker runter. Diesen Samstag (20.30 Uhr im ZDF und bei DAZN), in Dortmund, wird das wohl schwieriger. Der BVB habe sich verstärkt, sagte Kovac und fügte hinzu: „Sie werden wieder der erste Verfolger sein.“ Was recht süffisant klang angesichts der Tatsache, dass es in der vergangenen Spielzeit meist umgekehrt war: der FC Bayern als erster Verfolger der Dortmunder.

          Während der BVB-Kollege Lucien Favre seine starken Neuzugänge von Beginn der Vorbereitung an ins System einbauen konnte, muss der Bayern-Trainer noch mit vielen Variablen operieren. Kovac, eher Pragmatiker als Programmatiker, fühlt sich dabei aber sichtlich nicht unwohl. Während sich der Sommer-Hype an der Säbener Straße vor allem um einen Spieler dreht, den die Bayern noch gar nicht haben, Leroy Sané (der Klub dementierte am Donnerstag Meldungen deutscher Medien, wonach Sané sich nun endlich für die Bayern entschieden habe, während Kovac, von Vorstandschef Rummenigge für öffentlichen Optimismus in der Personalie gerügt, nun dazu schweigt) – während dieses großen Wartens also auf den ganz großen Bayern-Transfer, für den Manchester City laut englischen Berichten 160 Millionen Euro fordern soll, hat Kovac ganz einfach seine Arbeit gemacht.

          Und dabei einige überraschende Lösungen gefunden. So zählen zu den besten Spielern der Testwochen zwei schon scheinbar Abgemeldete. Jérôme Boateng, dem Präsident Uli Hoeneß einen Vereinswechsel empfohlen hatte, präsentierte sich so munter wie seit Jahren nicht nach einer Sommerpause. „Er ist sehr frisch momentan“, sagt Thomas Müller. „Dieser Jérôme, der so Fußball spielt, der tut uns gut.“ Und Renato Sanches, der nach drei frustrierenden Jahren wegwollte, von der Bayern-Führung aber gehalten wurde, passt immer besser in das 4-3-3-System, mit dem Kovac die Saison wie im Vorjahr begonnen hat.

          Damals wechselte Kovac in der Herbstkrise auf das stabilere 4-2-3-1, kehrte aber im Frühjahrshoch im Top-Duell gegen den BVB zum Lieblingssystem zurück. Resultat: ein 5:0. Allerdings droht auf den Positionen der offensiven Außen, die in dieser offensiven Anordnung sehr wichtig sind, nach dem Abschied von Franck Ribéry und Arjen Robben derzeit eine Abhängigkeit von der Unverletztheit der Nachfolger Serge Gnabry, der wegen leichter Beschwerden im Oberschenkel im Supercup geschont wird, und Kingsley Coman, dessen Knieverletzung aus dem Audi-Cup-Finale gegen Tottenham sich zu Kovac’ Erleichterung nur als Prellung erwies.

          Während alles darauf wartete, ob Sané nun will oder nicht, fand Kovac in der Saisonvorbereitung, neben dem bewährten Müller als Mann für alle Fälle, neue Ideen auf den Flügeln. Vor allem in Person des 18-jährigen, schnellen Kanadiers Alphonso Davies, der im Winter kam und nun aufzublühen scheint. Und in der des 20-jährigen, wendigen Neuseeländers Sarpreet Singh, mit dem „wir einen guten Fang gemacht haben“, so Kovac. Singh war, als man ihn im Sommer verpflichtete, für die Drittligamannschaft der Bayern vorgesehen. „Ich betone das ,war‘“, sagt Kovac. Das heißt, er sieht Singh schon jetzt als Option in der ersten Mannschaft. Eine, Stand jetzt, immer noch realere als Sané.

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