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Die Bayern in der Krise : Kovac zwischen Pfiffen und Rückendeckung

Unter Druck: Bayern-Trainer Niko Kovac muss auch mit den Belastungen seiner Stars in der Nationalmannschaft zurechtkommen. Bild: dpa

Trainer Niko Kovac steht bei Bayern München unter Druck. Seine Vorgesetzten Hoeneß und Rummenigge sind bestrebt, die Lage zu beruhigen. Die Situation führt zu einem bemerkenswerten Auftritt an diesem Freitag.

  • -Aktualisiert am

          Vermutlich hat es Niko Kovac ganz gut getan, sich mal ein paar Tage nicht zum Zustand seiner Mannschaft äußern zu müssen. Urlaub von der Krise war es ja trotzdem nicht für den Trainer des FC Bayern. Weil er unvorsichtigerweise am Dienstagabend ein Basketballspiel der Münchner besuchte, bekam er einen Eindruck, was dort die Zuschauer, die zwar nicht unbedingt identisch mit den Fußballfans, aber sehr wohl ein Gradmesser sind, von ihm hielten. Im Moment nicht sehr viel, wie die Pfiffe bewiesen. Außerdem wurde Kovac fast täglich daran erinnert, dass es um die Form seiner Spieler nicht zum Besten bestellt ist. Weniger von jenem kleinen Kreis von Profis, mit dem er während der Länderspielpause in München trainiert hat, sondern von den Nationalspielern, von den deutschen in erster Linie, aber eben nicht nur.

          Es gibt Parallelen zwischen der Krise des Weltmeisters von 2014 und der des FC Bayern, die eine geht einher mit der anderen, wobei das große deutsche Tief früher da war als das große bayerische. Sowohl Joachim Löw als auch die Münchner Verantwortlichen halten oder hielten fest an verdienten Spielern und sorgten damit für eine leichte Überalterung und eine gewisse Sättigung. Es ist in diesem Herbst nicht mehr wie früher, als die Bayern meist gut gelaunt und mit großem Selbstvertrauen zur Nationalmannschaft gefahren und auch gut gelaunt und mit einem großen Selbstbewusstsein zurückgekehrt sind.

          Münchner Aufgeregtheiten

          Für die Münchner begann die Länderspiel-Tour, wie die Bayern-Woche aufgehört hatte: mit einer 0:3-Niederlage. In Amsterdam, gegen die Niederlande, standen zudem vor allem die Profis des deutschen Rekordmeisters in der Kritik, mit Ausnahme von Joshua Kimmich, der aber beim DFB im defensiven Mittelfeld und bei den Bayern auf der rechten Abwehrseite spielte. In Paris immerhin gehörten auch Münchner zu den Gewinnern der 1:2-Niederlage gegen Frankreich: Niklas Süle und Serge Gnabry. Sogar dem auf die Bank rotierten Thomas Müller wurde attestiert, dass er zwar im Moment nichts zu suchen habe in der DFB-Startelf, aber dies nicht unwiderruflich so sein müsse. Wenn er seine Formschwäche überwunden hat, kann er nach wie vor eine wichtige Rolle spielen. Das trifft auf die Nationalmannschaft und den Verein gleichermaßen zu.

          Man kehre „mit einem guten Gefühl“ nach München zurück, hatte Müller nach dem 1:2 gegen Frankreich wissen lassen. Ob er nun auch mit einem ähnlich guten Gefühl auf das nächste Bundesligaspiel an diesem Samstag beim VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/ live im F.A.Z.-Bundesliga-Liveticker und Sky) blickt, ließ er aber offen. Seit Mittwoch bereitet Kovac die Bayern auf das Spiel in Niedersachsen vor – und muss damit leben, dass die Reise zur Nationalmannschaft für die wenigsten sehr erfreulich war. Neben den Deutschen gab es auch für Thiago mit Spanien eine empfindliche Niederlage, und Robert Lewandowski steht mit Polen schon vorzeitig als Absteiger aus der Eliteklasse der Nations League fest. Renato Sanches hatte hingegen einen gelungenen Ausflug hinter sich. Portugal hat Polen besiegt (und den Gegner damit eben eine Klasse tiefer geschickt), und er durfte spielen, wenngleich nicht von Anfang an.

          Aber nach seiner Rückkehr in die Mannschaft des Europameisters nach der WM ist das für ihn vermutlich in Ordnung, nicht ganz so in Ordnung ist dagegen wohl, dass er auch in München nicht ganz so oft von Anfang an spielt. Kovac musste in den vergangenen Tagen auch noch lesen, dass Sanches sich über zu geringe Einsatzzeiten beschwert. Allerdings handelte es sich bei der Aussage eher um einen Wunsch als um eine Forderung. „Klar würde es mir gefallen, mehr zu spielen“, sagte der Portugiese der „Bild“-Zeitung. „In unserer Mannschaft haben wir viele Nationalspieler, der Trainer muss rotieren. Aber ich würde gerne mehr Minuten haben.“ In unruhigen Zeiten wie im Moment beim FC Bayern genügt aber ein Anliegen, um dem Spieler Unzufriedenheit zu unterstellen.

          Pressekonferenz der Klubbosse

          Dazu passt, dass eine Boulevardzeitung meldete, Kovac stehe bei den Bayern-Bossen unter Beobachtung – als Beleg lieferte sie ein Foto, das Präsident Uli Hoeneß am Fenster seines Büros zeigte, während die Mannschaft unten auf dem Platz trainierte. Zehn Minuten soll die Beobachtung gedauert haben, und dabei habe er mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic geredet – pardon – natürlich heftig diskutiert. An diesem Freitag werden Honeß, Salihamidzic und auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge um 12 Uhr vor die Presse treten und im Anschluss an die reguläre Pressekonferenz von Kovac diese Diskussion zu beenden versuchen. Ein in München ungewöhnlicher Auftritt.

          Demonstrative Rückendeckung: Aufsichtsratschef Uli Hoeneß mit Kovac beim Basketball.

          Zwar werden die Aufgeregtheiten und die Kritik noch vor allem von außen an Kovac herangetragen, aber sehr hilfreich ist die Unruhe auch in den eigentlich ruhigeren Tagen der Länderspielpause nicht. Erst recht nicht, wenn es auch in Wolfsburg wieder schiefginge, wenn die Bayern das fünfte Pflichtspiel in Serie nicht gewinnen würden. „Die Einstellung bei uns ist gut“, sagte Müller in Paris mit Blick auf die Bayern und verspricht: „Wir tun alles, um den Bock umzustoßen.“ Wenn es nicht gelingt, wird es bald auch intern ungemütlich für Kovac.

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