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Niko Bungert : „Fußballprofi? Das schien mir nie realistisch“

  • -Aktualisiert am
„Diese realistische Sicht sollte sich jeder bewahren und menschennah am Boden bleiben.“

Gab es denn Trainer, die gesagt haben: „Bungert, ab an die Maschine“?

Ja, in jungen Jahren kam das schon vor, aber mit der Zeit haben sie mich machen lassen. Sie haben ja gesehen: Da kommt nicht mehr viel an Muskeln. Aber es hat funktioniert. Ich bin ja nicht mit 20 Prozent Zweikampfquote durch die Jahre gegangen, sondern hatte Jahre, in denen ich unter den Top 10 oder Top 5 in der Liga war.

Kennen Sie andere Innenverteidiger mit einer ähnlichen Statur?

Ab Landesliga abwärts vielleicht. Ich plädiere einfach dafür, nicht voreingenommen zu sein. Selbst, wenn ein Innenverteidiger etwas dünner oder kleiner ist als der Durchschnitt, muss man als Trainer darauf schauen, was ein Spieler zu leisten imstande ist. Es gibt auch Stürmer, die fünf Kilo zu viel haben und ihren Job machen. Ich hatte in meiner Karriere das Glück, immer Trainer zu haben, die nicht voreingenommen waren. Das ist auch etwas, was für Mainz 05 spricht.

Wurden Sie viel geneckt wegen Ihrer Statur?

Klar. Aber ohne, dass es jemals böse wurde. Jeder hat in einer Mannschaft sein Päckchen zu tragen, irgendwas, über das sich die anderen lustig machen. Das gehört aber zu einem Mannschaftssport dazu, dass man übereinander lachen kann.  Ich bin da auch sehr entspannt und eher einer, der sich selbst auf die Schippe nimmt.

Wer war für Sie der prägende Trainer?

Das war natürlich Thomas Tuchel, alleine schon, weil es die längste Zeit war. Er war fünf von elf Jahren mein Trainer. Unter ihm habe ich mit 21 Jahren meine ersten Bundesligaspiele bestritten. Er ist ein Trainer, der Spieler individuell besser macht. Davon habe ich wahnsinnig profitiert, dass er gerade in jungen Jahren mein Trainer war. Die Zeit war zudem sportlich unglaublich erfolgreich. Wir haben 2010/11 einen Bundesliga-Startrekord hingelegt, wir haben zweimal die Quali zum Europapokal erreicht. Er hat mich persönlich und den Verein geprägt. Das hätte sich alles nicht so entwickelt, wenn es diese fünf Jahre nicht gegeben hätte.

Haben Sie noch Kontakt mit Tuchel?

Ich habe schon regelmäßig Kontakt mit ihm,  auch mit einigen aus seinem Trainerstab, die ja auch in Mainz tätig waren.

Sie waren ein Spieler ohne Skandale, Sie kamen aber persönlich auch nie zwischen irgendwelche Fronten. Ist das Profigeschäft Bundesliga gar nicht so verrückt, wie es manchmal erscheint?

Das stimmt für mich absolut. In Mainz herrschte Ewigkeiten Ruhe, zunächst mit Christian Heidel und Harald Strutz an der Spitze. Hier war immer eine eingespielte Führung am Werk. Ein Jahr lang haben wir dann mal erlebt, wie es Unruhe geben kann und wie es in anderen Vereinen vermutlich an der Tagesordnung ist.

Hat Sie die Unruhe nach dem Abgang von Christian Heidel und dem Ende der Ära Strutz als Spieler beschäftigt?

Ja, es war dann plötzlich immer etwas, was ablenkt von der eigentlichen Aufgabe des Fußballspielens. Es kamen Anfragen zum Thema von der Presse. Intern in der Mannschaft diskutiert man. Da war es alles andere als ruhig. Umso schöner ist es, dass wir das als Verein wieder in den Griff bekommen haben. Auch wenn alles komplett neu ist in der Führung, so ist doch auch alles irgendwie wieder beim Alten.

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