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Niko Bungert : „Fußballprofi? Das schien mir nie realistisch“

  • -Aktualisiert am

Es war schon so, dass ich mich in verschiedenen Momenten meiner Karriere mit der Frage auseinandergesetzt habe, aber im Endeffekt gab es immer viele gute Gründe, in Mainz zu bleiben, und die haben überwogen. Ich wusste immer, was ich hier hatte, dass ich einen Verein mit tollem Umfeld und einer tollen Stadt vorfinde. Der Verein hat immer viel Ruhe ausgestrahlt, das hat alles auch zu der Art gepasst, wie ich Fußball spiele. Deshalb war ich letztlich sowohl in meinen guten als auch in meinen weniger guten Phasen der Meinung, dass es keinen Sinn ergibt, einen Wechsel anzustreben. Selbst wenn ich längere Zeit mal nicht gespielt habe, war ich immer überzeugt, dass ich eine faire Chance kriege, mit Leistung wieder in die Mannschaft zu kommen. Das wollte ich nicht aufgeben.

Wie kamen Sie auf der Zielgeraden Ihrer Laufbahn mit der Rolle des älteren Profis im Umgang mit jungen, verrückten Kerlen zurecht, die Sie immer wieder in die Mannschaft integrieren mussten?

Das ist ja nicht nur im Fußball so, sondern in der Gesellschaft ganz normal, dass sich von Generation zu Generation etwas verändert. Wahrscheinlich haben die Leute auch vor 30 oder 40 Jahren schon unterschiedlich getickt. Für mich war immer wichtig, den neuen, jungen Spielern vorzuleben und klarzumachen, worum es bei Mainz 05 geht. Und das geht nicht, wenn man sich verschließt und griesgrämig ist, sondern nur, wenn man offen und positiv ist und mit Lust und Laune an die Sache herangeht. Es hat mir immer Spaß gemacht, auch noch in den letzten Wochen, das weiterzugeben, was Mainz 05 ausmacht.

Gibt es Anekdoten mit Spielern, die Sie herangeführt haben?

Thomas Tuchel hat damals bei Yunus Malli, der, wie wir alle wissen, ein sehr begabter Fußballer ist, das Problem ausgemacht, dass er nicht aggressiv verteidigt. Er hat mir dann gesagt, er stecke mich ab sofort in jedem Trainingsspiel mit Yunus in eine Mannschaft, damit ich ihn heißmache und ihm Stück für Stück beibringe, aggressiver zur Sache zu gehen.

Waren Sie erfolgreich?

Ja, ich glaube schon. Yunus wird sicher kein Sergio Ramos mehr werden, aber er hat sich klar weiterentwickelt. Auch wenn ich nicht sagen würde, dass das in erster Linie an mir lag, sondern an ihm selbst.

Es ist originell, dass Thomas Tuchel für diese Aufgabe den Innenverteidiger ausgesucht hat, der rein körperlich nicht direkt in das Bild des aggressiven Anführers hineinpasst. Man sieht ja heute, egal wo man hinschaut, nur noch Koffer im Abwehrzentrum stehen. Und Sie sind dann doch mehr…

…schmal gebaut, das ist halt so.

Welche Anforderungen mussten Sie erfüllen, um auf dieser Position so lange im Profifußball bestehen zu können?

Darüber habe ich mir lange Zeit überhaupt keine Gedanken gemacht. Dadurch, dass ich so bin, wie ich bin, hat sich von Anfang an eine etwas andere Art zu verteidigen ergeben. Ich muss viel aggressiver, viel wacher sein. Ich habe nicht den Luxus, mit dem Oberkörper gegen einen großgewachsenen Stürmer gehen zu können, sondern muss mehr mit den Beinen stechen, um die Bälle unten zu erobern. Das kann aber auch ein Vorteil sein, der eine oder andere Stürmer hat damit  Probleme, weil er es gewohnt ist, oben bearbeitet zu werden. Ich glaube, ich habe da intuitiv relativ viel richtiggemacht, sonst hätte ich mit dem Körper nicht zehn Jahre in der Bundesliga überleben können.

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