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Mainz 05 : Nigel de Jong ist Anführer auf Zeit

Anführer: Nigel de Jong führt gibt bei Mainz 05 schon Kommandos Bild: dpa

Nigel de Jong ist nach nur zwei Spielen der unumstrittene Chef bei Mainz 05. Der Niederländer füllt somit ein Vakuum. Am Sonntag spielt er mit seinem Team bei Bayer Leverkusen und einem Vorgänger auf der Mainzer Kommandobrücke.

          Die Worte würden so schön passen zu einer Geschichte, die das Klischee Nigel de Jongs bedienen möchte. „Wenn der Trainer mich ausgewechselt hätte, dann hätte er jetzt ein Problem“, sagte Nigel de Jong nach dem 3:2-Sieg gegen den VfB Stuttgart am vergangenen Samstag. Der 35 Jahre alte Niederländer sagte die Worte freilich im Spaß. Ein vorzeitiges Dienstende stand nur deshalb im Raum, weil de Jong erst seit gut drei Wochen wieder in einem echten Profifußballer-Rhythmus ist. Vor seinem überraschenden Wechsel zu Mainz 05 hatte der international mit 81 Länderspielen für sein Heimatland und einem verlorenen WM-Endspiel äußerst erfahrene Mittelfeldspieler bei Galatasaray Istanbul fast ein ganzes Jahr lang kaum Spielpraxis sammeln können. De Jong war beim Trainer in Ungnade gefallen. Typisch, könnte man nun denken.

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          Aber in Mainz denken sie vor dem Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen an diesem Sonntag (15.30 Uhr) ganz anders über den Spieler, der durch eine Kickbox-Einlage gegen den Spanier Xabi Alonso im WM-Finale von 2010 weltweit berühmt wurde. „Nigel ist ein Vollprofi, der Verantwortung auf und neben dem Platz übernimmt, vorangeht und auch auf die Mitspieler zugeht“, sagt Sandro Schwarz, einst auf Zweitliganiveau wie de Jong ein Mittelfeldabräumer. „Er ist nicht nur defensiv für uns wichtig, sondern auch im Spielaufbau. Er spielt die Bälle schnell und direkt durch die nächste Abwehrlinie. Selbst wenn dann ein Fehlpass unterläuft, dann kommst du schnell ins Gegenpressing, was wir immer suchen.“

          Baumgartlinger wäre auch eine Option gewesen

          Diese Courage, statt des vermeintlich sicheren Querpasses den Steilpass zu versuchen, mag den Ausschlag gegeben haben, dass der Tabellenfünfzehnte im Januar das bis zum Saisonende befristete Wagnis mit dem in die Jahre gekommenen Niederländer einging für die Rolle eines Anführers auf Zeit anstatt eine andere Lösung zu suchen. Nach Informationen dieser Zeitung war der mit dem Bruchweg bestens vertraute frühere Kapitän Julian Baumgartlinger bereit für eine Rückkehr. Der 30 Jahre alte Österreicher sondierte nach nur vier Startelfeinsätzen für Bayer in der Hinserie den Markt nach einem neuen Klub, der ihm einen langfristigen Vertrag hätte zusichern können. Für Mainz 05, wo der österreichische Nationalmannschaftskapitän eine ähnliche Anführerposition einnahm wie nun de Jong, kam das offensichtlich nicht in Frage.

          Kürzere Haare, gewohnt weite Laufwege: JUlian Baumgartlinger spielt wohl erstmals gegen Mainz 05

          Und so empfängt der mittlerweile zwar mit kürzeren Haaren spielende, aber nach wie vor durch äußerst weite Laufwege bestechende Baumgartlinger nun vermutlich in der Leverkusener Startelf seine früheren Mitspieler und de Jong, nachdem er sich in die Startelf vorgearbeitet und vergangene Woche beim überzeugenden 4:1-Sieg seines Teams nicht nur unermüdlich fast 14 Kilometer gerannt ist, sondern gar sein erstes Tor für Bayer erzielt hatte. Die Beobachter können nun im direkten Duell bewerten, ob sich die Mainzer bei der Verpflichtung des deutlich älteren de Jong richtig entschieden haben. Der Niederländer erreicht aufgrund seines höheren Alters nicht die läuferischen Umfänge Baumgartlingers, aber er rennt, ackert und beißt. Vor allem aber gibt er die Kommandos auf dem Platz und ist somit wohl genau der Spieler, den die oft zu ruhigen und mit sich selbst beschäftigten Mainzer gebraucht haben.

          De Jong hofft zudem darauf, dass ihm gerade das jüngste Spiel die letzten Prozentpunkte an Fitness beschert haben. Beim Spiel gegen Stuttgart biss er sich trotz des schweren Bodens 90 Minuten lang durch. „Solche Spiele brauche ich. Deshalb wollte ich auch nicht raus“, sagte er. Nicht zuletzt mit de Jong verbindet Mainz 05 die Hoffnung, dass die Tristesse in der Fremde ein Ende findet. Seit fast einem Jahr hat der Klub auswärts keine Partie gewonnen. Am 25. Februar 2017 war es freilich just in Leverkusen, dass die Rheinhessen mit einem 2:0-Erfolg wichtige Punkte im Abstiegskampf eingefahren haben, die der Tabellenfünfzehnte auch jetzt gut gebrauchen könnte. Nicht nur deswegen gilt Bayer als Lieblingsgegner. Nirgendwo sonst haben die Rheinhessen mehr Bundesliga-Auswärtssiege erspielt: Vier von bislang elf Spielen endeten zu Gunsten der Mainzer. Und das, obwohl de Jong noch nie dabei war.

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