https://www.faz.net/-gtm-ajvsk

Passivität wird bestraft : Falsche Richtung bei der Eintracht

Am Ende bleibt nichts: Kevin Trapp nach Bellinghams Ausgleich am Boden. Bild: Getty

Der Frankfurter Trainer Glasner moniert die Rückpass-Verteidigung gegen Dortmund. Im Training will er den nächsten Schritt Richtung Spitzenmannschaft machen. Damit die Eintracht kein Kaninchen mehr ist.

          3 Min.

          Ein paar Minuten nach dem für die Eintracht ärgerlichen 2:3 gegen Dortmund hat der Frankfurter Trainer Oliver Glasner am Samstagabend einen Richtungswechsel angekündigt. Ausführen sollen ihn die Eintracht-Profis auf dem Platz bei nächster Gelegenheit. „Wenn wir bei einer 2:1-Führung in der 93. Minute den Ball gewinnen, will ich in Zukunft, dass wir nach vorne spielen und nicht zum Torhüter“, sagte Glasner auf dem Podium in der WM-Arena. Mit seinen Worten verbunden war die deutliche Botschaft an seine Mannschaft, dass er das in der neuen Arbeitswoche „klar ansprechen“ werde. „Ich werde die Jungs nicht in Ruhe lassen. Das ist der nächste Schritt, den wir gehen wollen“, sagte Glasner. In der Rolle des Chefstrategen gab er unmissverständlich den neuen Kurs vor.

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Im ersten Punktspiel des neuen Jahres hatten die Hessen einen Rückschlag erlitten, der aus Sicht ihres Trainers unnötig war. Der mit Blick voraus leicht hätte vermieden werden können. Denn nach zwei Treffern (15. und 24. Minute) von Stürmer Rafael Borré hatten die Frankfurter bereits mit 2:0 geführt. Dem eingewechselten Thorgan Hazard war dann im zweiten Spielabschnitt der Anschlusstreffer zum 1:2 (71.) gelungen. Dieser wurde begünstigt von einem Stockfehler des Frankfurter Abwehrchefs Martin Hinteregger. „Keinen Vorwurf an Martin“, sagte Glasner zwar. Was sich die Eintracht aber vorwerfen müsse, sei, „dass wir zu viel verwaltet, dass wir zu viel zurückgespielt haben auf unseren Torhüter Kevin Trapp. Ab dem 1:2 haben wir nicht Lösungen nach vorne gesucht, sondern nach hinten mit vermeintlichen Sicherheitsbällen auf Trapp.“

          Bundesliga

          In der Gesamtbetrachtung hatte der Trainer den Eindruck, „wir wollten über die Zeit kommen“. Für ihre plötzliche Passivität seien die Frankfurter „bestraft“ worden, gab Glasner zu. „Das sieht man immer wieder: Es war ein bisschen wie das Kaninchen vor der Schlange. Heute hat die Schlange zugebissen.“ Die Dortmunder Jude Bellingham und Mahmoud Dahoud verpassten der Eintracht mit ihren späten Toren zum 2:2 und 3:2 (86. und 89.) den sportlichen K.o. So wurden die Frankfurter doch noch zum gefundenen Fressen für den BVB.

          Bis zum Rückrundenauftakt hatten die Hessen, die am Samstag auf Tabellenplatz fünf hätten springen können, sechs ihrer sieben zurückliegenden Begegnungen gewonnen. Verloren ging davor nur das Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin. Gegen den BVB stehen nun unter dem Strich zwei Misserfolge: Das Hinspiel hatte die Eintracht bereits mit 2:5 abgegeben. „Im Vergleich dazu sind wir aber deutlich näher an den BVB herangerückt“, findet Glasner nach dem zweiten Kräftemessen. Das ändert jedoch nichts daran, dass dessen Bilanz in den Duellen mit Dortmund desaströs ist. Denn das sechste Aufeinandertreffen bedeutete die sechste Niederlage für den 47 Jahre alten Österreicher, der bereits als Trainer des VfL Wolfsburg in vier Fällen jeweils mit dem Spielausgang gehadert hatte.

          Lindström hat es auf dem Fuß

          „Wir haben viele Spiele in letzter Sekunde gedreht. Heute war es mal umgekehrt“, ärgerte sich Frankfurts Außenbahnspieler Timothy Chandler. Auch in Markus Krösche fand der 31 Jahre alte Profi einen Leidensgenossen. Der Sportvorstand, der den Wechsel des in Frankfurt unzufrieden gewesenen 17 Jahre alten Spaniers Fabio Blanco zum FC Barcelona am Samstag über die Bühne brachte, beklagte wie Glasner die „zu defensive Denkweise“ der Mannschaft nach der vielversprechenden 2:0-Führung. „Dann lädst du den Gegner zum Pressen ein. Wir konnten als Mannschaft am Ende keine Entlastung mehr schaffen, dadurch ist der BVB immer stärker geworden“, sagte Krösche. „Einen solch spielstarken Gegner musst du zum Verteidigen zwingen.“

          So ein Ärger: Die Eintracht verpasst gegen Dortmund die Chance zum Sieg.
          So ein Ärger: Die Eintracht verpasst gegen Dortmund die Chance zum Sieg. : Bild: EPA

          Die Eintracht wählte aber nicht nur die falsche Marschrichtung. Krösche konstatierte außerdem ein „Nachlassen der Kräfte“ bei den Frankfurtern, weil es „ein sehr intensives Spiel“ gewesen sei. „Am Ende ging uns ein bisschen die Puste aus“, sagte Kapitän Sebastian Rode. Dauerläufer und Führungsspieler Djibril Sow hatte nicht aktiv teilnehmen können, bestand beim Schweizer Nationalspieler doch der Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion. Die Testergebnisse hätten bei Sow „kein eindeutiges Bild ergeben. Aus Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Spieler wurde Sow in Absprache mit dem Gesundheitsamt nicht in den Kader aufgenommen“, teilte die Eintracht am Samstag vor der Partie mit. Das Gleiche galt schließlich für die Profis Almamy Touré und Erik Durm, die vor dem Erstligaauftakt im Jahr 2022 ebenfalls in die Kategorie Verdachtsfälle fielen.

          Den umgekehrten Weg schlug im Hin und Her zur Überraschung vieler Jesper Lindström ein. Sein von der Eintracht angekündigter Ausfall bewahrheitete sich nicht, der 21 Jahre alte Däne konnte sich nämlich rechtzeitig frei testen. Lindström bot sich bei seiner Mitarbeit im „absoluten Spitzenspiel“ (Glasner) zweimal die Chance aufs 3:0 – kurz nach der Halbzeitpause tauchte er frei vor BVB-Torhüter Gregor Kobel auf, nachdem er Nationalspieler Emre Can sehenswert getunnelt hatte. Doch an Kobel scheiterte Lindström vor 250 Zuschauern. „Jesper hat den Ball nicht sauber getroffen“, sagte sein Trainer und machte dem Dänen keinen Vorwurf. Das Zustandekommen der fünften Saisonniederlage im 18. Spiel bezeichnete Glasner als „sehr hart. Du musst aber manchmal einen harten Nackenschlag hinnehmen, um den nächsten Schritt nach vorne gehen zu können“. Der Blick des Trainers ist nach vorne gerichtet: Eine allzu zurückhaltende Eintracht-Mannschaft, die nur ihren Vorsprung verwaltet, will er in Zukunft nicht mehr sehen.

          Weitere Themen

          Einreise nur mit zwei negativen PCR-Tests Video-Seite öffnen

          Olympische-Spiele in China : Einreise nur mit zwei negativen PCR-Tests

          Kurz vor Beginn der Olympischen Winterspiele versucht China die Ausbreitung von Corona-Fällen mit strikten Maßnahmen zu verhindern. 72 Corona-Infektionen im Zusammenhang mit den Spielen wurden bereits bestätigt. Die breite chinesische Öffentlichkeit wurden vom Kauf der Tickets ausgeschlossen.

          Topmeldungen

          Der russische Präsident Wladimir Putin beobachtet im September 2019 eine Militärübung.

          Ukraine-Konflikt : Was will Putin wirklich?

          Mit seinem Truppenaufmarsch befördert Russland, was es angeblich verhindern will: dass die NATO ihre Ostflanke verstärkt und der Westen Waffen an die Ukraine liefert.
          Am Tatort: Spurensicherung

          Amoklauf in Heidelberg : Im Hörsaal getötet

          Ein Student dringt mit mehreren Waffen in einen Hörsaal ein, und eröffnet das Feuer. Eine Frau stirbt nach einem Kopfschuss. Hinter dem Angriff soll eine Beziehungstat stecken.
          Hauptsache dagegen: Mehr als Zweitausend Impfgegner, Coronaleugner und Querdenker demonstrieren in der Innenstadt von Frankfurt am Main gegen die Corona-Maßnahmen.

          Corona-Proteste : Wo bleibt der Widerspruch?

          Seit Wochen bestimmen die Aufmärsche der „Querdenker“ die Bilder und Nachrichten. Dabei kann die große Mehrheit mit der Radikalopposition der Bewegung nichts anfangen. Warum sind die Besonnenen und Vernünftigen im Moment so still?