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„Die Lage ist ernst“ : Eintracht grübelt über den Ist-Zustand

  • -Aktualisiert am

Ärger über eine vergebene Chance: Frankfurts Simon Falette Bild: dpa

Matt, erschöpft und uninspiriert: Die Eintracht ist in der Tabelle tief gefallen. So mancher Spieler will davon aber nichts wissen. Sportvorstand Fredi Bobic mahnt, in der momentanen Situation „helfen nur Taten und keine Worte“.

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          Am Ende hatte auch die Eintracht-Variante der „Fridays-for-Future“-Aktionen nicht geholfen. Auch der freie Tag am Freitag machte die zuletzt so müden Profis des Tabellendreizehnten der Fußball-Bundesliga nicht munter. Der von Trainer Adi Hütter mit seiner vorweihnachtlichen Spendabilität erhoffte Effekt der zurückgewonnenen „geistigen Frische“ blieb am Sonntag aus. Beim Tabellenletzten SC Paderborn setzte es mit dem 1:2 die sechste Niederlage aus den vergangenen sieben sieglosen Spielen. Eine Horror-Zwischenbilanz für die an den Rand der Abstiegszone abgerutschten Frankfurter, die am Montag in ihren zehntägigen Winterurlaub entschwanden. Ohne das erhoffte Erfolgserlebnis zum sportlichen Jahresabschluss und Kehraus der Bundesliga-Hinrunde.

          Bundesliga

          Der vorerst letzte Auftritt des Teams alarmierte die Verantwortlichen des Klubs, die wie alle Fans der Hessen noch am 2. November geschwärmt und geschwelgt hatten, als ihre Mannschaft den deutschen Meister Bayern München beim 5:1-Triumph auseinandergenommen hatte. Lang ist‘s her. Um so betrübter schaute auch Fredi Bobic, der Sportvorstand der SGE, zurück auf das, was vor ein paar Wochen möglich schien und inzwischen fast unerreichbar scheint. „In der Phase, als wir eine tolle Ausgangsposition hatten, haben wir uns alles kaputt gemacht“, sagte Bobic, der die Gelegenheit im Bauch der kleinsten Bundesliga-Arena nutzte, um ein paar deutliche Worte zum Sonntag zu sprechen. Das tat er gegenüber den Fernsehsendern, gegenüber den Journalisten der Printmedien und gegenüber der Mannschaft, die er in der Kabine nach Spielschluss aufsuchte.

          Mit einer Weihnachtsansprache hatte das, was der 48 Jahre alte frühere Mittelstürmer und Nationalspieler zu verkünden hatte, wenig zu tun. Bobic ging es vor allem darum, die Sinne zu schärfen, auf dass die Mannschaft vom Trainingsbeginn am 2. Januar an, aufs Neue angreife und nicht wie zuletzt in Paderborn matt, erschöpft und uninspiriert daherkomme. Beim Blick zurück mit ein wenig Zorn sagte Bobic: „Es war in den letzten Wochen ein Tick zu wenig, teilweise selbst verschuldet. Wir haben da nicht unser Spiel gezeigt. Das habe ich den Jungs gerade mitgeteilt.“ Beim Blick auf die Tabelle riet Bobic dringend dazu, die Situation anzunehmen und nicht etwa schönfärberisch zu übermalen. „Wir müssen uns jetzt erst mal rauskämpfen aus diesen Gefilden. Da helfen nur Taten und keine Worte.“

          Mammutprogramm und Handikaps

          Auf der einen Seite musste Eintracht Frankfurt einen Mammutparcours von 56 Pflichtspielen allein in diesem Kalenderjahr hinter sich bringen und dazu auf viele verletzte oder gesperrte Stammgrößen wie die Torhüter Trapp und seit kurzem Rönnow, den bis Jahresende gesperrten Kapitän Abraham und kurzfristig in Paderborn auf die Anführer Rode und Hinteregger verzichten; auf der anderen Seite war die Neigung des einen oder anderen Profis auch ein wenig zu groß, sich von diesen Handikaps im eigenen Handeln leiten zu lassen. Den Widerstandsgeist, den Strapazen einer mit 26 Spielen überladenen Hinrunde zu trotzen, brachte das noch immer in Meisterschaft, DFB-Pokal und Europa League geforderte Team zuletzt nicht mehr auf. Zur jüngsten Niederlage in Paderborn gegen einen enorm lauffreudigen und couragierten Aufsteiger merkte Bobic kritisch an: „Wir haben es uns selber eingebrockt und den Kampf nicht angenommen.“

          Die fatale Wechselwirkung zwischen schlechten Ergebnissen und dadurch wachsender Anfälligkeit für weitere Misserfolge sah auch Bobic, merkte aber, früher selbst ein Vorkämpfer beim VfB Stuttgart, kritisch an: „Die Jungs waren zu schnell mit den Köpfen unten.“ Lediglich den unermüdlichen serbischen Linksaußen Filip Kostic entließ er aus seiner Pauschalkritik, da er „für drei gerannt“ sei. Allerdings verursachte Kostic mit einem Foul ohne Not den Freistoß, den Pröger ausführte und Schonlau mit dem Kopfball zum 2:0 veredelte (41. Minunte), nachdem zuvor der in Frankfurt aufgewachsene Sabiri (9.) die Ostwestfalen mit einem künstlerisch wertvollen Treffer in Führung gebracht hatte. Vor allem in den Minuten kurz nach der Pause war der SC Paderborn drauf und dran, der taumelnden Eintracht uneinholbar voraus zu sein. Lediglich der Übereifer der Ostwestfalen vor dem Tor verhinderte weitere Treffer und brachte die Eintracht noch einmal zurück ins Spiel. Dosts Anschlusstreffer (72.) änderte aber nichts mehr an den Verhältnissen und der Erkenntnis, die Trainer Adi Hütter danach in vier Worte fasste: „Die Lage ist ernst.“

          Nicht-Abstiegskampf also? Davon wollte der Fußballästhet Mijat Gacinovic nichts wissen. „Wir wissen, wie gut wir sind“, hob er hervor, „wir müssen es nur wieder zeigen.“ Wenn das so einfach wäre. Viel selbstkritischer beurteilte der erfahrene Profi Makoto Hasebe die Lage der Eintracht. „In den letzten sechs, sieben Wochen haben wir zu wenig gemacht. Natürlich ist eine gewisse Müdigkeit da. Trotzdem sind wir zu wenig konsequent. Leidenschaft, Zweikampfverhalten – das war alles zu wenig.“

          Wenn die Spieler demnächst an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, ist tatsächlich geistige Frische gefragt – aber ohne die am Sonntag noch mit guten Argumenten gestellte Gegenfrage, woher nehmen?

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