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Neuzugang Lars Lukas Mai : Auf der Durchreise in Darmstadt

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Spielstark und laufstark: Lars Lukas Mai ist nun bei Darmstadt 98. Bild: Florian Ulrich/Jan Huebner

Einen Neuzugang vom FC Bayern hat der SV Darmstadt 98 auch nicht alle Tage. Lars Lukas Mai kommt aus München und soll die „Lilien“ stabilisieren. Seine persönlichen Ziele aber sind längst größer.

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          Er weiß aus hautnaher Erfahrung, wie es ist, wenn Robert Lewandowski zum Torabschluss ansetzt. Oder wenn Wirbelwinde wie Serge Gnabry oder Kingsley Coman dribbelnd Tempo aufnehmen. Lars Lukas Mai hat mehr als zwei Jahre lang den Fußballbetrieb der Großen beim FC Bayern erlebt. Meist als teilnehmender Beobachter im Training, zweimal aber auch als Mitspieler auf der großen Bühne. Als der damalige Cheftrainer Jupp Heynckes ihm damals, im April 2018, eröffnete, „dass ich mein Bundesligadebüt geben werde, war mein Kopf regelrecht leer“, erzählt Mai: „Auf dem Platz war es dann ein einmaliges Gefühl.“

          2. Bundesliga

          Zwei tadellose Bundesligapartien – eine davon gegen die Frankfurter Eintracht – in der Bayern-Innenverteidigung, später war Heynckes voll des Lobes über das damals gerade erst 18 Jahre alt gewordene Eigengewächs. Sein Nebenmann in der Verteidigung, Niklas Süle, sagte über Mai: „Er ist wirklich ein Toptalent.“ Schon wurde der gebürtige Dresdner als Kronprinz von Süle, Boateng und Co. gehandelt.

          Doch aus heutiger Sicht blieb es für Mai bei einem zwar elektrisierenden, aber nur kurzen Schnupperkurs erster Klasse. Heynckes’ Nachfolger Kovac und Flick setzten über den Trainingsbetrieb hinaus nicht auf die Dienste von Mai. Dennoch schätzt sich der SV Darmstadt 98, der am Samstag ein Testspiel bei Zweitliga-Absteiger SV Wehen Wiesbaden 1:2 verlor, glücklich, dass sie den heute 20-Jährigen nun leihweise für eine Saison in ihrem Zweitligakader wissen. Und empfinden es als wohliges Zeichen, dass der FC Bayern den „Lilien“ eines seiner Toptalente quasi anvertraut.

          „Ich will mich in Darmstadt beweisen. Es kann ein Sprungbrett sein dafür, dass ich eines Tages höher spielen kann. Aber zunächst habe ich das klare Ziel, hier Stamm-Innenverteidiger zu sein. Und ich habe das Selbstbewusstsein, dass ich das schaffen kann“, sagt Mai, den alle nur „Lasse“ nennen. Der einstige Juniorennationalspieler (2016 bis 2020) hat von Tag eins seiner Darmstädter Mission an deutlich gemacht, dass er nicht nur zum Lernen, sondern zum sofortigen Helfen nach Südhessen gekommen ist. Er selbst beschreibt sich als „spielstark, zweikampfstark, lautstark“. Der neue Trainer Markus Anfang sagt: „Lasse ist ein Leadertyp, obwohl er noch ein junger Kerl ist. Er bringt gute Voraussetzungen mit und ist ein Spieler, der Verantwortung übernehmen will.“

          Warum Darmstadt, warum jetzt? „Die Gespräche mit dem Trainer haben mir imponiert. Er hat mir seine Spielidee aufgezeigt“, erzählt Mai. Dabei habe Anfang ihm Videos vorgeführt von Szenen, die des Trainers Spielidee verdeutlichen, und Video-Szenen von ihm selbst. Und danach sei ihm klargeworden, dass man zusammenpasse. „Das Schöne ist: Er will Fußball spielen lassen – und das möchte ich auch“, so Mai, der sich um einen Posten in der Innenverteidigung intern mit den gestandenen Zweitligaprofis Immanuel Höhn und Nicolai Rapp auseinandersetzen muss. Bei den Bayern haben sie Mais Vertrag unlängst bis Juni 2023 verlängert. Es ist nicht unwahrscheinlich für Sprosse von Topklubs, dass ihnen eine Odyssee von Leihgeschäften bevorsteht, bis sie fußballerisch flügge sind. Die Bayern-Zentrale an der Säbener Straße bleibt aber Mais Fixpunkt. Sein Ziel: eines Tages Stammspieler des Rekordmeisters sein.

          „Darmstadt 98 ist ein Traditionsverein, und es wird registriert, dass Spieler bei uns den nächsten Schritt gehen können“, sagt Anfang: „Unsere Infrastruktur und unsere Rahmenbedingungen lassen es zu, dass sich junge Spieler weiterentwickeln können.“ Wie sich Fußball aus einem Guss anfühlt, durfte Mai in der vergangenen Saison erleben. Er war Teil der Bayern-Zweitvertretung, die dank einer beeindruckenden Rückrunde zum Meistertitel in der dritten Liga durchstartete. Zwischen seinem einstigen, nun nach Hoffenheim gewechselten Trainer Sebastian Hoeneß und „Lilien“-Trainer Anfang sieht er vom Spielansatz durchaus Parallelen.

          „Da kann ich viel lernen und mitnehmen“

          Das fußballerische Rüstzeug hat er fraglos, in Darmstadt soll die nötige Härte und Robustheit dazukommen. „In einer jungen Mannschaft wie Bayern II wird fast alles spielerisch gelöst, weniger mit Härte. In dieser Hinsicht kommt es mir entgegen, jetzt in einer gestandenen Männermannschaft zu sein. Da kann ich viel lernen und mitnehmen für meine Entwicklung“, sagt Mai, der dem Fußball zuliebe mit 14 Jahren zu Hause auszog gen München und nun mit 20 gemeinsam mit seiner Freundin eine Wohnung in Darmstadt bezogen hat. Unwahrscheinlich, dass das Mietverhältnis länger als ein Jahr dauern wird. Denn Lars Lukas Mai will schnell und weit nach oben – daran lässt er keinen Zweifel. Wer einmal mit Lewandowski, Gnabry und Co. gekickt hat, möchte das wieder tun.

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