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Mainz 05 : Mehr als eine närrische Attacke

Überlebensgroß: Mainz-05-Präsident Harald Strutz ist Thema der Mainzer Fastnachter Bild: Cornelia Sick

Es wird ungemütlicher für Harald Strutz und Mainz 05: Ein Sponsor kündigt wegen des Präsidenten. Der Rechnungshof rügt die Tätigkeit für den Sportbund. Zudem gibt es Spott an Fastnacht.

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          Hoch oben unter dem Dach des Stadions herrscht nach den Heimspielen von Mainz 05 stets beste Stimmung. Dort ist die „Disco-Loge“ angesiedelt, die der Sponsor Pentahotels im obersten Eck der beiden Logenbänder eingerichtet hat. Zwei benachbarte Logen wurden dafür angemietet und eigens eingerichtet mit Musikanlage und Lichteffekten. Die Atmosphäre ist so anziehend, dass auch der Sohn des Präsidenten des Fußball-Bundesligaklubs die Loge so attraktiv fand, dass sein Vater ihm dort im August 2015 eine Feier zum 30. Geburtstag ermöglichte – in Absprache mit der für Pentahotels tätigen Werbeagentur, der ein kleiner Teil der Räumlichkeit gehört, wie Strutz sagt. „Ich habe auch von Anfang an angeboten, eine Miete zu entrichten, was Agenturchef Andreas Petry dankend abgelehnt hat“, sagt der Präsident unter Verweis auf einen Email-Verkehr mit Petry.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dennoch scheint seit jener Feier die Beziehung zwischen Präsident und Sponsor abgekühlt, Pentahotels fühlte sich jedenfalls nicht ordnungsgemäß um den Gefallen gebeten. Am 16. Januar zog die Hotelkette nun einen Schlussstrich: Nach acht Jahren Partnerschaft mit dem Klub beendet das Unternehmen zum Saisonende sein Engagement, das über die Logen hinaus einige weitere Leistungen beinhaltete, die einen Gesamtwert von rund 200.000 Euro umfassen. „Die Gruppe der Pentahotels hat das Engagement zum Saisonende gekündigt, da wir anhaltend negative Rückmeldungen aus unserem Geschäftskundenumfeld in Zusammenhang mit der Vereinsführung erhalten haben und es zu mehreren Situationen gerade mit Präsident Harald Strutz kam, in denen wir uns als langjähriger Sponsor nicht angemessen behandelt gefühlt haben“, sagt ein Sprecher des Unternehmens.

          Strutz ist verwundert

          Strutz reagiert höchst verwundert darauf, dass Pentahotels sich nun in der Öffentlichkeit derart äußert, nachdem das Unternehmen nach der Kündigung abgelehnt habe, in einem persönlichen Gespräch die Unstimmigkeiten aus der Welt zu räumen. Er dementiert, jemals negativ über den Sponsor gesprochen zu haben.

          Pentahotels will seine Kündigung dezidiert als Kritik an der Führung des Klubs verstanden wissen und bewusst öffentlich äußern, nachdem in der Debatte rund um Strutz, die im vergangenen Frühjahr ausgelöst wurde durch das Bekanntwerden der stattlichen Aufwandsentschädigung und des mit 14.000 Euro monatlich entlohnten Beratervertrags zuletzt viele Gerüchte im Umlauf gewesen seien.

          „Wir haben dem Verein bereits mit der Kündigung signalisiert, unter einer neuen Führung unser Engagement wieder in alter Form und mit selbigem Umfang aufzunehmen. Das Engagement war für uns immer auch eine Herzensangelegenheit“, sagt Pentahotels nun. Dem Unternehmen falle die Kündigung besonders schwer, da es unter den Entscheidern einige glühende Anhänger von Mainz 05 gebe, die sich seit jeher trotz des Unternehmenssitzes Frankfurt für ein Engagement in Mainz und gegen den „logischen Partner“ Eintracht Frankfurt entschieden hätten.

          Merkwürdig in diesem Zusammenhang: Strutz hatte im Gespräch mit dieser Zeitung noch am 20. Januar und somit vier Tage nach der Kündigung behauptet, dass sich kein Sponsor ihm gegenüber kritisch geäußert habe und er deshalb keinen Anlass sehe für Spekulationen bezüglich eines wirtschaftlichen Schadens für den Klub durch die Unruhe um seine Person.

          Echter Mainzer: Wenigstens über seinen überlebensgroßen Fastnachtsauftritt kann Harald Strutz nach eigenem Bekunden noch lachen

          Pentahotels ist nicht der einzige Sponsor, der unzufrieden ist mit Mainz 05. Peter Mrosik, geschäftsführender Gesellschafter des Hauptsponsors Kömmerling, sagt, dass sein Unternehmen sehr besorgt sei wegen der vielen negativen Schlagzeilen, da der Hersteller von Fenstern eigentlich von den hohen Sympathiewerten und dem Ruf des energieeffizienten Klubs profitieren will. Mrosik will kein weiteres Öl ins Feuer gießen, setzt aber den Vereinsvorstand indirekt unter Druck. „Wir vertrauen darauf, dass die Gremien von Mainz 05 zu einer Lösung finden werden, die die beste Option für den Verein darstellt“, sagt er.

          Motivwagen an Rosenmontag

          Für Strutz kommen in diesen Tagen weitere Unannehmlichkeiten hinzu. Der Landesrechnungshof hat nach einem Bericht des SWR im Rahmen einer Prüfung des Landessportbundes auch die Beschäftigung von Strutz als Verbandsjustiziar gerügt, die dem Rechtsanwalt bis zum vergangenen Jahr jährlich rund 30.000 Euro an Einnahmen bescherte, ohne dass der Rechnungshof entsprechende Tätigkeiten habe feststellen können. Diese Rüge belastet den Sportbund wegen möglichen unsachgemäßen Umgangs mit Steuergeldern mehr als Strutz, der sich als ehemaliger Mitarbeiter zur Sache nach eigenen Worten gar nicht äußern dürfe.

          Zu allem Überfluss ist Strutz nun auch noch der Spott der Narren sicher: Nachdem der Präsident in früheren Jahren in der Uniform der traditionsreichen Mainzer Prinzengarde höchstselbst beim Rosenmontagszug durch die Straßen von Mainz marschierte, muss er in diesem Jahr erst gar nicht die Stiefel anlegen, um Präsenz zu zeigen.

          Der Mainzer Carneval-Verein hat als Organisator des närrischen Zugs Strutz einen jener mit großem Aufwand gestalteten Motivwagen gewidmet, die mit närrischem Sarkasmus weltpolitische und lokale Themen aufs Korn nehmen. „Mainz (k)lebt auf seinen Plätzen“ lautet das Motto des Wagens, dazu dichten die Fastnachter „Ein System, intransparent/ nutzte Strutz als Präsident./ Ehrenamtlich zwar gewählt/ doch nur der eigne Vorteil zählt.“

          Sollte die Mannschaft von Mainz 05 wie beabsichtigt am Rosenmontag mit zumindest einigen Spielern auf einem Wagen durch die Straßen ziehen, so würden sie mit Zugnummer 53 Geleitschutz bieten für den direkt folgenden Strutz-Motivwagen, ein für den Verein etwas peinlicher Doppelpass. Die närrische Attacke nimmt Strutz als alter Fastnachter aber recht gelassen. „Mein Gesicht ist gut getroffen“, sagt er. „Jetzt fahre ich eben mal überlebensgroß durch die Stadt. Als Mainzer muss ich akzeptieren, was auch Politiker erdulden müssen.“

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