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Julian Nagelsmann : Der Schüler-Chef in Hoffenheim

Er ist ein Taktiker mit Leib und Seele: Bleibt die Frage, ob Julian Nagelsmann auch Feuerwehrmann kann. Bild: firo Sportphoto

Er ist mit 28 Jahren der jüngste Trainer der Bundesliga-Geschichte. Die Aufgabe bei der TSG Hoffenheim könnte schwerer kaum sein. Das Debüt gelingt mit dem 1:1 in Bremen ordentlich. „Es war ein tolles Erlebnis.“

          „Ein Lausbub“, hatte Julian Nagelsmann am Freitag gesagt, „ist per se nichts Schlechtes.“ Jeder, so fügte er hinzu, solle sich etwas davon beibehalten - auch im höheren Alter. Das war nur einer von vielen kessen Sätzen, mit denen der erst 28 Jahre alte Nagelsmann Eindruck machte bei seiner Vorstellung bei der TSG Hoffenheim. Aussagen, die sich wohlgemerkt nicht auf ihn persönlich beschränkten, den nun jüngsten Cheftrainer der Bundesliga-Geschichte. Sondern auch auf die Art und Weise, wie er Fußball spielen lassen will. Angriffslustig in den Abstiegskampf - das war gewissermaßen das Motto, das er schon für den Samstag ausgegeben hatte. Als er seine ersten 90 Praxisminuten als Trainer der TSG hinter sich hatte, konnte er zumindest halbwegs zufrieden sein.

          Der Punkt, den die Hoffenheimer beim 1:1 aus Bremen mitnahmen, war aller Ehren wert. Andrej Kramaric hatte Nagelsmanns Team früh in Führung gebracht (10. Minute), doch Papy Djilobodji (13.) glich schon kurz danach für Werder aus. Nach flottem Start ließ die Partie spielerisch stark nach, Werder war dem Sieg allerdings näher. Was auf Hoffenheimer Seite vor allem Mut machte, war die Leidenschaft, mit der das Team auf die Gelb-Rote Karte gegen den Torschützen Kramaric reagierte (77.) - alles in allem blieben dazu ein paar hoffnungsvolle Ansätze, aber auch noch viel Arbeit für die TSG und ihren Schüler-Chef. „Ich habe mich mehr auf Fußball und Leistung konzentriert als um das Drumherum. Aber es war trotzdem ein tolles Erlebnis“, sagte Nagelsmann nach seinem Debüt.

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          Es ist ein ziemliches Wagnis, das die Hoffenheimer eingegangen sind, um den ersten Abstieg aus der Bundesliga noch zu verhindern. Einen Achtundzwanzigjährigen, der noch in den Prüfungen zum Fußball-Lehrer steckt, in höchster Not zum Chef zu bestellen, das hat noch kein Klub in der Bundesliga je gewagt. Nun könnte man sagen: für neue, mitunter ungewöhnliche Wege sind die Kraichgauer ja bekannt. Andererseits aber auch für grandiose Fehleinschätzungen und -entscheidungen. Fachlich genießt Nagelsmann höchste Wertschätzung, nicht nur innerhalb der TSG, mit deren A-Jugend er zweimal nacheinander das deutsche Endspiel erreicht hat. Ein Taktiker mit Leib und Seele. Aber kann er auch Feuerwehrmann?

          Rappelvoll war es am Freitag im Presseraum der TSG in Zuzenhausen. Und all diejenigen, die ihn noch nicht besonders gut kannten, die meisten also, waren gespannt, ob dieser Nagelsmann nicht nur den Posten ausfüllen, sondern auch wirklich das Format besitzen würde, so jung an Jahren eine Mannschaft von abgekochten Profis anzuleiten. Hinterher gab es niemanden, der nicht ein besseres Gefühl gehabt hatte als vorher. Nagelsmann kam weder als staunender Neuling daher noch als altkluger Streber, für den man ihn ja auch hatte halten können angesichts einer Vita, die ihn so unvergleichlich früh in diese Position geführt hatte. Sondern als selbstbewusster Trainer, der auf ziemlich selbstverständliche Art und Weise Wert darauf legte, dass es nicht um Alter, sondern um Arbeit gehe. Und die sei im Prinzip bei allen Bundesligatrainern gleich.

          Darüber könnte man indes streiten. Und ganz bestimmt ist die Ausgangslage für Nagelsmann eine andere, als wenn er - wie geplant - erst zur neuen Saison als Nachfolger von Huub Stevens angefangen hätte. Aber eines war schnell klar: Nichts läge Nagelsmann ferner, als die Herausforderung Bundesliga von einem möglichen Scheitern her zu betrachten. Ob er nach Stevens’ Rücktritt lange gebraucht habe, die Entscheidung für den Job zu treffen, wurde er am Freitag gefragt.

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