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Trennung von Trainer Schwarz : Mainzer Weg wird zur Sackgasse

Sandro Schwarz wurde als Trainer bei Mainz 05 entlassen Bild: dpa

Der FSV Mainz 05 erlebt derzeit einen Tiefpunkt nach dem nächsten. Auf das 0:8 von Leipzig folgt eine Heimniederlage gegen Aufsteiger Union Berlin. Nun muss Trainer Sandro Schwarz gehen.

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          Union Berlin wird für Sandro Schwarz wohl auf ewig mit den zwei bittersten Niederlagen seines Fußballerlebens verbunden bleiben. Zu seiner Spielerzeit zerstörte Union einst 2002 am letzten Spieltag den Traum des heute 41 Jahre alten Trainers von einem Bundesligaaufstieg, Schwarz wurde zudem wie seine Mitspieler und sein Trainer Jürgen Klopp von den gegnerischen Fans mit Hohn undSpott bedacht. Am Samstag nun endete gegen den selben Gegner die Zeit als Trainer seines Herzensklubs Mainz 05, bei dem Schwarz in der Jugend ausgebildet und zum Profi wurde, ehe er später auch seinen Werdegang als Trainer im Nachwuchbsereich begann: Nach der 2:3-Niederlage gegen Union nach einem Eigentor von Daniel Brosinski (30.), sowie zwei Kopfballtreffern von Sebastian Andersson (45+2.)/ 51.) und einem allzu späten Aufbäumen mit Ehrentreffern durch Karim Onisiwo (81.) und Brosinski (90+4.) war Schwarz vom Klub nicht mehr zu halten.

          Bundesliga
          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie in der Vorwoche bei der 0:8-Niederlage in Leipzig hatte sich die Mannschaft desaströs präsentiert. Statt der von Schwarz angekündigten Entschuldigung für Leipzig in Form eines beherzten Auftritts gab sein Team einen Offenbarungseid ab. Das Publikum äußerte schon beim Pausengang mit Pfiffen seinen Protest, ehe es aus Trotz nach dem 0:3 die Unterstützung gänzlich verwehrte. Nach dem Abpfiff kam es gar zu kleinen Rangeleien hinter dem Tor, wo sich einige wenige über die Absperrungen gekletterte Fans gegenüber den Spielern Luft verschaffen wollten. Solche Szenen kennt man in Mainz nicht, sie haben zur schnellen Entscheidung der Vereinsführung beigetragen, wie Sportvorstand Rouven Schröder am Sonntagnachmittag eingestand. „Wir müssen als Verein bedenken, dass der Verein über allem steht. Wenn die Überzeugung nicht mehr da ist, dann muss man die Konsequenzen ziehen“, sagte er.

          Erst vierte Entlassung seit 2001

          Für den Verein ist es erst die vierte Trainerentlassung seit dem Dienstantritt von Jürgen Klopp im Jahr 2001, mit dem die besondere Mainzer Geschichte mit der Entdeckung von Trainertalenten wie Klopp, Thomas Tuchel oder Martin Schmidt und Schwarz im eigenen Klub begonnen hatte. Noch nie zuvor musste ein zuvor im eigenen Klub herangezogener Coach während einer Saison gehen. Der Mainzer Weg, mit Trainerpersonalien anders umzugehen als andere Klubs und der Traum von einer besonderen Identität durch Trainereigengewächse, endet somit erstmals in einer Sackgasse.

          Am Sonntagvormittag entschieden sich der Vorstandsvorsitzende Stefan Hofmann und Sportvorstand Rouven Schröder nach einer Krisensitzung mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Detlev Höhne zur Trennung von Schwarz, der am Morgen schon nicht mehr wie üblich das Training geleitet hatte. „Es ist eine einvernehmliche Trennung. Sandro hat nicht vermittelt, dass er die Entscheidung nicht verstehen kann“, sagte Schröder. Er betonte, dass das Verhältnis zwischen dem Trainer, dessen Vertrag im Februar frühzeitig bis zum 1. Juli 2022 verlängert worden war, und Mannschaft intakt gewesen sei. Schwarz habe sich entsprechend von der Mannschaft verabschiedet. „Da saß keiner in der Kabine, den das nicht mitgenommen hat“, sagte Schröder. „Sandro hat diesen Verein immer im Blick. Er hat diesen Verein geliebt und gelebt, er hat seine Spieler geliebt und gelebt.“ Schwarz selbst wollte am Sonntag nichts sagen. Am Samstagabend hatte Schwarz aber bei seiner letzten Pressekonferenz bereits vielsagend mitgeteilt, dass er die Mechanismen der Branche nicht fürchte. „Das ist nichts Personenbezogenes. Es geht um den Klub und die Mannschaft“, sagte er.

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