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Unklare Zukunft nach Hoeneß : Wie es beim FC Bayern nun weitergehen muss

Zwei, die es künftig wohl richten müssen: Hasan Salihamidzic (links) und Oliver Kahn bei der Abschiedsgala in München Bild: dpa

Ob der Status der bajuwarischen Fußballweltmarke nicht nur erhalten, sondern auch ausgebaut wird, liegt nicht mehr in den Händen von Uli Hoeneß. Doch es stellen sich sechs fundamentale Fragen.

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          Mit dem Ende der Ära Uli Hoeneß wird das von den Münchner Granden beschworene Leitbild der Bayern-Familie nicht zerfallen – erst einmal. Der Patriarch redet bestimmt weiterhin vom Ruhesitz am Tegernsee aus in der Vereinspolitik mit, wird die Aktiengesellschaft doch de facto wie ein Familienunternehmen geführt, welches von ihm Jahrzehnte autoritär gesteuert wurde.

          Hinzu kommt: Als neuer Aufsichtsratsvorsitzender der AG und Klubpräsident fungiert der ehemalige Adidas-Chef Herbert Hainer – ein enger Vertrauter von Hoeneß. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, in wichtigen Fragen nicht immer einer Meinung mit dem Patron und selbst eine mächtige Figur auch im internationalen Fußballgeschäft, hat sich immer dem Geist seines langjährigen Wegbegleiters verpflichtet gefühlt. So zu verstehen ist auch die Nachfolgeregelung mit Oliver Kahn für die Spitze der AG. Der einstige Welttorhüter soll im Jahr 2022 Rummenigge als Vorstandschef ablösen. Hoeneß hat zudem dafür gesorgt, dass Hasan Salihamidzic jetzt als Sportverantwortlicher noch in die Chefetage befördert wird.

          Unabhängig davon, wie die übermächtigen Vorgänger noch eine Zeitlang ihren Einfluss geltend machen könnten, liegt es mittelfristig an der neuen Führungsgeneration des FC Bayern, ob sie Status und Attraktivität der bajuwarischen Fußballweltmarke nicht nur erhalten, sondern ausbauen kann. Das ist notwendig, um an der Spitze mit den europäischen Topklubs mithalten zu können. Dafür müssen die neuen Chefs sich nicht nur untereinander verstehen, sondern eine schlagkräftige Strategie entwickeln.

          Der FC Bayern ist derzeit ein finanziell potenter Verein und gehört zu den vier umsatzstärksten Klubs der Welt. Doch einige Jahre schon fehlt der sportliche Erfolg in der Champions League. Das internationale Fußball-Business ist komplex geworden. Es stellen sich fundamentale Fragen: Fließt das Fernsehgeld als zentrale Einnahmequelle weiterhin so üppig? Werden sich die Topklubs vielleicht abkoppeln von ihren Heimatligen und dann eine eigene Superliga gründen? Drängen milliardenschwere Investoren ins Geschäft und lösen die Verbände als Dachorganisationen ab? Hält die Bundesliga Anschluss und bleibt auch für den FC Bayern finanziell attraktiv genug? Erlahmt irgendwann die Wirtschaftskraft der Fußballbranche? Was passiert dann?

          In den Hinterzimmern denken einflussreiche Fußballmanager von Großklubs mit Geschäftemachern aus Asien und Amerika seit einiger Zeit darüber nach, wie der Weg des anhaltenden Wachstums gesichert werden könnte. Die vielen Anforderungen und Fehlermöglichkeiten erhöhen den Druck auf das Management des FC Bayern. Die Klubchefs müssen nicht nur für beste sportliche Unterhaltung ihres Publikums sorgen und gut wirtschaften. Sie sollten auch weiterhin dort mitmischen können, wo die Entscheidungen über die Zukunft des Fußballgeschäfts fallen. Die kleine Bayern-Familie muss dafür groß denken können.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

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