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Trainerentscheidung der Bayern : Der Vorteil von Hansi Flick

Zukunft bei den Bayern: Hansi Flick ist der richtige Mann für die kommende Zeit. Bild: EPA

Einen besseren Trainer als Hansi Flick finden die Münchner jetzt nicht. Für die Zeit nach Corona ist ein Kümmerer von sozialer, aber auch sportlicher Kompetenz gefragt. Und Flick hat ziemlich gut verhandelt.

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          Der FC Bayern hat seit vier Wochen kein Spiel mehr gewonnen. Der FC Bayern hat am Freitag seinem Trainer einen Vertrag bis 2023 gegeben. Aus dem Widerspruch dieser beiden Sätze lässt sich ablesen, dass gerade von der Welt, wie wir sie kannten, nicht mehr viel übrig ist. Jedenfalls im Fußball. Dort war es oft so, dass man sich im Fußball bei langfristigen Entscheidungen von kurzfristigen Zufälligkeiten treiben ließ.

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          Hätte Florian Niederlechner im vorerst letzten Spiel in der vollen Münchner Arena kurz vor Ende den Ball aus kurzer Entfernung zum Ausgleich ins Tor gebracht, Martin Schmidt wäre wohl immer noch Trainer des FC Augsburg. Wären vielleicht die Bayern dann, nach einem verschenkten Derbysieg, noch mal zögerlich geworden bei der Entscheidung, mit Hansi Flick in die Zukunft zu gehen? Hätten sie, wie vor einem Jahr mit Niko Kovac, doch lieber den Rest der Saison abgewartet?

          Corona hat solche Gedanken hypothetisch gemacht. Diese Weltkrise hilft Familien, Firmen, auch Fußballklubs, sich aufs Wesentliche zu besinnen. In solcher Zeit spüren Menschen besser als sonst, was sie aneinander haben. Als Flick, letzten Sommer als Assistent für Kovac gekommen, im hektischen Herbst den Chefposten übernahm, erst für zwei Spiele, dann für ein paar Wochen, dann bis Weihnachten, dann bis Sommer, sahen viele in ihm eine passable Zwischenlösung, einen netten Kerl, der nichts kaputt macht, bis sich auf dem knappen Markt der Trainergurus etwas Besseres ergeben könnte.

          Doch etwas Besseres finden die Bayern nicht in dieser Zeit, ja können sie gar nicht finden. Einen, der bei Team und Fans beliebt ist, Spielfreude und Zusammenhalt zurückbrachte und 18 von 21 Spielen gewann, tauscht man in einer Situation mit so viel Ungewissheit nicht einfach gegen einen Unbekannten aus.

          Für die Zeit nach Corona ist kein grübelnder Guru gefragt, der den Fußball neu erfindet, sondern ein Kümmerer von sozialer, aber auch sportlicher Kompetenz. Wie rasch der Junggroßvater Flick in seiner vertrauensbildenden Art an Bedeutung gewonnen hat und wie gut er, sich dessen bewusst, verhandelte, zeigt die Dauer seines Dreijahresvertrages ebenso wie seine selbstbewusste Äußerung, man habe in den Gesprächen „zusammen“ die Ausrichtung für die kommenden Jahre festgelegt. Einen Trainer in strategische Entscheidungen des Klubs einzubeziehen war bisher eher unüblich beim mächtigen FC Bayern. Vielleicht hat Corona sogar das geändert.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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