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Nach 2:4 in Braunschweig : Hamburg entlässt van Marwijk mit sofortiger Wirkung

Ach du meine Nase, was geht denn da ab? Angesichts der Leistungen des HSV-Teams verschlägt es Bert van Marwijk glatt die Sprache Bild: Bongarts/Getty Images

Das war’s mit Bert van Marwijk. Der Hamburger SV hat seinen Trainer nach dem 2:4 in Braunschweig entlassen. Nachfolger könnte Mirko Slomka werden.

          Der abstiegsbedrohte Hamburger SV hat Trainer Bert van Marwijk entlassen. Das teilte der Verein am Samstagabend mit. Nach der Trennung von Thorsten Fink im September 2013 muss damit bereits der zweite Trainer beim HSV innerhalb einer Saison gehen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Nach der bitteren 2:4-Abfuhr in Braunschweig hatte sich HSV-Sportchef Oliver Kreuzer noch um die entscheidende Frage gewunden. Ist dies das Ende für Trainer Bert van Marwijk? „Wir werden uns zusammensetzen, die ganze Situation analysieren. Wenn es etwas zu verkünden gibt, werden wir das tun“, sagte Kreuzer. Klang nicht mehr nach Rückendeckung, der Abschied des Niederländers steht wohl bevor. Nachfolger van Marwijks könnte Mirko Slomka werden, der HSV-Manager dementierte nicht mal: „Ich möchte keine Namen kommentieren.“

          Der Zusammenbruch des Hamburger SV beim Tabellenletzten schien bereits in der 51. Minute Gestalt anzunehmen. Während der Ball im Hamburger Tor lag und die Braunschweiger den Ausgleichstreffer bejubelten, schlug sich Torhüter René Adler fassungslos gegen den Kopf. Der Nationaltorhüter hatte mit einem groben Fehler den 1:0-Vorsprung des Hamburger SV verspielt – und nach den Chaos-Tagen in Hamburg hätte es niemand mehr verwundert, wenn die ebenso schwächliche wie verunsicherte Hamburger Mannschaft nicht mehr in der Lage gewesen wäre, diesen Rückschlag wegzustecken.

          Und tatsächlich geriet der HSV nur wenige Minuten später scheinbar aussichtslos in Rückstand. Aber der HSV schaffte es in der 76. Minute doch noch, durch den Treffer von Ivo Ilicevic das 2:2 im Duell zwischen dem Tabellenletzten und dem Tabellenvorletzten zu erzielen – und den Rückstand nach den beiden Toren von Dorni Kumbela (51. und 61. Minute) nach der zwischenzeitlichen Führung durch Pierre-Michel Lasogga (23.) damit wenigstens auszugleichen.

          „Das Vertrauen wird immer weniger“

          Aber nach der Chaos-Woche in Hamburg, die den Verein so durchgeschüttelt hat wie wenig zuvor – und den Klub in seinen Grundfesten erschütterte – kam es dann auch gegen den Tabellenletzten, wie es offenbar kommen musste: Kumbela brachte den HSV mit seinem dritten Treffer vier Minuten vor Schluss in einem packenden Spiel der Braunschweiger noch ein Stück weiter in Richtung Abgrund. Und in der Nachspielzeit machte Jan Hochscheidt mit dem Treffer zum 4:2-Endstand schließlich das sportliche Unglück der Hanseaten perfekt.

          „Individuelle Fehler – das ist unser größtes Problem. Dadurch verlieren wir unsere Spiele. Das Vertrauen wird immer weniger. Die Spieler denken jedes Spiel an die Fehler. Man kann fast drauf warten, und das ist etwas, woran wir alle arbeiten müssen. Die beste Medizin wäre, ein oder zwei Spiele zu gewinnen“, sagte van Marwijk. Er wird nicht mehr dabei sein.

          Ein Hamburger Feuerwerk gibt es in Braunschweig nur neben dem Platz

          Der Nachmittag in Braunschweig endete in schwarzen Rauchschwaden aus dem Hamburger Fanblock und den Gesängen der Braunschweiger Fans: „Zweite Liga, der HSV ist mit dabei.“ Tatsächlich ist der Abstieg für den HSV so nah wie noch nie. Dem Verein, der zudem mit 100 Millionen Euro verschuldet ist, drohen in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten weitere Zerreißproben.

          Die Auflösungserscheinungen beim HSV waren schon unter der Woche nach dem 0:5 im DFB-Pokal gegen den FC Bayern München so groß gewesen, dass van Marwijks möglicher Nachfolger schon vor der Partie in Braunschweig in den Zeitungen präsentiert wurde: Mirko Slomka. Und falls auch bei dieser geplanten Verpflichtung mal wieder etwas schief gehen sollte, kursierte auch schon der Name des Ersatz-Ersatztrainers: Martin Jol.

          Domi Kumbela trifft doppelt ins HSV-Herz

          Auch die Zukunft von Sportchef Oliver Kreuzer ist offen, ebenso die des Vorstands, der sich unter der Woche hartnäckig den Forderungen aus dem gespaltenen Aufsichtsrat widersetzt hatte, van Marwijk durch Felix Magath zu ersetzen. Der ehemalige HSV-Spielmacher und Manager hat sich dafür am Freitag entschieden, nun den Tabellenletzten der Premier League, den FC Fulham, zu retten.

          Dass die HSV-Mannschaft, ihre ganz eigene Meinung zur unprofessionellen und unwürdigen Trainerdiskussion in der Hansestadt besitzt, hatte in Braunschweig Torschütze Lasogga nach seinem Treffer in der 23. Minute klar gemacht. Der Ball war kaum im Netz, da setzte der Stürmer zu einem Sprint in Richtung Trainer an – und die Umarmung vor der Trainerbank fiel so demonstrativ und stürmisch aus, dass es van Marwijk fast umgehauen hätte. Es war die erste Meinungsäußerung, die den Spielern nach dem jämmerlichen Trainerwechsel-Versuch gestattet war. Den Profis war in den Tagen vor dem Duell ein Maulkorb verpasst worden – und der Vorstand, der van Marwjik tapfer unterstützt hatte, schwieg aus eigener Entscheidung.

          Lasse Sobiech klärt in höchster Not

          Aber der Mannschaft fehlte es danach an Klasse, um noch bessere Argumente als die ersten Tore im Jahr 2014 ins Feld zu führen. Es war ausgerechnet Torhüter René Adler, der mit einem weiteren Fehler zum 2:3 dem HSV an diesem Tag an seiner Bundesliga-Tauglichkeit zweifeln ließ. Schon die Führung durch Lasogga war glücklich gewesen. Die Braunschweiger waren bis dahin die etwas bessere von zwei schwachen Mannschaften. Das kurze Aufbäumen des HSV nach dem 1:2-Rückstand nach gut einer Stunde war dann auch nicht genug, einem Tabellenletzten beizukommen, der durch Einsatz und Leidenschaft genau das machte, was der HSV nun schon seit drei Monaten in der Bundesliga nicht mehr geschafft: ein Spiel zu gewinnen.

          Eintracht Braunschweig - Hamburger SV 4:2 (0:1)

          Eintracht Braunschweig: Davari - Kessel, Bicakcic, Correia, Reichel - Theuerkauf (46. Kumbela) - Elabdellaoui (26. Pfitzner), Boland, Hochscheidt, Bellarabi - Nielsen (90.+2 Dogan)
          Hamburger SV: Adler - Diekmeier, Sobiech, Westermann, Jansen - Bouy, Rincón (63. Calhanoglu) - John (84. Zoua), van der Vaart (52. Arslan), Ilicevic - Lasogga
          Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg)
          Zuschauer: 23.200 (ausverkauft)
          Tore: 0:1 Lasogga (23.), 1:1 Kumbela (51.), 2:1 Kumbela (61.), 2:2 Ilicevic (76.), 3:2 Kumbela (85.), 4:2 Hochscheidt (90.+3)
          Gelbe Karten: Bellarabi (5), Boland (4), Hochscheidt (1), Kumbela (2), Reichel (3), Theuerkauf (9) / Bouy (1), Diekmeier (3), Rincón (2), Westermann (3)

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